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22.11.2005
Verkehrslandeplatz Speyer: Ruinöser Wettbewerb ist keine Standortpolitik
Im Gesamtrahmen der Metropolregion
handeln!
Vorrang für privates oder öffentliches Interesse?
SPEYER. Der Ausbau des Verkehrslandeplatzes Speyer hat keine Aussicht auf
Realisierung. Es gibt kein öffentliches Interesse für diese Maßnahme. Sie wäre
ein klassisches Beispiel für die Selbstkannibalisierung von Einrichtungen einer
Region, und das auf Kosten von Sicherheit, Natur und Umwelt.
Dies ist das Ergebnis einer 65 Seiten umfassenden Stellungnahme des BUND
Rheinland-Pfalz zum Planfeststellungsverfahren "Landebahnverlängerung des
Verkehrsflugplatzes Speyer". Es beinhaltet eine Verlängerung der derzeitigen
Landebahn von knapp 1.200 Metern auf 1.677 Meter. Bund der Steuerzahler und
Landesrechnungshof dürften mit Sicherheit ein Augenmerk haben auf die hiermit
verbundene Verschwendung öffentlicher Gelder.
1.600 private Einwendungen gegen das Projekt sprechen im Übrigen für sich.
Der Vorhabensträger begründet die Planungen mit der seit dem 1. Januar d. J.
gültigen JAROPS-Richtlinie, von der z. Zt. jedoch lediglich zwei
strahlgetriebene Jets betroffen sind. Eigentliches Motiv des Betreibers ist
jedoch - deutlich aus den Planungsunterlagen ablesbar - die Hoffnung, von
anderen Regionalflughäfen der Metropolregion Geschäftsanteile abwerben zu
können. Zu diesen Flugplätzen zählen insbesondere Worms und Mannheim-Neuostheim.
Völlig außerhalb der Betrachtung bleibt das zusätzlich bestehende Angebot einer
zivilen Nutzungsmöglichkeit des US-Flugplatzes Colemann in Mannheim, der
durchaus auch noch zu einem Konversionsprojekt werden könnte.
Auf Kosten von sicher ebenfalls nicht untätig bleibenden und um Marktanteilen
kämpfenden Konkurrenten im kommerziellen Flugverkehr der Rhein-Neckar-Region
also soll das Millionen-Projekt in Speyer durchgezogen werden.
Der Vorgang ist einzuordnen vor dem Hintergrund einer in den letzten Wochen
erschienenen Studie der Deutschen Bank, wonach - so berichtet die Financial
Times Deutschland am 4. November - weitere Investitionen in kleinere Flughäfen
unnötig seien und wirklich wettbewerbsfähigen Konkurrenten wirtschaftlichen
Schaden zufügen.
Erst ab einer Größe von rd. 500.000 Passagieren können Flughäfen wirtschaftlich
arbeiten; die meisten würden sich gegenseitig kannibalisieren und würden zudem
einen unheilvollen Subventionswettlauf aus unser aller Steuergelder betreiben.
Norbert Walter (Deutsche Bank): "Die Bahn ist sehr viel relevanter". Was
Not tue, sei eine bundeseinheitliche Flughafenpolitik.
Die Befürworter des Speyrer Projektes schaffen - aus ihrer eingeschränkten
linksrheinischen Sicht heraus - noch nicht einmal den Blick über die
Landesgrenze am Rhein, geschweige denn, dass sie zu einer Gesamtschau,
Abstimmung und Arbeitsteilung im relativ engen Rahmen ihrer bejubelten
europäischen Metropolregion fähig sind.
Der BUND vermisst die Einsicht, dass es vordringlich um eine verbesserte
Erreichbarkeit der umgebenden Verkehrsflughäfen und eine bessere Anbindung an
das Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn zu gehen hat.
Die wünschenswerte Linie der Vernünftigkeit ist vorgegeben im "Regionalen
Raumordnungsplan Rheinpfalz 2004", wonach Verkehrslandeplätze nicht
auszubauen, sondern lediglich "entsprechend zu erhalten und in ihrer
Funktionsfähigkeit zu sichern" sind. Ein unter Verschluss gehaltenes
Gutachten eines renommierten Autors im Auftrag der IHK hat ebenfalls vom Ausbau
des Speyerer Freizeit- und Hobby-Landeplatzes abgeraten.
All dies jedoch scheint die hinter dem Vorhabensträger stehenden Unternehmen
(BASF, Hornbach), deren Interessen in diesem Fall sich mit dem öffentlichen
Interesse keinesfalls decken, weiter nicht zu interessieren.
Fazit: Unter den Bedingungen der Rhein-Neckar-Region besteht weder ein
gegenwärtiger noch ein zukünftiger Bedarf für den Ausbau des
Verkehrslandeplatzes Speyer.
Hinzu kommt eine als äußerst kritisch zu bewertende Sicherheitslage. Am
bestehenden Flugplatz ist es bereits zu vier Abstürzen, drei davon mit tödlichem
Ausgang, gekommen. Durch Verlängerung der Landebahn dieses auch in Zukunft nur
im Sichtflug anzufliegenden Landeplatzes erhöhen sich diese Risiken noch.
Weitere Gefahrenpotenziale liegen in den chemischen Fabrikationsanlagen der
Firma Haltermann Speyer GmbH und einem Tanklager, Betrieben, die als
Störfallbetriebe nach der Seveso-II-Richtlinie einzuordnen sind. Auf 27 ha gibt
es 220 unterschiedliche Tanks mit einem Fassungsvermögen von 100.000
Kubikmetern.
Das etwa 8 Flugsekunden entfernte AKW Philippsburg, dessen Block I nicht gegen
Flugzeugabstürze gesichert ist, stellt einen ganz besonderen Gefahrenpunkt dar.
Ferner geht von dem Vorhaben für das Weltkulturerbe Speyrer Dom eine nicht zu
unterschätzende Bedrohung aus.
Nicht unerheblich sind die Eingriffe in die Natur, vor allem auf der Insel Horn,
wo die über hundertjährigen Stieleichen eines einmaligen Hartholzauenwaldes zur
"Herstellung von Hindernisfreiheit" einfach geköpft werden sollen.
Hartholzauenwälder sind bundesweit eingestuft unter der Kategorie "von
vollständiger Vernichtung bedroht".
Quelle: BUND Rheinland-Pfalz
Informationen beim BUND-Regionalbüro Pfalz
Fon 06341/381672, Fax: 06341/381673,
E-Mail: [email protected]
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