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28.01.2000
BUND betrachtet Beteiligung der Gemeinden Kirrweiler, Maikammer und St. Martin am Expo-Projekt Dorf 2000 mit großer Skepsis
Die
geschickte Präsentation der drei Dörfer mit Beispielcharakter
(vgl. Rheinpfalz-Artikel vom 13.01.2000) darf nach Ansicht des
Architekten und BUND-Vorsitzenden der Kreisgruppe SÜW Rüdiger Maul
nicht darüber hinweg täuschen, dass mit Dorf und Landschaft in der Südpfalz
wenig pfleglich umgegangen wird.
So
seien sämtliche Flurbereinigungsverfahren nach rein wirtschaftlichen,
technokratischen und massenproduktiven Gesichtspunkten geplant und
durchgeführt worden. Landschaftsgestalterische und qualitätsorientierte
Gesichtspunkte wurden dabei meist hinten angestellt. Die bereinigten
Fluren sehen Maul zufolge aus, als sei man mit Lineal und Winkel
durch die ehemals gewachsene und aufgelockerte Landschaft gegangen. Das
Produkt seien öde Weinbergsmonokulturen mit kerzengeraden Wegen,
daneben Alibigrün auf so genannten Restflächen, die sich auf das
gesetzlich geforderte Mindestmaß beschränken.
Die
im Rahmen des Expo-Projektes angepriesenen Landschaftsweiher sind laut Rüdiger
Maul völlig untypisch für unsere Region. Sie wurden nicht aus ökologischen
Gesichtspunkten heraus geschaffen, sondern stellen als Regenrückhaltebecken
für die Dörfer eine bittere Notwendigkeit dar. Gründe für die verschärften
Hochwasserprobleme sind in den zahlreichen Flurbereinigungsmaßnahmen in
Form von Oberflächenversiegelung und Geländenivellierung zu suchen.
Die anfallenden Regenwassermengen können nicht mehr versickern und
sammeln sich mit hohen Abflussgeschwindigkeiten in den tieferen Lagen.
Ein besonderes Negativbeispiel befindet sich Maul zufolge zwischen
Edenkoben und Maikammer, wo ein solches Wasserloch direkt an der
Straße angelegt wurde, das schon damals von Naturschützern strikt
abgelehnt wurde. Heute lädt dort jeder seinen Schrott ab.
Neben
der Flurbereinigung hängt die Verschärfung der wasserwirtschaftlichen
Situation nach Ansicht Rüdiger Mauls auch mit der ungehemmten
Erweiterung der Dörfer durch Neubau- und Gewerbegebiete zusammen. Dies
habe sehr negative Auswirkungen auf das Dorfbild. So wirkten manche Dörfer
entlang ihrer Siedlungsränder wie ausgefranste Lappen ohne Bezug
zur Landschaft. In Kirrweiler, Maikammer und St. Martin sei das
besonders gut zu beobachten. Zukünftige Erweiterungen müssen nach
Ansicht Mauls besonders in St. Martin stark beschränkt werden. Aber
auch in Maikammer und Kirrweiler sei das Dorfbild bereits stark beeinträchtigt.
In viel zu großflächig geplanten Neubaugebieten stünden nackte Häuser
und Hausgruppen ohne Bezug zur Baustruktur des Dorfes frei in der
Landschaft herum.
Zudem
seien alle drei der genannten Beispieldörfer stark durch städtische
Strukturen geprägt und in den letzten 20 Jahren regelrecht zu reinen
Wohnstandorten verkommen. Mehrgeschossige Wohnblocks und überdimensionale
Hotelneubauten kennzeichneten das ramponierte Dorfbild. Viel zu
proper und aufgesetzt wirkten auch viele sanierte Altbauten.
Gesägter Sandstein und aufgesetztes Fachwerk, kalte Stahlkonstruktionen
und auf alt getrimmter Beton kennzeichneten das eher anonym anmutende
Dorfbild. Auch seine viele Flächen einfach überplant und
zubetoniert. Es gebe keine dörflichen Zufälligkeiten und einfache dörfliche
Gestaltungen mehr.
Kennzeichnend
für den Verlust des dörflichen Charakters sei auch das langsame
Verschwinden von einfachen ländlichen Straußwirtschaften. Es entstehe
der Eindruck, als wolle man sich im Wettbewerb um die Touristen mit
Pomp und Klitter übertrumpfen. So trügen auch überdimensionierte
Gasthauswerbeanlagen sowie Parkdecks, die die anrückenden Automengen zu
bewältigen hätten, nicht zur dörflichen Schönheit bei.
Schließlich gibt Maul stellvertretend für den BUND den Rat, die Kirche doch besser im Dorf zu lassen und aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, sonst drohe womöglich das Nicht-Dorf 2010.
Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz
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