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30.09.2001
Die Region verträgt keinen weiteren Fern- und Schwerlastverkehr
Zum Thema zweite Rheinbrücke sowie regionale und überregionale Verkehrsentwicklung trafen sich letzte Woche auf Einladung des BUND-Südpfalz in Wörth Vertreter von Naturschutzverbänden, Bürgervereinen, Bürgerinitiativen und Interessensgemeinschaften aus der Region Südpfalz, dem nördlichen Elsaß und dem Raum Karlsruhe.
Die "Bürgerinitiative gegen den vierspurigen Ausbau der B-10", verwies auf die prognostizierte Erhöhung des Verkehrsaufkommens von z.Z. noch etwa 20.000 Kfz pro Tag auf bis zu 45.000 Kfz bei Realisierung des vierspurigen Ausbaus zwischen Pirmasens und Landau. Ein Großteil des zusätzlichen Verkehrsaufkommens würde voraussichtlich über die A 65 in Richtung Wörth / Karlsruhe fließen.
Alsace Nature erläuterte den drohenden Bau einer Westumgehung bei Straßburg. Er würde zu einer starken Verkehrszunahme auf der CD 300 von Straßburg nach Lauterburg und in der Südpfalz führen. Dies insbesondere bei einem "Autobahn-Lückenschluß" im Bienwald, wie er vom "Bündnis gegen die Bienwaldautobahn" bekämpft wird.
Die Bürgervereine Knielingen und Neureut stellten dar, dass eine zweite Rheinbrücke mit einer Nordtangente um Karlsruhe als Querspange von der A 5 in Baden Württemberg zur A 65 in Rheinland-Pfalz etwa 40.000 KFZ pro Tag aufnehmen würde. Die vorhandene Rheinbrücke mit dem heute zeitweise schon vorliegenden Verkehrsaufkommen von 100.000 Kfz pro Tag würde durch eine zweite Rheinbrücke nur um etwa 10.000 Kfz entlastet werden. Zusätzlich kämen etwa 30.000 Kfz pro Tag neu in die Region.
Ein vierspuriger Ausbau der B-10, eine zweite Rheinbrücke mit Nordtangente Karlsruhe, eine Westumgehung von Straßburg als auch ein "Lückenschluss" im Bienwald werden in der Region Oberrhein und hier vor allem im Bereich von Wörth, zu einer ungeheueren Verkehrszunahme führen.
Jeder einzelne der genannten "Lückenschlüsse" wird über die Schaffung neuer Verkehrsaufkommen den Druck zur Durchführung der übrigen stark erhöhen. Insofern ist jede der diskutierten Straßenbaumaßnahmen auch für alle anderen von Relevanz. Eine überregionale Zusammenarbeit von Naturschutz- und Bürgervereinen ist deshalb nur konsequent. Mit der Veranstaltung in Wörth soll deren Zusammenarbeit in Zukunft verstärkt werden.
Die von den Straßenplanern oft versprochene Entlastung existierender Verkehrswege so auch der vorhandenen Rheinbrücke wird, wenn überhaupt, minimal ausfallen, wohingegen über die neuen Strassen enorme neue Verkehrsströme in die Region geleitet werden. Nach Ansicht aller Teilnehmer verträgt die Region jedoch keine weitere Zunahme des Fern- und Schwerlastverkehr auf der Strasse.
Die überregionale Verkehrsentwicklung wird in den Einzelplanungen von Straßenplanern und Politikern bisher oft vollkommen vernachlässigt. Jüngstes Negativbeispiel ist das -aufgrund seiner vielen Mängel ausgesetzte- Raumordnungsverfahren zur Bienwaldautobahn. Zu erklären ist dies nur mit fehlender Weitsicht oder aber Taktik, zur Verschleierung der langfristigen Gesamtauswirkungen des Straßenbaus. Beides ist inakzeptabel! Man bedenke nur die nach den genannten "Lückenschlüssen" zu erwartenden Folgen im schon jetzt sehr stark schadstoffbelasteten Raum Wörth/Karlsruhe.
Eigentlich geht es um die Lösung von Transport- und Mobilitätsproblemen. Während der Bau neuer Strassen politisch massiv vorangetrieben wird, liegen die Möglichkeiten des umweltfreundlichen Schienenverkehrs, im Südpfälzer Raum aber auch in der Region Oberrhein insgesamt, noch in großem Umfang brach. Ohne wesentliche neue Belastungen für Mensch und Umwelt wären hier noch riesige Reserven zu aktivieren. Im Vergleich zum Straßenbau ließen sich sogar oft noch erhebliche Kosten einsparen.
Alle anwesenden Verbände, Bürgervereine, Initiativen und Interessensgemeinschaften fordern die Politik deshalb auf, vor der Planung der neuen Strassen, die Möglichkeiten der Schiene für ÖPNV und Transitverkehr umfassend zu prüfen und auszuschöpfen. Erst dann kann über neue Strassen diskutiert werden.
Bis zu diesem Zeitpunkt, darin waren sich alle Teilnehmer einig, wird gemeinsam der Vierspurige Ausbau der B-10, eine Autobahn durch den Bienwald, eine Westumgehung bei Straßburg als auch eine zweite Rheinbrücke mit Nordtangente Karlsruhe abgelehnt. Zur Durchführung der mittelfristig zu erwartenden Reparaturarbeiten an der vorhandenen Rheinbrücke wäre allerdings die Errichtung einer Ersatz-Brücke unmittelbar bei der vorhandenen zu akzeptieren.
Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz
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