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11.01.2005

Lebensraum Bienwald: Urständig und im Einflussbereich dreier Klimazonen

Eine rund 18.000 Hektar große Fläche in den Kreisen Germersheim und Südliche Weinstraße ist in das Naturschutzgroßprojekt Bienwald einbezogen. Herzstück des Projektgebietes ist der Wald, in ihm befinden sich auch die besonders viel diskutierten Naturwaldflächen. Ergänzt wird das Projektgebiet im Norden durch den Viehstrich, im Süden durch die Lauterniederung und im Osten durch weite Teile der Rheinniederung.

Nachdem die entsprechenden Verträge unterzeichnet sind, wird jetzt in enger Abstimmung mit der Bevölkerung und allen beteiligten Behörden und Interessengruppen, begleitet durch ein eigenes Moderationsbüro, ein Pflege- und Entwicklungsplan erstellt. Bereits im Vorfeld wurde immer wieder auf die besondere Bedeutung des Projektgebietes für unser Ökosystem, für den Wasserhaushalt, für die Erhaltung von Natur und Umwelt hingewiesen.

Drei Besonderheiten zeichnen Bienwald aus

Doch worin liegt eigentlich diese besondere Bedeutung? Dazu ist zu sagen, dass sich der Bienwald durch drei bedeutsame Besonderheiten auszeichnet: Seine Lage, seine „Urständigkeit" und seine Wasserverhältnisse. Diese drei Faktoren machen den Bienwald wirklich „einmalig", so die Fachleute.

Das besondere an der Lage des Bienwaldes ist, dass er im Einflussbereich von drei Klimazonen liegt. Von Osten wirkt kontinentales Klima ein. Von Westen macht atlantisches Klima, das ihn über die „Zaberner Senke" erreicht, seinen Einfluss geltend. Und von Süden her macht sich, über die „Burgundische Pforte" kommend, immer deutlicher mediterranes Klima bemerkbar. So konnte hier ein Niederungswald entstehen, dessen klimatische Bedingungen in Deutschland einmalig sind.

„Urständig" bedeutet, dass sich der Bienwald schon seit dem Ende der letzten Eiszeit kontinuierlich entwickeln konnte. Im Gegensatz zum Pfälzerwald und vielen anderen Waldregionen Deutschlands ist er nie abgeholzt worden. So kann man hier heute noch zahlreiche „Urwaldrelikte" finden. Vor allem seltene Käferarten, die eng an alte, totholzreiche Wälder gebunden sind.

In weiten Teilen vom Grundwasser abgeschnitten

Bemerkenswert ist aber auch, dass ein große Teil des Bienwaldes nicht direkt vom Grundwasser beeinflusst wird. Bedingt durch oberflächennahe Tonschichten staut sich das Regenwasser. Das führt vor allem in einem nassen Winter zu einer großflächigen Überstauung. Dabei entstehen durch geringfügige Änderungen des Bodenreliefs oft große Änderungen der Standortbedingungen. Die Folge sind im sogenannten „nassen Bienwald" verschiedene, kleinflächig wechselnde Waldgesellschaften. Das geht von kleinsten, waldfreien Mooren über nasse Erlenbruch- und Erlen-Eschen-Sumpfwälder sowie großflächigen Eichen- und Hainbuchenwälder bis hin zu trockenen Flugsanddünen mit Dünenkiefernwäldern. Der Bienwald wurde so auch zu Heimat seltener Moose und Flechten, die sonst nur in Mittelgebirgsregionen vorkommen.

Geologische Verwerfung im Bereich der B 9-Trasse

Die genannten Bedingungen ändern sich jedoch schlagartig im Bereich der Trasse der B 9. Bedingt durch eine Bruchlinie im Oberrheingraben, einer sogenannten geologischen Verwerfung, verschwinden die Tonschichten. Die Folge ist das Fehlen von Stauwasser im „trockenen Bienwald" östlich der B 9.

Im Bereich dieser Bruchlinie findet man noch eine weitere geologische Besonderheit. Denn rund um Büchelberg ist, anders als im übrigen Bienwald, das Gelände nicht abgesunken. Hier hat sich vielmehr eine Kalkschicht nach oben geschoben. Der kalkreiche Boden im Büchelberger Offenland bietet so völlig andere Standortbedingungen. Bedingungen, die hier eine äußerst schützenswerte Flora und Fauna entstehen ließen.

Große ökologische Bedeutung hat der Bienwald außerdem auch noch wegen seiner Vernetzungsfunktion zwischen Pfälzerwald / Nordvogesen und den Rheinauen.

Die Serie Der Bienwald ist als Landschaftselement und Lebensraum in der Rheinebene sicher etwas Besonderes. Das erkennt auch der Laie auf den ersten Blick, Fachleute bestätigen dies. Nicht zuletzt deshalb gibt es seit Jahren Bestrebungen, im Bienwald und an seinen Rändern ein Naturschutz-Großprojekt einzurichten - die RHEINPFALZ berichtete darüber recht ausführlich. Vor diesem Hintergrund soll jetzt in einer längeren Serie der Lebensraum Bienwald vorgestellt werden: aus dem Blickwinkel der Fachleute, aber auch aus der Sicht der Menschen unserer Region, die mit dem Wald leben und arbeiten.

Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Pfälzer Tageblatt
Datum: Nr.2
Datum: Dienstag, den 04. Januar 2005
Seite: Nr.22


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