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21.02.2006KARLSRUHE/WÖRTH. Wenn die Planer des 2. Rheinübergangs im laufenden Raumordnungsverfahren ein Gesamtszenario unter Einbeziehung der rechten Rheinseite und der zukünftigen Verkehrsentwicklung gezeichnet hätten, würde die Diskussion um dieses Projekt eine ganz andere Qualität bekommen. So der BUND zur Diskussion um die Verquickung der Sanierungsfrage um die bestehende Rheinbrücke mit dem Projekt der Neuerrichtung einer sog. „Nordbrücke“.
Nach Auffassung der Umweltorganisation breiten die Planer, weil sie im Grunde eine neue Autobahnquerspange zwischen beiden Seiten des Rheines durchsetzen wollen, über folgende nicht unerhebliche Tatsachen den Mantel des Schweigens:
Die täglichen
Staus auf der B 10 werden nicht von der bestehenden Brücke selbst
mit ihrem dreistreifig geführten Verkehr verursacht. Grund ist
vielmehr, dass die aus der Pfalz kommenden Fahrzeuge unmittelbar
hinter der Brücke und am sog. „Ölkreuz“
auf zwei Fahrstreifen
zusammengedrängt werden.
Eine mögliche Ausweitung auf drei
Streifen wird von der Stadt Karlsruhe verweigert. Kein Wunder,
dass hierdurch bei den Verkehrsteilnehmern Stimmung für die
Realisierung einer die Nordbrücke voraussetzenden Nordtangente
entstehen kann.
Die Planer selbst rechnen für das Prognosejahr 2025 bei realisierter Nordbrücke mit 74.600 Fahrzeugen am Tag bei Maximiliansau. Dies bedeutet, dass die in Aussicht gestellte spürbare Erleichterung für die Bevölkerung nicht eintreten wird.
Der
stillschweigenden Voraussetzung der Verkehrspolitik, dass für
immer weiter wachsenden Straßenverkehr immer mehr Straßen gebaut
werden müssen, wird in der Realität mehr und mehr die Grundlage
entzogen.
Auf der bestehenden Rheinbrücke stagniert das
Verkehrsaufkommen seit einigen Jahren. Bundesweit - das teilt das
Bundesverkehrsministerium mit - gibt es seit 1998 kein Wachstum
mehr für PKW´s, der LKW-Verkehr nimmt nur noch um 1,5 Prozent im
Jahr zu.
Die kommende Stadtbahn und
ein mögliches zweites Gleis
zwischen Winden und Wörth könnten einen merklichen Anteil an
Autoverkehr von der bestehenden Brücke abschöpfen.
Zu einer zukünftigen Entlastung werden weiter beitragen die
demographische Entwicklung, die steigenden Ölpreise und die
Langzeitwirkung der Maut.
Damit das
Millionenprojekt Nordbrücke nicht ein Torso in der
sensiblen oberrheinischen Naturlandschaft
bleibt, müssen weitere Millionenprojekte in Angriff genommen
werden:
So unter anderem die Hagenbach-Variante
der Bienwaldautobahn mit 11.000 Kfz/Tag mehr aufs Wörther Kreuz,
rechtsrheinisch die sog. „Nordtangente“ beim Karlsruher
Stadtteil Knielingen mit ihren
26.500 an die B 9 herangeführten Kfz. Was wieder die Forderung
nach teuren und letztlich die Bevölkerung doch nicht entlastenden
Ortsumgehungen in Gestalt
eines von Jockgrim und Hatzenbühl ausgehenden
Fernverkehrskorridors auslöst.
Fazit:
Die unumgängliche Sanierung der vorhandenen Brücke ist lediglich ein
Vorwand, um an anderer Stelle ein „neues Fass“ aufmachen zu können.
Der Raum Südpfalz/Karlsruhe würde im Verkehr ersaufen, wenn mit der
Einweihung der Nordbrücke dereinst ein triumphales „azapft is“
über den Rhein donnern würde.
Es würde sich zeigen, wie trotz allgemein abflauenden
Verkehrswachstums dennoch durch starke Verkehrsbündelung regional
die Verkehrsbelastung zunehmen kann.
Bemerkenswert erscheint noch, wieso die regionale Kommunalpolitik gegen die Hagenbach-Variante und gleichzeitig für eine Nordbrücke, die mit diesem Autobahnprojekt gerechtfertigt wird, votieren kann.
Vor allem ist zu bedenken, dass die hartnäckige Verknüpfung von Sanierungs- und Nordbrückenprojekt zu einer riskanten Verschleppung der Sanierungsarbeiten führen kann.
Der BUND möchte zu einer Vertiefung der Diskussion beitragen. Daher hat er mit Unterstützung zahlreicher anderer Verbände aus Baden, der Pfalz und dem Elsass ein Gutachten in Auftrag gegeben, das zu gegebener Zeit der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Es wird dann auch den Kommunen beiderseits des Rheins zur Verfügung gestellt.
Quelle: BUND Rheinland-Pfalz und im Konsens mit allen verbündeten Verbände und Bürgerinitiativen aus der Südpfalz, Karlsruhe und Elass.
Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz
oder senden Sie uns ein E-Mail:
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