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23.06.03
2. Rheinbrücke Karlsruhe/Wörth: 30 Organisationen schreiben nach Berlin
Schlechtes
Nutzen-Kosten-Verhältnis. Verstoß gegen Hochwasserschutz. Keine integrierte
Verkehrsplanung
In einem eindringlichen Schreiben an Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe
setzen sich insgesamt 30 Unterzeichner ein für eine Änderung des im vorliegenden
Entwurf des Bundesverkehrswegeplanes dargestellten Projektes „2. Rheinbrücke“.
Die Unterzeichner vertreten unterschiedlichste Vereine,
Initiativen, Umweltgruppen und Parteigliederungen. Sie repräsentieren damit
mehrere Zehntausend Menschen beiderseits des Rheines. Der jüngst bei einem
Treffen im nordbadischen Knielingen konzipierte Brief geht außerdem an die
Bundestagsabgeordneten im Raum Karlsruhe und Südpfalz, an die
verkehrspolitischen Sprecher aller im Bundestag vertretenen Parteien und an
Bundesumweltminister Trittin.
Das Schreiben wirft die Frage auf: "Werden realisierbare, kostengünstigere
und umweltfreundlichere Varianten noch vor Durchführung der erforderlichen
Raumordnungsverfahren verworfen?“ Die Frage wird gestellt vor dem Hintergrund,
dass die von den Unterzeichnern favorisierte Variante einer Ersatzbrücke
zwischen der vorhandenen Brücke und der Eisenbahnbrücke im Bereich der nicht
mehr vorhandenen ehemaligen Kfz-Brücke mit 27,1 Millionen Euro lediglich ein
Drittel der Kosten verursachen würde, die für die 1,5 Kilometer weiter
nördlich gelegene Variante anfallen werden.
Zudem wäre das Kosten-Nutzen-Verhältnis
bei der „Brücke zwischen den Brücken“ um das Doppelte günstiger.
Dies
alles ergibt sich aus einem älteren Entwurf des Bundesverkehrswegeplanes und
einer Machbarkeitsstudie der Verkehrsbehörden.
Nachdrücklich angemahnt wird eine „Gesamtschau der Planungen und eine
Gesamtfolgenabschätzung für den betroffenen Raum“. Diese nämlich würde
offenbaren, dass mit der Verfolgung der nördlichen Variante sich sämtliche
Bekenntnisse der Politik zum Hochwasserschutz wieder einmal als Lippenbekenntnisse
erweisen.
Denn: Dieser Projektvorschlag liegt voll im hochwassergefährdeten
Bereich und wird obendrein begründet mit einer Vielzahl raumwirksamer
Vorhaben, die aus Hochwasserschutzgründen nicht weniger problematisch sind.
Hierzu zählen: Ein Fachmarktzentrum, ein Güterverkehrszentrum sowie lokale
Planungen der Städte Wörth und Karlsruhe.
Die Lehren aus dem schrecklichen
Elbhochwasser scheinen nach knapp einem Jahr schon wieder vergessen zu sein.
Weiter fordern die Unterzeichner „die prognostizierten Verkehrszuwächse über
das Potential der Schiene sowie eine integrierte Verkehrsplanung zu
bewältigen“. Wie sehr alternative Verkehrsträger wieder einmal übergangen
werden, zeige z.B. der Umstand, dass die von Ministerpräsident Beck
angekündigte Ausdehnung des Karlsruher Verkehrsverbundes auf die gesamte
Südpfalz vollkommen unberücksichtigt bleibe.
Als unzulässig kritisiert das Schreiben darüber hinaus, dass mit der notwendigen
Sanierung der bestehenden Rheinbrücke eine Erweiterung der Verkehrsinfrastruktur
verknüpft werde. Es gehe schließlich offensichtlich um einen neuen Abschnitt
einer Straßentransversale zwischen Ost- und
Westeuropa und außerdem um eine Verkehrsverlagerung vom
rechtsrheinischen in den linksrheinischen Bereich.
Einer vernetzten Betrachtung könne nicht entgehen, dass das Projekt Rheinbrücke
(RP-Nr. 5522) Schlüsselfunktion für das Verkehrsgeschehen in der gesamten
Region habe. Es wirke sich aus auf den Ausbau der B 10 (RP-Nr. 5025), die
Nordtangente Karlsruhe (RP-Nr. 8065), die „Bienwaldautobahn“ (RP-Nr. 5018)
sowie auf den sechsspurigen Ausbau mehrerer bestehender Autobahnen.
Quelle: BUND Rheinland-Pfalz
Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz
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