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24.02.03

 

Leserbrief zu RHEINPFALZ-Artikel CDU Landau beklagt Anti-Amerikanismus

 

Hätte die Landauer CDU wie viele brave Bürger an der Friedensdemonstration vom 15. Februar 2003 teilgenommen, würde sie mit dem Totschlagargument "Anti-Amerikanismus" korrekter umgehen. Wollte sie ihren Vorwurf aufrecht erhalten, müsste sie auch Millionen von hochsensibilisierten Amerikanern des Anti-Amerikanismus zeihen.

 

Was sich in der Bevölkerung z. Zt. artikuliert, ist eine Einstellung, die einerseits beeinflusst ist vom Geist der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und andererseits sich berufen kann auf höchste christliche Autoritäten.

Die Welt macht sich in diesen Tagen legitimer Weise Gedanken und Sorgen um die geistig-moralische Verfassung einer Regierung, deren Präsident mit mehr als einer halben Million Stimmen weniger als sein Konkurrent und aufgrund eines Richterspruchs ins mächtigste Amt auf Erden gelangen konnte.

Die Welt erschrickt angesichts offen angekündigten Bruchs des Völkerrechts und eines Umgangs mit der Weltorganisation UNO, der erinnert an die letzten Tage des Völkerbundes.

Die Menschen sind entsetzt über den unfassbaren Umstand, wie Regierungen in der Frage des Irak-Krieges sich ungerührt gegen achtzig und mehr Prozent ihrer Bevölkerung stellen können, und über die dort erkennbare um sich greifende Gleichschaltung der Medien.

Die Menschen können nicht fassen,  wie eine selbstherrliche Administration Bush sich bewusst in der Welt isoliert, indem sie das Klimaschutzabkommen nicht ratifiziert, für sich einen internationalen Strafgerichtshof für Kriegsverbrechen strikt ablehnt, den Nichtverbreitungsvertrag für Atomwaffen unterminiert, den internationalen Konsens zum Wettrüsten im
Weltall aufkündigt und ungeniert wirtschaftlichen Protektionismus betreibt, den sie bei anderen hart anprangert. Mit Entsetzen musste im Übrigen - gemäß Presseberichten - die Weltöffentlichkeit zur Kenntnis nehmen, dass im letzten Golfkrieg Soldaten Tausende von flüchtenden irakischen Zivilisten einfach abgeknallt haben sollen. "Truthahnschießen"> soll diese Art von Betätigung genannt worden sein.

Worauf soll sich denn die Weltgemeinschaft noch verlassen können, wenn eine einzelne Macht offen und mit nicht zu überhörender Deutlichkeit ausspricht, sie brauche sich an nichts und niemanden gebunden zu fühlen, wenn es um Sicherung und Ausbau ihrer eigenen Vormachtstellung geht? Darf eine einzelne Macht blutigste Diktatoren aufbauen und wieder abräumen wie ein mit Bauklötzen spielendes Kind?

Über all dies sich Gedanken zu machen und Angst zu haben vor einem nächsten, noch viel grausameren Golfkrieg, das kann doch  beileibe kein platter Anti-Amerikanismus sein; dies ist vielmehr erste Bürger- und Verfassungspflicht des gerade von der CDU häufig beschworenen mündigen Bürgers. Im befreundeten Frankreich ist eine solche Einstellung Konsens quer durch alle politischen Lager. In Deutschland reist die Oppositionsführerin nach Amerika und distanziert sich von ihrer Regierung. Will sie in Bushs Streichelzoo in Gemeinsamkeit mit Berlusconi, Aznar und Blair die Zahl der Kuscheltiere des Präsidenten vermehren?


Quelle: Angelika und Ulrich Mohr, Hochstadt


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