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16.12.2002

 

Neuer Anlauf Richtung Naturschutzprojekt Bienwald

 

KREIS GERMERSHEIM: Kreistag entscheidet am Montag über Wiederaufnahme - Landrat: Konzept wesentlich verändert
 
Das Naturschutz-Großprojekt "Bienwald" steht wieder auf der kommunalpolitischen Tagesordnung. Am Montag entscheidet der Kreistag über ein neues Konzept. Im Gegensatz zu den bisher gescheiterten Plänen kämen nun die Impulse aus der Region, so Landrat Dr. Fritz Brechtel. Er sieht das Projekt als "eine Entwicklungschance für die Region. Wenn ich davon nicht überzeugt wäre, würde ich mich nicht dafür engagieren", sagte er zur RHEINPFALZ.

 

Wenn der Kreistag am Montag zustimme, sei dies <tt>"der Startschuss für die Bürgerbeteiligung"</tt>, so Brechtel weiter. Denn es sei eine der wichtigsten Neuerungen, dass Naturschutz mit und für die Menschen in der Region gemacht werde. In einer zweijährigen Moderationsphase sollen deshalb zunächst die Projektziele und -maßnahmen öffentlich mit den Beteiligten vor Ort diskutiert werden. Die Ergebnisse werden in das Projekt integriert - es sei denn, das gesamte Projekt scheitert an der ausbleibenden Akzeptanz. Zum Projekt werden auch Konzepte für einen "sanften Tourismus" und für die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte gehören. Dies sei ebenfalls neu, so Brechtel.

Die Umsetzungphase dauert acht Jahre. Die Prozess-Schutzflächen sind nur noch insgesamt 1600 Hektar groß (alte Konzeption 2000: 2000 Hektar); sie werden in zwei Schritten ausgewiesen und nicht von Planern, sondern von der Forstverwaltung ausgewählt. Die Schädlingsbekämpfung soll nur noch in den Prozess-Schutzflächen unterbleiben, in den übrigen Waldbereichen wäre sie nach Absprache zulässig. Das Entwässerungssystem soll nicht mehr einfach schlicht außer Funktion gesetzt werden. Vielmehr ist nun ein Gewässermanagement auf Basis eines wasserkundlichen Gutachtens vorgesehen, die Belange der Forstwirtschaft und des Hochwasserschutzes sollen dabei berücksichtigt werden.

Weiter sollen die Prozess-Schutzflächen auch für Naturerlebnisse innerhalb des Konzeptes für einen "sanften Tourismus" genutzt werden können; das alte Konzept sah laut Brechtel ein Betretungsverbot vor. Die Holzleserechte bleiben erhalten, gekauft würden nur noch maximal 360 Hektar (vorher mindestens 550 Hektar); die Flächen sollen dann an die bisherigen Nutzer verpachtet werden.

Deutlich weniger Kosten für die Landkreise

Leicht abgespeckt wurde bei den Kosten: statt rund 12 Millionen Euro im Jahr 200o sind jetzt noch knapp 11 Millionen Euro geplant. Deutlich gesunken ist dagegen der Anteil den die Träger vor Ort zahlen: von fast 2 Millionnen Euro (10 Prozent der Kosten im Kerngebiet, 54 Prozent im übrigen Projektgebiet) auf etwa 960.000 Euro (10 Prozent der Kosten im Kerngebiet). Die Verbandsgemeinden beziehungsweise Städte sollen nicht mehr in die Trägerschaft einbezogen werden. Träger sollen vielmehr allein die Kreise Germersheim und Südliche Weinstraße sein. Germersheim müsste 640.000 Euro zahlen (altes Konzept: 1,2 Millionen Euro), die Südliche Weinstraße 320.000 Euro (früher: 750.000 Euro).

Brechtel: "Projekt für eine aktive Regionalentwicklung"

Landrat Brechtel (CDU) hatte schon in der früheren, noch mit seinem Vorgänger Gottfried Nisslmüller (SPD) geführten Diskussion keinen Hehl daraus gemacht, dass er - anders als viele seiner Parteifreunde - grundsätzlich ein Befürworter eines Großschutzprojektes im Bienwald ist. Wobei er betont, dass an dem Projektplan mittlerweile wesentliche Veränderungen vorgenommen wurden. "Der Mensch wird ganz wesentlich eingebunden, es ist ein Projekt für eine aktive Regionalentwicklung", sagt Brechtel.

Landrat Brechtel argumentiert, dass der Bienwald und seine Randgebiete auf jeden Fall eine schutzwürdige Landschaft seien. Dementsprechend seien sie voll gepackt mit Restriktionen. Diese blieben auch ohne das Projekt auf jeden Fall. Mit dem Projekt bestimme die Region die Entwicklung aber selbst: "Und das mit einer sehr großzügigen Unterstützung von außen".

Quelle: RON - RHEINPFALZ ONLINE, Samstag, 14. Dez , 03:45 Uhr


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