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23. 03. 2004

Demonstrationszug von Landstuhl nach Ramstein zum Jahrestag des Irakkriegs

¸¸Wir werden immer wieder kommen"

Ramstein-Miesenbach. Das Drehbuch für einen Film kann kaum besser sein: Genau in dem Moment, als die Spitze des Demonstrationszugs auf der langen Geraden der Straße zur Air Base Ramstein auftaucht, durchschneiden zwei Kampfflugzeuge den Wolken verhangenen Himmel. Würde es sich um Maschinen des US-Militärs handeln, gegen das sich der Protest der gestrigen Friedensaktion in der Westpfalz vornehmlich richtete, wäre das Drehbuch perfekt. Doch es sind zwei deutsche Phantom, die mit ohrenbetäubendem Lärm gen Westen verschwinden.

¸¸Stillhalten ist tödlich" steht auf dem Banner zu lesen, das Demonstranten an der Spitze des Zugs vor sich her tragen. Es ist das Motto, unter das die Vereinigung ¸¸Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs" (IPPNW) und zahlreiche andere Friedensbewegungen ihre Großveranstaltung in der Westpfalz anlässlich des ersten Jahrestags des Irakkriegs gestellt haben. 5000 Teilnehmer hatten sie erwartet. Doch schon zum Auftakt am Mittag im benachbarten Landstuhl zeichnet sich ab, dass es weitaus weniger sein werden. Um die 2000 applaudieren drei Stunden später am US-Luftwaffenstützpunkt unter anderem dem SPD-Politiker Oskar Lafontaine. Dem Polit-Routinier ist es zuvor als einzigem gelungen, sein Publikum mitzureißen. Dass die Stimmung gedämpft ist, liegt vor allem am Wetter: Sturm, Regenschauer, kühle Temperaturen.

Bunte Tupfer setzen die Fahnen, die viele Demonstranten in der Hand halten: ¸¸Pace", ¸¸Frieden", ist auf dem regenbogenfarbigen Stoff zu lesen. Frieden auf der Welt ist das Anliegen, das sie mit vielen anderen Menschen eint. Denn nicht nur in der Westpfalz, sondern auch in Kanada, in den USA, Mittelamerika, in Neuseeland, Japan und ganz Europa gehen die Menschen an diesem Samstag auf die Straße. ¸¸Wir werden uns nie mit Atomwaffen abfinden, sondern immer wieder kommen", wird unter anderem in der Westpfalz klargemacht.

Im Fokus der Kritik steht die US-Regierung: Nicht der Weltfrieden, sondern das eigene, insbesondere wirtschaftliche Interesse sei Ausgangspunkt einer amerikanischen Politik, die nichts mit Verteidigung zu tun habe. ¸¸Durch seine Kriegspolitik macht sich US-Präsident George W. Bush zum Motor des Terrorismus", formuliert es der Journalist Franz Alt auf der Bühne in Landstuhl. Eine Aussage, die Lafontaine in Ramstein aufgreift: ¸¸Wo Unschuldige getötet werden, wird neuer Terror geboren, weil die Menschen anfangen zu hassen."

Zuvor hat es Mike McCally, Vorsitzender der amerikanischen Ärztevereinigung gegen Atomwaffen, als Doppelmoral gewertet, dass sein Heimatland unter dem Hinweis auf Massenvernichtungswaffen in den Irak einmarschiert sei, gleichzeitig aber selbst über Atomwaffen verfüge. ¸¸Die USA geben ein schlechtes Beispiel", sagt er und beschreibt die Angst seiner Landsleute vor einem Atomwaffen-Terrorakt.

Die Kritik der Demonstranten und Gastredner bezieht aber auch Europa, Deutschland und Rheinland-Pfalz mit ein, die die US-Politik zumindest indirekt unterstützen würden. Mit Blick auf die Militärflughäfen Ramstein und Spangdahlem fordert Franz Alt ¸¸Rüstungskonversion statt Ausbau". Regionale Gruppen sowie der Veteran der Friedensbewegung, IPPNW-Mitbegründer Horst Eberhard Richter, warnen einmal mehr vor der Gefahr, die von den nach ihrer Meinung in Ramstein gelagerten Atombomben ausgeht. Richter plädiert zudem dafür, einen anderen Weg im Kampf gegen den Terrorismus zu gehen: den einer UN-geführten Friedenspolitik unter Mitwirkung der islamischen Länder. Und in einem weiteren Punkt sind sich alle einig: Dass der Regierungswechsel in Spanien nach dem Attentat in Madrid die Friedensbewegungen stärkt.

Gänzlich unbeeindruckt von dem, was sich wenige hundert Meter vor dem Haupttor der Air Base Ramstein abspielt, sind indessen die US-Militärangehörigen, die auf der Fahrt vom Dienst nach Hause umgeleitet werden. Nahe an die Kundgebung heran kann ohnehin nur derjenige von ihnen kommen, der sich die Mühe macht, anzuhalten und aus dem Auto zu steigen. Denn in ausreichendem Abstand zum Tor hat die Polizei in Absprache mit dem Militär eine Straßensperre aufgebaut. Der Sicherheitsabstand wird von den Demonstranten respektiert. Wie sie überhaupt das beste Beispiel für das abgeben, was ihnen am Herzen liegt: ¸¸Absolut friedlich", lautet die Bilanz der Polizei am Abend. Oder mit den Worten von Einsatzleiter Wolfgang Schäfer gesagt: ¸¸Es war eine schöne Sache."

Quelle:
Verlag: Sonntag Aktuell
Publikation: Vorderpfalz
Ausgabe: Nr.12
Datum: Sonntag, den 21. März 2004
Seite: Nr.4

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