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24.02.03
Friedenspolitik stärkt Wirtschaft und öffentliche Haushalte
Die Aktiven um die
Friedensinitiative Südpfalz und Attac, Ortsgruppe Landau) haben auf ihrem
letzten Mittwochstreffen nach der erfolgreichen Demonstration vom 15. Februar
2003 Bilanz gezogen und ihre weitere Arbeit besprochen.
Bemerkenswert erschien vor allem, dass das gesamte Bevölkerungsspektrum der
Südpfalz durch Teilnahme an Kundgebung und Demonstrationszug ein
unmissverständliches und repräsentatives Meinungsbild abgegeben habe. Die Zahl
der Unterschriften unter die Resolution an die Bundesregierung hat sich um
weitere ca. 500 erhöht.
Am kommenden Mittwoch soll im "Westbahnhof" der
Film "Die Kinder von Bagdad - Der Irak und die Folgen des
Golfkrieges" gezeigt werden. Anschließend wird der Landauer Arzt Dr.
Werner Lüdtke zu den massiven medizinischen Dauerproblemen referieren,
die die irakische Bevölkerung seit dem Golfkrieg von 1992 zu tragen hat. Im
Laufe des März wird es einen Abend zum Thema Privatisierung der
Trinkwasserversorgung geben, das auch Kommunalpolitiker interessieren
dürfte. Es ist nämlich davon auszugehen, dass nach Abschluss eines evtl.
Irak-Feldzuges weltweit der Druck in Richtung Privatisierung öffentlicher
Dienstleistungen zugunsten multinationaler Konzerne verstärkt werden wird.
Die sehr gut besuchte Gesprächsrunde zeigte sich überzeugt, dass in den
nächsten Tagen zu Desinformationszwecken "Inszenierungen"
ähnlich der vor dem 1. Golfkrieg erfolgen werden, um in der Weltöffentlichkeit
die Stimmung pro Krieg umschlagen zu lassen. Damals hatte man mit Hilfe einer
damit beauftragten PR-Agentur die völlig aus der Luft gegriffene Mär von aus
ihren Brutkästen gerissenen Babys um die Welt laufen lassen. Nicht anders sei
die Weltöffentlichkeit zur Auslösung des Vietnam-Krieges mit dem fingierten
Angriff im Golf von Tonkin hinters Licht geführt worden. Zum Thema Angstmachen
gehöre auch das z. Zt. hochgespielte Pockenthema.
Durchaus berechtigte Angst jedoch gebe es angesichts der Folgen eines
Irakkrieges für die Weltwirtschaft, insbesondere für die deutsche Wirtschaft.
Dabei gehe es weniger um Dinge wie die 17,2 Milliarden Mark, die die
Bundesregierung im 1. Golfkrieg für ihre Nichtteilnahme in aller Stille zu
berappen hatte. Es gehe vielmehr um die gesamtwirtschaftlichen Kosten aus
direkten Militärkosten und den indirekten Folgekosten wie Besatzung,
Wiederaufbau, humanitäre Hilfe, Ölpreiseffekt und Terroranschläge sowie die
gesamten makroökonomischen Auswirkungen.
William D. Nordhaus, hoch renommierter Wirtschaftsprofessor an der
Yale-Universität, summierte kurz vor Weihnachten 2002 die direkten und die
indirekten Kosten eines kurzen Irakkrieges auf 99 Mrd. US-$, für den
wahrscheinlicheren Fall eines mehrmonatigen Krieges rechnet er mit einer Summe
von 1,924 Billionen.
Für Deutschland würde dies bedeuten den Absturz in die Rezession und
einen nochmaligen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf einem bereits hohen
Sockel; vor allem die Jugendarbeitslosigkeit nähme noch dramatischere Formen
an.
Konsequente Friedenspolitik der Europäer sei daher die einzig verantwortbare
Alternative zum nicht zu Ende gedachten Kriegskurs der Bush-Administration. Nur
so könne unsere Wirtschaft vor einer von Amerika ausgehenden tiefen Rezession
und die Gesamtheit der öffentlichen Haushalte vor dem Kollaps bewahrt werden.
Im Vergleich zu solchen Aussichten sei die gegen die Friedensbewegung
gerichtete Panikmache um angebliche Arbeitsplatzverluste bei US-Basen in
Rheinland-Pfalz absolut verantwortungslos. Die Amerikaner würden ihre teuren
Infrastrukturen hierzulande nicht so ohne weiteres aufgeben. Außerdem ersetzen
sie seit geraumer Zeit - und ohne Rücksichtnahme auf Stimmungen hierzulande
- deutsche Arbeitnehmer durch eigene. Die Annahme, deutsche Kriegsbejahung
würde durch Erhaltung amerikanische Arbeitsplätze belohnt, sei mehr als
blauäugig.
Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz
oder senden Sie uns ein E-Mail: regionalbuero@bund-pfalz.de
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