Auf ein kanzerogenes Potential der Mobilfunkfelder deuten auch die Befunde zur Beeinflussung der Zelltransformation, der Zellvermehrung und der Zellkommunikation. Nachgewiesen wurden ferner Störungen weiterer zellulärer Prozesse, z. B. der Protein-Synthese und der Steuerung durch Enzyme.
In zahlreichen Versuchen an Menschen wie an Tieren wurden
Beeinflussungen des Zentralen Nervensystems nachgewiesen, die von neurochemischen Effekten
bis zu Veränderungen der Hirnpotentiale und Beeinträchtigungen bestimmter
Gehirnfunktionen reichen.
Letztere zeigen sich im Tierexperiment u. a. an Defiziten im Lernvermögen.
Bei Versuchspersonen, die den Feldern von Mobiltelefonen ausgesetzt waren, wurden
Beeinflussungen bestimmter kognitiver Funktionen nachgewiesen.
Mögliche Risiken für das Gehirn ergeben sich auch durch die
Erhöhung der Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke für Fremd- und potentielle
Schadstoffe, die in mehreren Experimenten bei Tieren nachgewiesen wurden, die
Mobilfunkfeldern ausgesetzt waren.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am ECOLOG-Institut fanden bei ihrer Recherche
auch zahlreiche Hinweise auf Wirkungen der Felder des Mobilfunks auf das Hormon- und das
Immunsystem.
So lösten diese Felder bei Versuchstieren eindeutige
Stressreaktionen aus, die sich z.B. an einer erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen
zeigten.
Im Tierexperiment konnte auch eine deutliche Verminderung der Konzentration des Hormons
Melatonin im Blut exponierter Tiere festgestellt werden. Diese Befunde sind deshalb
bedeutsam, weil Melatonin eine zentrale Steuerfunktion für das Hormonsystem und die
biologischen Tagesrhythmen hat und es die Entwicklung bestimmter Tumoren hemmt.
Der Rest, auf den sich unsere Bewertung stützt,
ist jedoch so gut gemacht und in sich konsistent, dass wir die deutlichen Hinweise auf
Gesundheitsrisiken ernst nehmen müssen.
Um den Schutz der Bevölkerung vor den Auswirkungen der Felder des Mobilfunks zu
verbessern, brauchen wir in Deutschland deutlich niedrigere Vorsorgegrenzwerte, wie sie
bereits in einigen europäischen Nachbarländern gelten.
Die Erfahrungen dort zeigen, dass die Nutzung der Mobilfunktechnologie
und ein vorsorgender Gesundheitsschutz vereinbar sind."
Das ECOLOG-Institut empfiehlt, beim Bau von Mobilfunkanlagen in
der Nähe von Wohnungen, Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und ähnlich
empfindlichen Nutzungen einen Vorsorgegrenzwert von 0,01 W/m2 nicht zu überschreiten.
Den Mobilfunkbetreibern wird nahe gelegt, diesen Vorsorgegrenzwert von sich aus ab sofort
einzuhalten und nicht auf die Verabschiedung der Neufassung der entsprechenden Verordnung
zum Bundes-Immissionsschutzgesetz zu warten.
Der für die Umgebung von Mobilfunksendeanlagen empfohlene
Grenzwert ist bei der Benutzung von Mobiltelefonen auf dem jetzigen und dem in absehbarer
Zeit erreichbaren Stand der Technik nicht möglich.
Eine Absenkung auf maximal 0,5 W/m2 sollte nach Auffassung der Wissenschaftler am
ECOLOG-Institut aber dringend angestrebt werden.
Ein besonderes Problem sehen sie bei Nutzung von Mobiltelefonen
durch Kinder und Jugendliche, da sich deren Organismus zum einen noch in der Entwicklung
befinde und deshalb besonders empfindlich sei, zum anderen weil mittlerweile viele
Heranwachsende zu den regelmäßigen Nutzern von Mobiltelefonen gehören.
Diese Bevölkerungsgruppe sollte deshalb zumindest nicht direkt beworben werden.
Außerdem sollten besondere Anstrengungen unternommen werden, um die Belastungen beim
Telefonieren durch technische Änderungen an den
Handys zu verringern. Auch durch die Benutzung von Head-Sets oder Abschirmtaschen kann die
Belastung des Kopfes vermindert werden.
Ihr Ansprechpartner für Rückfragen:
Dr. H.-Peter Neitzke
ECOLOG-Institut für sozial-ökologische Forschung und Bildung
Nieschlagstr. 26
30449 Hannover
Tel. / Fax.: 0511-92456-46/-48
mailto:mailbox@ecolog-institut.de
Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz
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