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12.03.2009
Beregnungsgutachten für Südpfalz:
Wissenschaft bestätigt Raubbau an Grundwasser
Wertvolle Südpfälzer Feuchtgebiete trocknen aus.
Neben Gemüseanbau noch andere Ursachen?
SÜDPFALZ. Was von weiten Teilen der Bevölkerung – insbesondere in Hochstadt – sowie von Umweltschützern schon lange befürchtet wird, hat jetzt ein Gutachten der Darmstädter „Brandt Gerdes Sitzmann Umwelt GmbH“ (BGS Umwelt) bestätigt. Die Untersuchung unter dem Titel „Konzeptionelle wasserwirtschaftliche Abschätzung der landwirtschaftlichen Beregnung in der Südpfalz“ beschreibt eine bereits deutlich nachweisbare witterungsunabhängige Grundwasserabsenkung vor allem im oberen, z. T. auch mittleren Grundwasserleiter. Es zeigt mittel- und langfristige Trends auf, die mit Gewissheit eine weitere, erhebliche Zunahme dieser seit Jahren bestehenden Entwicklung erwarten lassen. Diese stehe in direktem Zusammenhang mit der in der Südpfalz weitgehend privat organisierten dezentralen Beregnungspraxis des sich ausdehnenden Gemüsebaus. Das Gutachten sieht ein erhebliches Konfliktpotential mit naturschutzrechtlichen Zielen in der Region. Es wurde dem BUND von der „SGD Süd, Regionalstelle Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Bodenschutz“ in Neustadt Wstr. freundlicherweise zur Verfügung gestellt.
Die Gutachter empfehlen dringend ein Monitoring für die Konfliktbereiche zwischen Hochstadt und Zeiskam, welche sich aus der Überlagerung des Einflussbereiches der Beregnungsbrunnen mit den empfindlichen Schutzgebieten der Queichniederung ergeben. In eine Erstbewertung seien auch Flächen um Offenbach /Qu. mit einzubeziehen. Außerdem macht das Gutachten Vorschläge zur Lösung des Konflikts zwischen landwirtschaftlicher Beregnung und der Schutzpflicht gegenüber Natur und Umwelt.
Insbesondere sei der oberste Grundwasserleiter für die Ökologie der betroffenen Feuchtgebiete besonders entscheidend. Durch Infiltration ins zurückweichende Grundwasser verlieren die Bäche der Ebene bis hin zu sommerlichem Trockenfallen zunehmend an Wasser.
Vor allem sei der gesamte Queichschwemmkegel mit seinen einst ausgeprägten Feuchtgebieten flächenhaft von deutlichen Grundwasserabsenkungen betroffen. Der potentielle Betroffenheitsschwerpunkt liege aufgrund der geologischen Verhältnisse auf den westlichen Teilflächen des FFH-Gebietes „Bellheimer Wald mit Queichtal“ und des weitgehend deckungsgleichen EU-Vogelschutzgebietes „Offenbacher Wald, Bellheimer Wald und Queichwiesen“ bei Hochstadt. Die Schutzwürdigkeit dieser Natura 2000-Flächen ergebe sich aus artenreichen Vogelbeständen, die teilweise die landesweit höchste Dichte erreichen. Dies gelte besonders für die Spechtarten. Hervorhebenswert erscheint auch die größte Brutpopulation des Wachtelkönigs. Probleme für die Forstwirtschaft, vor allem in Hinblick auf die Werteichen, sind bereits erkennbar. Das Gebiet steht unter höchstem europäischem Schutzstatus. Der Haupteinflussbereich der Beregnungsbrunnen mit einer Absenkung von 0,25 bis 1,0 Metern erstrecke sich von in etwa nördlich Herxheim bis zu der Linie Walsheim – Kleinfischlingen – Dudenhofen.
Im Zuge der ständig weiter ausgebauten Dichte dezentraler Brunnen durch landwirtschaftlichen Strukturwandel (s. beispielsweise Rückzug des Tabakanbaus) nehme die Bedrohung immer weiterer Naturareale mehr und mehr zu. Gefährdet seien daher auch folgende Gebiete: Die Wald- und Grünlandflächen zwischen Herxheim, Hatzenbühl und Steinweiler, Laubmischwälder nordöstlich Kuhardt, das Naturschutzgebiet Eichtal-Brand nordöstlich Kandel, die schmale Kalten-/Bruchbachaue zwischen Kleinfischlingen und Freisbach oder der Wald nördlich Schwegenheim. Zudem führt das Gutachten Konfliktflächen auf bei Dudenhofen, Schifferstadt und Geinsheim sowie den Ordenswald und daran angrenzendes Offenland.
Als Alternativen zu der sich rasch verschärfenden Konfliktsituation werden drei Möglichkeiten mit unterschiedlichen Konsequenzen für Wirtschaftlichkeit und Umwelt aufgezeigt: a) Beregnung aus dem Fließgewässersystem, b) aus Altrhein oder Kiesgruben, c) aus drei zentralen Tiefbrunnenanlagen, die aus den gleichen Horizonten schöpfen wie die Trinkwasserversorgung für die Bevölkerung.
Für letztere Alternative werden folgende drei Standorte vorgeschlagen: Ein Brunnen könnte nördlich Zeiskam liegen, ein zweiter östlich der Linie Ottersheim - Herxheim und ein dritter westlich von Kandel.
Im BUND hat sich die Meinung gebildet, dass es in diesen Fragen und in der aufgezeigten Problematik zeitnaher und enorm anstrengender Überlegungen bedarf, wie man wirtschaftliche Interessen mit dem Erhalt unverzichtbarer Naturareale ins Gleichgewicht bringen kann.
In diesem Sinne fordert das Gutachten zur Umsetzung des vorgeschlagenen Grundwassermonitorings eine Kooperation mit der Wasserwirtschaft, der Landwirtschaft und dem Naturschutz. Nach BUND-Auffassung gehöre dazu auch die Forstwirtschaft. Außerdem ist man im BUND der Meinung, dass bei den anstehenden Problemen der Focus nicht alleine auf den landwirtschaftlichen Verursachern liegen darf.
Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz
oder senden Sie uns ein E-Mail: regionalbuero@bund-pfalz.de
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