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Verkehrswegeplanung für europäische Transitstrecken in der Vorderpfalz und im Biosphärenreservat Pfälzer Wald
Rheinland-Pfalz ist mit das am stärksten durch Schwerverkehr belastete
Transitland Europas. Längs der Rheinachse fliessen die Güterverkehrsströme des
Nord-Süd-Verkehrs (A61 / A5) auf engem Raum und im Rheintal zusammen.
Im West - Ostverkehr liegt die Schneise der A6
und bald soll ein neuer Transitkorridor, die A60/B50 NEU, das Land von
Nordwest nach Süden durchschneiden.
Jetzt schon sind die Verkehrswege in Rheinland-Pfalz durch den sich hier drängenden Schwerverkehr hoch belastet. Darüber hinaus werden drastische Zunahmen des LKW-Verkehrs durch die Europäische Integration (60 – 70%) vorausgesagt, wenn die Verantwortlichen weiter untätig bleiben.
Was allerdings für die Vorderpfalz und das Biosphärenreservat in Planung ist, gleicht einem Horrorszenario. Eine Verkehrslawine von gigantischem Ausmass würde die Vorderpfalz und das Biosphärenreservat Pfälzer Wald überrollen. Sollten diese Vorstellungen der Verkehrsplaner in die Realität umgesetzt werden, käme dies einer Zerstörung dieser wertvollen Region gleich:
· Die B48, Annweiler ó Bad Bergzabern, würde als Ausweichstrecke für Staus auf der B10 benutzt werden. Abfliessender Verkehr würde zu einer Zunahme des Verkehrsaufkommens führen.
· Auch die B427, Hinterweidenthal ó Bad Bergzabern, bekäme als großräumige Ausweichstrecke für die B10 zwangsläufig mehr Verkehr ab. Hier sind aufwendige Aus u. - neubaumaßnahmen im Gespräch (Untertunnellung Bad Bergzabern, Ortsumgehungen Birkenhördt Lauterschwan, Busenberg, Dahn u. Hinterweidenthal).
· Hinzu kommt noch die geplante gebirgsnahe B38-„Weinstrassenautobahn“ Wissembourg ó AB Anschluß A 65 „Landau Süd“, die sich als Vernetzung der B38-Ortsumgehungen Schweighofen Schweigen(im Gespräch) Oberotterbach (im Gespräch) ó Bad Bergzabern (gebaut) ó Niederhorbach (im Bau) ó Billigheim-Ingenheim ( in Planung) ó Impflingen (in Planung) herstellen lassen würde. Der Transitverkehr von der gut ausgebauten D 263 aus Richtung Strassbourg (ist schon teilweise 4 - spurig) würde diese Route dankbar annehmen.
· Die B10 müsste dann noch einen Teils des Verkehrs, der über die geplante B 9/A 65-„Bienwaldautobahn“ Neulauterbourg ó Wörth hinzukäme, verkraften. Auch hier käme die Verkehrslawine aus dem Süden über eine gut ausgebaute Route aus Richtung Seltz über die B 38 auf die Pfalz zu.
· Last not least käme noch ein Teil der 40 000? zusätzlich erwarteten Fahrzeuge über die geplante zweite Rheinbrücke (wenn die nördliche Variante gewählt wird) in Verlängerung der gut ausgebauten Ortsrandstrasse Jockgrim wieder über die A65 auf die B10 hinzu. Hier würde uns dann der Verkehr heimsuchen, der sich seinen Weg bisher über die A5 bzw. A6 gesucht hat.
Diese Unmenge
von angeplanten Projekten zeigt, daß die Verkehrspolitik verzweifelt noch
irgendwelche Durchstichmöglichkeiten sucht für die hoffnungslos überlasteten
europäischen Transitstrecken in Nord-Süd- bzw. Ost-West-Richtung.
Den Bürgern in den betroffenen Gemeinden werden hingegen starke
Entlastungseffekte durch den Bau von Umgehungsstrassen in Aussicht gestellt.
Diese Entlastung ist erfahrungsgemäss wesentlich niedriger und recht schnell
wieder durch zusätzlich induzierten und verlagerten Verkehr wett gemacht. Ein
Indiz, dass Gemeinderäte allerdings stutzig machen sollte und teilweise auch
macht (siehe Voten der Gemeindeparlamente in Birkenhördt,Siebeldingen
Birkweiler, Wernersberg ), ist die grossräumige und grosszügige Dimensionierung
dieser „Ortsumgehungen“, so dass man sie in einem zweiten Schritt in eine
überregionale Verbindung ausbauen kann. Ein weiteres Indiz für eine Fernstraße
ist die Bezeichnung dieser Projekte als Straßen von überregionaler Bedeutung in
den Raumordnungsverfahren.
Mögliche Alternativen
Wie sähen
diese aus? Die oben geschilderte Situation wurde von Verkehrsplanern
herbeigeführt und ist nicht schicksalhaft, sie läßt sich nach wie vor
beeinflussen. Die Gemeinden stehen diesem Horrorszenario keinesfalls wehrlos
gegenüber. Jeder Gemeinde- bzw. Stadtrat verfügt über die sogenannte
Planungshoheit. Er entscheidet letztendlich über den Bau einer Straße auf
seiner Gemarkung. Es ist in der Tat ganz einfach:
Sagt ein Gemeinde- bzw. Stadtparlament NEIN, so kann die Straße über
dessen Gemarkung nicht gebaut werden. Verschiedene Orte entlang der B10, B38 und
„Bienwaldautobahn“ haben diesen mutigen Schritt schon getan (Wörth u. Kandel).
Wenn Sie das geschilderte Szenario für „unsere liebenswerte, idyllische Südpfalz“ nicht zulassen wollen, so üben Sie politischen Druck auf Ihre Gemeinderäte aus! Zahlreiche Bürgerinitiativen (BI Queichtal, IG Kling- und Kaiserbachtal, BI Hagenbach, BI Oberotterbach, BI Südstadt, BI Wörth, BI - Jockgrim uvm.) sind in den letzten Monaten entstanden bzw. reaktiviert worden. Der BUND Südpfalz leistete hier auf vielen Bürgerversammlungen Hilfestellung.
Unterzeichnen Sie die Resolution von Knielingen für eine andere Verkehrspolitik!
Intelligente,
ganzheitliche Lösungen sind hier gefragt und nicht das Prinzip „Weiter So“.
Damit erfahren wir uns Verkehrsinfarkt, Verlärmung, Verlust von Lebensqualität,
Landschafts- und Umweltzerstörung, Bodenversiegelung und damit den nächsten
Jahrhundertsturm bzw. die nächste Jahrhundertflut in immer kürzer werdenden
Abständen und mit immer verheerenderen Zerstörungen.
Das Denken der Verkehrspolitik ausschliesslich in Straßen und Auto hat uns an diesen Punkt gebracht. Die Schiene wurde bisher sträflich vernachlässigt. Gefragt sind ein Umdenken der Planungsverantwortlichen und vor allem ein Abgehen vom immer noch vorherrschenden Denken in Sektoren, die nach allgemein anerkanntem Wissensstand längst als vernetztes System zu behandeln sind.
Ideen des BUND Südpfalz:
· Für das Queichtal könnte man z. B. die vorhandene Schienenstrecke zweigleisig ausbauen damit einen Teil des jetzigen Verkehrs auffangen. Hierzu gibt es eine qualifizierte Studie, die zudem besagt, daß man damit mit einem Bruchteil der für den B10-Ausbau veranschlagten Kosten auskäme. LKW-Verladung auf die Schiene im Pendelbetrieb wäre denkbar.
· Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs in der Fläche, Einbindung in den Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) und Karlsruher Verkehrsverbund (KVV).
· Produkte sollten größtenteils in der Region bleiben und dort vermarktet werden. Die jetzige EU - weite Subventionspraxis, die einen Großteil des LKW-Transitverkehrs verursacht, müßte entfallen oder zumindest gewandelt werden in eine nachhaltige Förderung der Regionen, ganz im Sinne der lokalen Agenda 21.
Vorschläge der Initiative "Südpfalz Mobil" für die Region Vorderpfalz:
1. Der Regionalexpress Mainz ó Karlsruhe ist linksrheinisch über Wörth zu führen.
2. Es ist ein neues Bedienungskonzept für die Strecke Germersheim ó Wörth zu erarbeiten, um bei überschaubaren Kosten eine Fahrgaststeigerung von bis zu 500 % bei der zu erreichen.
3. Es ist die Elektrifizierung der Strecke Germersheim ó Wörth ó Lauterbourg in den Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen. Notfalls soll das Land Rheinland-Pfalz die Elektrifizierung vorfinanzieren.
4. Der zweigleisige Ausbau der Strecke Wörth ó Winden im Zuge der Verbindung Bingen ó Neustadt ó Karlsruhe ist zu realisieren.
5. Die Strecke Landau ó Germersheim ist umgehend zu reaktivieren.
6. Die ÖPNV-Angebotsstruktur im Queichtal (Landau ó Pirmasens) ist zu verbessern durch einen halbstündigen Rheinland-Pfalz-Takt.
7. Der zweigleisige, elektrifizierte Ausbau (Neubau auf vorhandener Trasse) der Strecke Rohrbach/Saar ó Graben/Neudorf als Lückenschluss einer durchgehenden Verbindung Saarbrücken ó Stuttgart ist zu forcieren.
Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz
oder senden Sie uns ein E-Mail: regionalbuero@bund-pfalz.de