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17. 01. 2002

Verkehrsplanung in der Südpfalz

"Den Leuten reicht´s"

Was Politik nicht tut: Umweltschützer leisten Zusammenschau einzelner Straßenprojekte

LANDAU/PF. Nachdem rechtsrheinisch offenbar nichts mehr geht, wird nun der linksrheinische Raum zum Dorado der Straßenplaner. Ganz besonders zu spüren bekommt dies derzeit die Südpfalz. Der BUND sieht Anlass zu der Vermutung, dass die Politik im Augenblick mit beschleunigter Verfahrenseröffnung oder –fortführung bevorstehenden neuen und anspruchsvolleren Planungsrichtlinien im Zusammenhang mit dem neuen Bundesverkehrswegeplan zuvorkommen und vollendete Tatsachen schaffen will.

Was sie nicht leisten will, aber leisten müsste, ist eine Verkehrsträger sowie Verwaltungs- und Staatsgrenzen überschreitende integrierte Planung.

Mit dieser alarmierenden Botschaft wandte sich heute der BUND Südpfalz zusammen mit Vertretern von NABU, Pollichia, GNOR und LAG an die Öffentlichkeit. Die Umweltverbände zeigten an Hand von Kartenmaterial auf, wie die Umsetzung der laufenden Planungen Erscheinungsbild und Lebensqualität des Landstriches zwischen Rhein und Wasgau einschneidend verändern würden. Nicht Entlastungen, sondern enorme neue Verkehrsströme würden entstehen. So würde Landau zur lärmumtosten Verkehrsinsel. Dies aber bleibe verborgen, weil die Politik die Zusammenschau nicht leiste und die zu erwartenden Auswirkungen auf Mensch und Natur eher als eine Art Kollateralschaden betrachte.

Ohne jegliche Status-Quo-Analyse gehe so die neueste Verkehrsuntersuchung für die so genannte Bienwaldautobahn mit keinem Wort ein auf die Verkehrsentwicklung und die Wechselwirkung, die zwangsläufig von gleichzeitig betriebenen anderen Verkehrsprojekten ausgehen wird. Zu diesen Projekten zählen:

Hinzu kommt, dass die neue Querspange mit Anschluss an das völlig überlastete Wörther Kreuz wegen unvermeidlicher Dauerstaus einen neuen Verkehrskorridor durch die Südpfalz erzwingen wird - als eine Art Bypass entlang der A 65, der über ein neues Dreieck Jockgrim, wie im Flächennutzungsplan der Stadt Wörth bereits vorgesehen, den von der zweiten Rheinbrücke ausgelösten Verkehr aufnehmen würde.

Wegen zu erwartender Verkehrszunahme wird die mit Ortsumgehungen der Bevölkerung versprochene Verkehrsberuhigung nicht eintreten. Vielmehr wird ein kilometerbreiter Lärm- und Abgasteppich eine Reihe reizvoller Ortschaften am Haardtrand unter sich begraben. Großdimensionierte Brückenbauwerke würden mehrere markante Bachtäler ihres touristischen Reizes berauben; Weinbau, Fremdenverkehr und Landschaftsästhetik würde unausgleichbarer Schaden zugefügt.

Politik und Planer wollen nicht sehen, dass

Die Unbeweglichkeit und Denkfaulheit der Planungsbürokratie belegt ein besonders krasses Beispiel aus der Südpfalz: Bei Billigheim-Ingenheim wird an der B 38, im benachbarten Heuchelheim-Klingen wird an der B 48 geplant; hier vom Straßenbauamt Speyer, dort vom Straßebauamt Dahn. Die Planer schaffen es nicht, die Planungsabsichten des jeweils anderen Amtes in ihre eigene Planung einzubeziehen.

Welche Alternativen denkbar sind, zeigt das auf beigefügtem Blatt aufgeführte 7-Punkte-Programm des Vereins "Südpfalz Mobil".

 

SÜDPFALZ MOBIL

S i e b e n - P u n k t e - P r o g r a m m

  1. Der Regional-Express Mainz - Karlsruhe ist linksrheinisch über Wörth zu führen.
  2. Für die Schienenstrecke Germersheim – Wörth ist ein neues Bedienungskonzept zu erarbeiten.
    Bei überschaubaren Kosten sind hier in einem Quantensprung Fahrgaststeigerungen von bis zu 500 Prozent zu erreichen.
  3. Die Elektrifizierung der Schienenstrecke Germersheim – Wörth – Lauterbourg ist in den Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen. Alternative hierzu wäre notfalls die Vorfinanzierung durch das Land Rheinland-Pfalz.
  4. Wie im Bundesverkehrswegeplan 1985 bereits enthalten ist der zweigleisige Ausbau der Strecke Bahnhof Wörth – Bahnhof Winden im Zuge der Verbindung Bingen – Neustadt – Karlsruhe zu realisieren.
  5. Die Schienenstrecke Landau – Germersheim ist umgehend zu reaktivieren.
  6. Die ÖPNV-Angebotsstruktur im Queichtal (Landau – Pirmasens) ist durch halbstündigen Rheinland-Pfalz-Takt zu verbessern.
  7. Der zweigleisig elektrifizierte Ausbau (Neubau auf vorhandener Trasse) der Strecke Rohrbach/Saar – Graben-Neudorf als Lückenschluss einer durchgehenden Verbindung Saarbrücken – Stuttgart ist zu forcieren als erheblich kostengünstigere Alternative zum Ausbau der B 10.

Falls Sie Fragen haben, einfach anrufen. 

Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz

oder senden Sie uns ein E-Mail: regionalbuero@bund-pfalz.de

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