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Das Biosphärenreservat Pfälzerwald
- Eine Chance für die Pfalz -
Mit der Anerkennung des Naturparks Pfälzerwald als Biosphärenreservat, zu dem sowohl der Pfälzerwald als auch die Landschaft entlang der Weinstraße gehören, wurde den Bürgerinnen und Bürgern der Pfalz eine wichtige Aufgabe gestellt. Sie besteht darin, einen Entwicklungsprozess anzustoßen und voranzutreiben, der ein zukunftsfähiges Miteinander von Mensch und Natur zum Ziel hat.
hier Bild im Großformat (60 KB)Das Biosphärenreservat soll dabei zu einer Musterregion für eine nachhaltige Regionalentwicklung werden. Dies lässt sich nur durch eine enge Verknüpfung und gleichrangige Berücksichtigung ökologischer, sozialer und ökonomischer Ziele erreichen. Die wichtigsten Handlungsfelder sind Forstwirtschaft, Weinbau und Fremdenverkehr. Ein besonderer Aspekt dieser Aufgabe ist die räumliche Nachbarschaft des Biosphärenreservates Pfälzerwald zum elsässischen Biosphärenreservat Nordvogesen.
Eine enge grenzüberschreitende Kooperation in diesen beiden nationalen Kulturräumen ist auch aus Sicht des BUND unbedingt erstrebenswert und wird in verschiedenen Bereichen bereits praktiziert. Obwohl es innerhalb der Bevölkerung zahlreiche Ansätze gibt, die Idee einer nachhaltigen Regionalentwicklung Wirklichkeit werden zu lassen, ist es seit der Anerkennung des Biosphärenreservates im September 1992 bisher nicht gelungen, eine breite öffentliche Wahrnehmung des Projektes und seiner Chancen zu erreichen.
Dabei könnten viele vom Biosphärenreservat profitieren:
die Bewohner durch eine Anhebung der Lebensqualität
die Touristen durch gesteigerte Erholungsqualität
Gastronomie und Hotelgewerbe durch eine qualitative Verbesserung ihres Angebotes und Einkommenszuwächse
Handwerk und Gewerbe durch gesteigerte Absatzmöglichkeiten für umweltschonende Produkte und Dienstleistungen
die Forstwirtschaft durch eine Belebung der Nachfrage nach Holz aus naturgemäßer Waldwirtschaft und heimischem Anbau
Landwirtschaft und Weinbau durch verbesserte Absatzmöglichkeiten von regionalen Produkten
die Landespflege durch spezielle Fördergelder für Erhaltung und Entwicklung der Landschaft
die Wasserwirtschaft durch neue Finanzierungsquellen für Gewässerrenaturierungen
die Kommunen durch eine Erhöhung der regionalen Bruttowertschöpfung, da Arbeitsplätze in mittelständischen Betrieben erhalten und geschaffen werden.
Es ist deshalb sehr zu bedauern, dass auf kommunaler Ebene - insbesondere am
Haardtrand - weiter eine stark Flächen beanspruchende Bauleitplanung dominiert, die den Zielen des Biosphärenreservates zuwiderläuft. Auch darf die Landesregierung nach Auffassung des BUND keine gewerblichen Ansiedlungen mit staatlichen Geldern mehr subventionieren, die dem Reservatsgedanken im Wege stehen.
Wichtige Voraussetzung für das Gelingen des Projektes Biosphärenreservat ist, dass die unbegründeten Ängste und Vorbehalte in der Bevölkerung und bei den Kommunalpolitikern ausgeräumt werden. Hierzu bedarf es gezielter Gespräche und Informationen, zu denen der BUND wesentlich beitragen will. Von entscheidender Bedeutung ist darüber hinaus ein reibungsloser Dialog zwischen regionaler Wirtschaft, Politik, Umwelt- und Denkmalschutz, der selbstverständlich auch über die deutsch-französische Grenze hinweg erfolgen muss.Das Zonierungskonzept
Das Biosphärenreservat gliedert sich geologisch, klimatisch und ökologisch in zwei große Einheiten, den Haardtrand mit Weinbauzone und den eigentlichen Pfälzerwald. Während der Haardtrand durch Landwirtschaft und Siedlungsfläche einem starken Nutzungsdruck unterliegt, dominiert im Pfälzerwald die Waldwirtschaft. Sie hat hier über Jahrhunderte die Landschaft und Siedlungsformen geprägt.
In Teilen des Pfälzerwaldes, aber auch am Haardtrand haben bis in die jüngste Vergangenheit traditionelle Nutzungsformen das Artenpotential vermehrt und heute schützenswerte Biotope geschaffen. Dieser Reichtum muss durch ökologisches und nachhaltiges Wirtschaften nun dauerhaft gesichert werden. Hierzu gehören naturgemäße Waldwirtschaft, ökologischer Landbau, sanfter Tourismus und umweltverträgliche Verkehrsmittel wie Bus und Bahn, Fahrrad und unsere Füße.
In Übereinstimmung mit den Zielen des MAB-Programms (Mensch und Biosphäre) ist der BUND der Auffassung, dass neben einer nachhaltig schonenden Nutzung im Biosphärenreservat auch die Einrichtung nutzungsfreier Kernzonen erforderlich ist. Hier soll die Natur um "ihrer selbst willen" sowie aus wissenschaftlichen und pädagogischen Grünen möglichst weitgehend vor dem Einfluss des Menschen geschützt werden.
Die Kriterien des Deutschen Nationalkommitees für die Anerkennung und Überprüfung von Biosphärenreservaten der UNESCO in Deutschland sind Grundlage für das im folgenden beschriebene Zonierungskonzept des BUND. Wir setzen uns derzeit auf regionaler und auf Landesebene stark dafür ein, dass die von uns für wichtig erachteten Kriterien bei der Festlegung von Kern- und Pflegezonen Berücksichtigung finden.
a) Kernzonen
Das deutsche Nationalkommitee fordert Kernzonen, in denen sich die Natur vom Menschen (möglichst) unbeeinflusst entwickeln kann. Die Kernzonen sollen nach Auffassung des BUND in repräsentativen Ausschnitten aus den Teillandschaften des Pfälzerwaldes sowie innerhalb geschlossener Wassereinzugsgebiete liegen, und sie sollen frei von Zerschneidung und infrastrukturellen Einrichtungen sein. Sie sollen charakteristische Teile der Waldökosysteme und anderer gebietstypischer Ökosysteme repräsentieren. Das Betreten soll nur zu wissenschaftlichen Zwecken und - eingeschränkt in einigen Randbereichen - zu pädagogischen Zwecken erlaubt sein.
b) Pflegezone
Dem deutschen Nationalkomitee zufolge dient die Pflegezone der Erhaltung und Pflege von Ökosystemen, die durch menschliche Nutzung entstanden sind. Damit sollen Kulturlandschaften erhalten werden, die sich überwiegend aus halbnatürlichen Ökosystemen zusammensetzen und ein breites Spektrum verschiedener Lebensräume umfassen.
Der BUND fordert naturgemäße Waldwirtschaft in allen Wäldern der Pflegezone. Nach Auffassung des BUND sind dies ein Großteil der Waldflächen außerhalb der Kernzonen, alle Bachtäler außerhalb der Kernzonen, alle anthropogenen Schutzgebiete und die Streuobstwiesen im Biosphärenreservat. Der BUND setzt sich dafür ein, dass der gesamte Haardtrand Bestandteil der Pflegezone wird.
c) Entwicklungszone
Sie schließt als Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum der Bevölkerung Siedlungsbereiche ausdrücklich mit ein. Hier sollen nachhaltige Nutzungen die Wirtschaftsweise bestimmen. Daneben sollen nach Auffassung des BUND alle landwirtschaftliche Flächen der Entwicklungszone zugeschlagen werden, sofern sie außerhalb der Pflegezone liegen.
Nähere Informationen zum Biosphärenreservat Naturpark Pfälzerwald enthält die inzwischen leider ausverkaufte, gleichnamige BUND-Broschüre, sie kann allerdings beim Regionalbüro Pfalz als Kopie bestellt werden kann.
Weiteres zum Thema:
Ergänzung vom 12.05.2003:
Inzwischen hat man sich bei der Ausweisung aufeinander zubewegt. Federführend hat die Forstverwaltung einen runden Tisch mit den Umweltverbänden gebildet und sich bereiterklärt, die Planungen eng mit Beauftragten der Verbände zu beraten. Die Angelegenheit befindet sich wohl auf einem guten Weg.
Falls Sie Fragen haben, einfach anrufen.
Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz
oder senden Sie uns ein E-Mail: regionalbuero@bund-pfalz.de
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