18.01.2005
B 427-Umgehung BZA: Tunnel gefährdet
Kurstadtstatus
Frischluftzufuhr wird Stickluftzufuhr
Weitere, bisher noch nicht gewürdigte Gesichtspunkte zum Bad Bergzaberner
Tunnelprojekt kamen auf der jüngsten Mitgliederversammlung des BUND Südpfalz in
Landau zur Sprache:
Nur durch Vorspiegelung eines völlig fiktiven Kosten-Nutzen-Verhältnisses war
überhaupt eine Aufnahme des Vorhabens in den vordringlichen Bedarf des aktuellen
Bundesverkehrswegeplanes möglich. So legte man eine Ausbaustrecke von 4,1
Kilometern zugrunde, die dann im Planfeststellungsplan auf lediglich 2,6
Kilometer geschrumpft ist.
Die angegebenen Kosten von 38,6 Millionen € würden sich realistischerweise
leicht auf das Doppelte zwischen 70 und 80 Millionen erhöhen, wenn die neue
EG-Richtlinie für Tunnels berücksichtigt worden wäre. Diese verlangt unter
anderem einen breiter ausgebauten sowie mit einer Sicherheitsröhre,
Belüftungstechnik und Kommunikationseinrichtungen versehenen Tunnel.
Angesichts dieser offensichtlichen Versäumnisse fiel in der Runde mehrmals das
Wort "Betrug". Der BUND wird jedenfalls diese Fakten in die Beratungen zur
Berichtigung des Bundesverkehrswegeplanes einbringen.
Die Tunnelröhre wird an ihren Ausgangsbereichen eine ganz neue Lärm- und
Schadstoffsituation für empfindliche Bereiche der Kurstadt Bad Bergzabern
herbeiführen. Dies kommt alleine schon daher, dass der Tunnel die B 427 von
einer Strecke mit lediglich regionaler Bedeutung in eine LKW-Transitstrecke
verwandeln wird. So liegt die Parkklinik unmittelbar neben der geplanten
westlichen Tunnelöffnung. Ebenfalls neu verlärmt durch Verkehr aus dem und zu
dem Tunnel wird der südliche Kurbereich entlang der serpentinenartigen
Gefällstrecke der L 508, wo sämtliche Kurkliniken wie die Biomed-Klinik und die
Edith-Stein-Klinik sowie zahlreiche Ferienwohnungen liegen.
Der BUND musste feststellen, dass sich aus dem Luftgutachten für die Stadt
keineswegs eine Gefährdung des Kurstadtstatus von Bad Bergzabern ableiten lässt.
Eine entsprechende Expertise dazu steht im Internet unter
www.BUND-Pfalz.de/Verkehr/Strasse/B427/DWD-Gutachten Luftqualitaet.HTM.
Grenzwertig ist gemäß Gutachten lediglich das gemessene Stickstoffdioxid (NO2).
Genau dieser Schadstoff aber wird - durch das infolge des Tunnelbaus
verdoppelte Verkehrsaufkommen auf der B 427 - die Frischluftzufuhr für Bad
Bergzabern aus westlicher Richtung in eine Stickluftzufuhr verwandeln.
Fazit: Der unter völlig falschen Kosten-Nutzen-Prämissen geplante Tunnel
erfüllt alle Voraussetzungen dafür, dass nicht eine Verbesserung, sondern eine
Verschlechterung des Kurstandortes Bad Bergzabern eintreten wird.
Der BUND bedauert im Übrigen zutiefst, dass sich die Tunnelbefürworter entweder
einfach schweigend wegducken oder aber vereinzelt mit pauschalen Beschimpfungen
aufwarten, in denen kein argumentativer Sachkern zu entdecken ist.
Weiter wurde auf der Sitzung bekannt, dass insgesamt 360 Einwendungen gegen das
Planfeststellungsverfahren zum Bad Bergzaberner Tunnelbau eingegangen sind.
Quelle: BUND Rheinland-Pfalz
Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz
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