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26.05.03

 

Mit moderner Queichtalbahn Verkehr abschöpfen!

 

Untersuchungen zu Attraktivität durch Reisezeitverkürzung und Umsteigefreiheit

Der Ausbau der B 10 zwischen Landau und Pirmasens wird, wenn überhaupt, vielleicht in 10 bis 15 Jahren zu haben sein  -  für viel Geld, das eigentlich gar nicht vorhanden ist. Der Schienenstrang Queichtalstrecke dagegen wäre kurzfristig und auf vorhandener Infrastruktur und zunächst ohne zusätzliche Investitionen, alleine durch Reorganisation aus ihrem derzeitigen Dornröschenschlaf zu neuem Leben zu erwecken.  So wären Reisezeitverkürzungen für Pendler von bis zu einer Stunde möglich zwischen den Punkten Rathaus Pirmasens und Rathaus Karlsruhe.

 

Dies ist eines der Ergebnisse einer eingehenden Untersuchung, die von Herbert Jäger, Jockgrim, für den Fahrgastverband SÜDPFALZ MOBIL durchgeführt wurde. Veröffentlicht wurde sie jüngst im Verbandsorgan POLLICHIA-Kurier 19(2), 2003 (S. 39 – 44). In SÜDPFALZ MOBIL arbeiten auf Verkehrsfragen spezialisierte Vertreter mehrerer Umweltverbände eng zusammen.

Die Darstellung will zeigen, wie öffentlicher Verkehr im Süden und Südwesten der Pfalz hinsichtlich Zeitaufwand und auch Kosten mit dem PKW mithalten kann. Verglichen wird der PKW einerseits mit dem Schienenzustand 2003, andererseits mit dem kurzfristig umorganisierbaren Schienenverkehr und weiter mit dem langfristig möglichen Vollausbau der Queichtalstrecke.
Die Umsetzung des Konzepts wäre ein zentraler Beitrag zur Entwicklung des UNESCO-Projektes Biosphärenreservat Pfälzerwald.


Kurzfristig machbare Maßnahmen wären: Taktverdichtung, Bus-Bahn-Vertaktung, Wegfall von Umsteigezwängen, Neigetechnik, Regionalexpress, Verlegen von Haltepunkten.

Den Zielen der Untersuchung entgegenkommt die von Kreistag Südwestpfalz und Pirmasens in einer Resolution geforderte Modernisierungsoffensive „Queichtalbahn 21“ mit ihrer „Regio-S-Bahn Pirmasens – Landau im 30-Minuten-Takt. Dieser Resolution sollten sich SÜW und die Stadt Landau endlich anschließen.

Was möglich wäre, zeigt folgendes Beispiel: Wer z. Zt. von Zweibrücken nach Mannheim will, braucht 2 Stunden und 39 Minuten mit Umsteigen in Pirmasens-Nord, Landau und Neustadt. Kurzfristig machbar wäre aber eine um 58 Minuten verkürzte umsteigefreie Fahrt.

Ein solches Maß an Attraktivitätssteigerung würde  -  wie allenthalben zu beobachten  -  die Fahrgastzahlen explodieren lassen. Es ist daher einfach nicht fair, wenn das Mainzer Verkehrsministerium der Queichtalbahn in ihrem derzeitigen maroden Zustand Nachfrageschwäche attestiert, aber mit großer Selbstverständlichkeit auf derselben Relation 40.000 Fahrzeuge prognostiziert, die auf der A 65 mit Sicherheit in den Stau rasen werden.

Im Einzelnen führt Jäger u. a. Folgendes aus:

Kernstück ist eine Neuordnung des ÖPNV im Raum Pirmasens nach dem Vorbild der Angebotsstruktur von Baden-Baden. Gegenwärtig wird der ÖPNV im Großraum Pirmasens hauptsächlich von Bussen bewältigt. Busse und Züge sind nicht aufeinander abgestimmt. Der Pirmasenser Hauptbahnhof ist Endpunkt einer Stichbahn und liegt etwa 1 Kilometer nördlich der Stadtmitte. 7 Kilometer nördlich vom Hauptbahnhof befindet sich in einer fast unbewohnten Gegend der Knotenpunkt Pirmasens-Nord. Die Queichtalbahn nähert sich aber bei Rodalben auf etwa 3 Kilometer der Stadt Pirmasens.

Zu dieser schwierigen Situation folgende Lösungsvorschläge:

Rodalben und Thaleischweiler werden Verknüpfungsstationen der Bahn mit den Bussen. Pirmasens-Nord wird als Taktknoten und Haltepunkt aufgegeben. Von Pirmasens Hbf fahren nur noch Züge in Richtung Kaiserslautern und Zweibrücken. Durch Übergangstarife zum Karlsruher Verkehrsverbund und zum Verkehrsverbund Rhein-Neckar werden attraktive Fahrpreise angeboten, z.B. 1.200 Euro für eine Jahreskarte.

Die weiteren Veränderungen wären in drei Stufen denkbar:

1. Kurzfristige Änderungen des ÖPNV-Angebots ohne Veränderung der Infrastruktur:

Ein Regionalexpress Karlsruhe – Saarbrücken im Stundentakt wird eingerichtet und in Rodalben mit dem Pirmasenser Stadtbus verknüpft. Dank weniger Zughalte zwischen Landau und Zweibrücken (Annweiler, Münchweiler, Rodalben und Thaleischweiler) wird mit modernen Fahrzeugen eine Reisegeschwindigkeit von 70 km/h erreicht. Der Regionalexpress wird durch zwei Regionalbahnen ergänzt (Landau - Dahn und Pirmasens Hbf – Saarbrücken). Am Bahnhof Wörth wird ein Omnibuszubringer zu Daimler-Chrysler eingerichtet. Reisezeitverkürzung und Reisen ohne Umsteigen, Taktverdichtung und ein günstiges Tarifangebot könnten erhebliche Fahrgaststeigerungen bewirken. Ein Zuwachs von 2000 Fahrten pro Tag würde die B 10 um 1.500 PKW entlasten. Anfallende Kosten müsste das Land dem Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz-Süd durch Umverteilung im Verkehrsetat zur Verfügung stellen.

2. Teilausbau zur weiteren Angebotsverbesserung:

Reaktivierung der Strecken Landau – Germersheim und Zweibrücken – Homburg sowie die Anlage neuer Haltepunkte. Mit Müllzügen nach Pirmasens und Kieszügen vom Rhein in die Westpfalz und ins Saarland könnte der Güterverkehr auf der Queichtalstrecke wieder aufgenommen werden.

3. Ausbau der Bahn auf vorhandener Trasse:

Die Strecke Rohrbach/Saar – Zweibrücken – Landau – Germersheim – Graben-Neudorf wird durchgehend zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert. Der zweigleisige Ausbau erhöht die Kapazität der Bahnstrecke. Davon könnte insbesondere der Güterverkehr profitieren; die Fahrplansicherheit zum Nutzen des Personenverkehrs würde erhöht. Neigetechnik-Fahrzeuge werden durchgehend 160 km/h ermöglichen.

Die Gesamtstrecke ist rund 130 km lang. Rechnet man drei Millionen Euro pro Kilometer, so kommt der Gesamtausbau auf rund 400 Millionen Euro. Dafür bekommt man einen durchgehenden Ferntransportweg von Belgien/Luxemburg bis in den Donauraum.

Die Transportkapazität liegt bei 100.000 Tonnen pro Tag. Rechnet man die durchschnittliche Auslastung pro LKW mit 20 Tonnen, so könnte die Bahn theoretisch 5.000 LKW-Fahrten pro Tag im Queichtal einsparen. Im Bereich Bierbach/Zweibrücken könnte ein Güterverkehrszentrum für den kombinierten Verkehr eingerichtet werden.

Zur Vervollständigung der äußerst komplexen Informationen ist dieser PI das vollständige Textkompendium der Veröffentlichung im Pollichia-Kurier angehängt. Das darin enthaltene Skizzenmaterial kann jedoch nur dem Originalartikel entnommen werden. Das betreffende Heft kann angefordert werden unter der Tel.-Nr. 06321-921768 (tägl. von 9.00 bis 12.00 Uhr).

Bei Rückfragen: Herbert Jäger, Tel.: 07271/5474 oder Magnus Hellmich, 06341/ 959279


Informationen beim BUND-Regionalbüro Pfalz

Fon 06341/381672, Fax: 06341/381673,

E-Mail: regionalbuero@bund-pfalz.de
 

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