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22.04.2004
"Bei
Straßenbau Denkweise wie in den 50er Jahren"
Verkehrsexperte: Straßenplaner sollen auf regionalen Verkehr schauen - Landauer
Fraktionen bekräftigen Nein zu B-10-Ausbau
Verkehrsplaner müssten umdenken, sagte am Montag Professor Dr.
Heiner Monheim bei einer Diskussionsveranstaltung in Landau. Der Hochschullehrer
für angewandte Geografie, Raumentwicklung und Landesplanung an der Uni Trier
hielt den Planern vor, dass sie vor allem den regionalen Verkehr im Auge
behalten müssten. Dieser schlage mit 80 Prozent zu Buche und erfordere keine
großräumigen Umgehungsstraßen. Landauer Spitzenpolitiker aller Fraktionen
sprachen sich an dem Abend gegen den vierspurigen B-10-Ausbau aus.
Für die Landauer CDU bekräftigte Rolf Morio als Spitzenkandidat
für die Stadtratswahl, ¸¸dass wir einen weiteren vierspurigen Ausbau der B 10
ablehnen". SPD-Fraktionsvorsitzende Elisabeth Morawietz erinnerte daran, dass
sich ihre Partei in Landau ¸¸sehr früh eindeutig gegen den vierspurigen Ausbau
ausgesprochen hat". Alle SPD-Ratsmitglieder hätten ihre Position bis heute
beibehalten. Sie plädierte für einen besseren Schienenverkehr zwischen Landau
und Hinterweidenthal.
¸¸Wir sind für den Ausbau der Queichtalstrecke", stieß der
bündnisgrüne Fraktionschef Hans-Jürgen Büssow in Sachen Bahnverkehr ins selbe
Horn. Er sorge sich um die Gesundheit der Menschen, die an einer
autobahnähnlichen B 10 leben müssten. Den Ausbau lehnt er ebenso ab wie Dr.
Gertraud Migl, Spitzenkandidatin des Unabhängigen Bürgerforums Landau, und der
FWG-Vorsitzende Hans Volkhardt. Der vierspurige Ausbau sei ohne eine Lösung an
den Tunells bei Annweiler nicht denkbar, sagte er bei der Veranstaltung der
Aktion ¸¸Unser Horst", des Vereins ¸¸Südpfalz mobil" und der Bürgerinitiative
Landau.
Der B-10-Ausbau könnte zu mehr Verkehr auf der Strecke zwischen
Pirmasens und Landau führen, argumentierte Monheim. Womöglich setze sich dann
auch mancher Zugpassagier häufiger ans Steuer. Auf alle Fälle würde der Landauer
Horst, wo die Veranstaltung stattfand, zur Verkehrsinsel, hieß es aus dem
Publikum.
Monheim sieht sich bei der heutigen Straßenplanung ¸¸mit der
Denkweise aus den 50er/60er Jahren konfrontiert". Alles verändere sich, nicht
aber der Fernstraßenbau. Doch ein gutes Straßennetz lasse eben nicht automatisch
auf einen wirtschaftlichen Boom schließen, sagte er. Im Gegenteil:
Beispielsweise das Saarland sei zwar prima erschlossen, wirtschaftlich sehe es
dort aber nicht rosig aus. Im Münchener Raum sei das Gegenteil der Fall. Nicht
genug der Argumente, die Monheim gegen weitere großräumige Straßenprojekte
anführte: Der Autoverkehr nehme - gemessen an den bundesweit gefahrenen
Kilometern - seit drei Jahren ab. Darüber hinaus büße der Lastwagen bei der
Wirtschaft an Beliebtheit ein. Die Maut lasse die Bahn interessanter werden.
Überhaupt sollten die Bürger viel flexibler kombinieren und nicht
nur ihre Autos nutzen, sondern auch Fahrräder, Busse und Bahnen. Karlsruhe sei
ein Beispiel dafür, wie der öffentliche Personennahverkehr attraktiv organisiert
werden könne, so Monheim. Landau könnte seiner Ansicht nach zum Beispiel auf
Stadtbusse setzen, die in kurzen Intervallen durch die Kernstadt rollen.
Quelle:
Verlag: Rheinpfalz Verlag GmbH & Co. KG
Publikation: Pfälzer Tageblatt
Ausgabe: Nr.93
Datum: Mittwoch, den 21. April 2004
Seite: Nr.16
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