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10.11.2004

 

In Sachen Tunnelumgehung: BI schickt Briefe an Vermieter

BAD BERGZABERN/BIRKENHÖRDT. Am 08. oder 09.11. sollen 150 Zimmervermieter und Restaurantbetreiber in Bad Bergzabern Post von der Bürgerinitiative (BI) gegen die Tunnelumgehung in ihren Briefkästen vorfinden, wie Bernhard Jung (Birkenhördt) von der BI erklärte.

In dem Schreiben wird die Sicht der BI dargestellt, dass man sich in Bad Bergzabern falsche Vorstellungen von der Tunnelumgehung mache. Bei näherer Betrachtung des Planfeststellungsverfahren werde immer deutlich, ¸¸dass es nicht um den Schutz des Kurtals, sondern um eine leistungsfähige Fernstraßenverbindung im Ost- West-Straßenverkehr geht", so die BI. Diese Straßenverbindung werde das Verkehrsaufkommen zwischen Birkenhördt und Bad Bergzabern verdoppeln. Hinzu kommt die Aufhebung des Lastwagen-Nachtfahrverbotes. Die ungestörte Nachtruhe im Raum zwischen Kandel und Hinterweidenthal sei eines der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale der Region, deren Hauptpotenzial im Fremdenverkehr liege, so die BI in diesem Brief.

Dieser Mehrverkehr nach der Umgehung im Erlenbachtal werde Abgase mit dem Kaltluftabfluss quer durch die Stadt mit sich bringen. Deshalb gehe die BI davon aus, dass die Abgassituation eher schlechter als besser werden werde - und dadurch der Kurstadtstatus eher mehr gefährdet werde. Ferner werde überhaupt nicht berücksichtigt, welche Auswirkungen ein fünf Jahre dauernder Tunnelbau auf das Verhalten von Kurgästen haben könne - dass sie sich langfristig zugunsten anderer Kurorte umorientieren. (rww)

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Pfälzer Tageblatt
Ausgabe: Nr.260
Datum: Montag, den 08. November 2004
Seite: Nr.21


Verkehrskonzept für Pfälzerwald: Mehr Busse statt Blechlawinen

Bei Pollichia-Herbsttagung neues Verkehrskonzept für Pfälzerwald vorgestellt

BAD DÜRKHEIM (jüm). Für ein alternatives Verkehrskonzept im Pfälzerwald hat Herbert Jäger gestern bei der Herbsttagung der Naturschutz-Organisation Pollichia in Bad Dürkheim plädiert und viel Beifall dafür geerntet: Mit mehr Bussen und Bahnen will er die Blechlawinen, die regelmäßig an sonnigen Wochenenden über den Naturpark hereinbrechen, zurückdrängen.

Jäger, Vorsitzender der Pollichia-Kreisgruppe Germersheim-Kandel und Mitglied des Fahrgastverbandes Südpfalz mobil, hatte bei einem Italien-Urlaub nordwestlich von La Spezia ein Schlüsselerlebnis: Dort fällt das Gebirge steil zum Meer ab, haben fünf idyllische Dörfer dem Weltkulturerbe den Namen ¸¸Cinque Terre" gegeben. ¸¸Hier wird eine einmalige Natur- und Kulturlandschaft erhalten und mit Hilfe des Tourismus finanziert", erläuterte der 68-jährige pensionierte Geographie-Lehrer das Prinzip: Wanderwege sind mautpflichtig (drei Euro), die wenigen Parkplätze kosten zehn Euro pro Tag, die Zufahrten sind eng und steil. Dies alles habe zur Folge, dass der Personenwagen dort für den Tourismus nur eine geringe Bedeutung spiele. Statt dessen würden per Bahn bis zu 10.000 Touristen täglich in diese Region befördert. Und mit preiswerten Kombikarten könne man billig wandern und per Bahn wieder heimfahren.

Mit einem ähnlichen Konzept ließen sich auch im Pfälzerwald manche Probleme lösen, zeigte sich Jäger überzeugt. Momentan sei der Naturpark mit seinen Straßen, Parkplätzen und Rundwanderwegen vorrangig für den Individualverkehr erschlossen. Verstopfte Straßen, überfüllte Parkplätze, Lärm und Schadstoffe seien die Folge, werde die Natur belastet und der Erholungswert gemindert. Zudem begrenze der hohe Flächenbedarf für die Pkw-Infrastruktur die touristischen Kapazitäten.

¸¸Wir bräuchten ein flächendeckendes öffentliches Verkehrsnetz", fordert Jäger daher. Und zwar insbesondere auch dann, wenn Ausflügler und Touristen unterwegs seien. Also an Wochenenden und während der Ferienzeit, wo die Busverbindungen häufig stark ausgedünnt sind. Das Wanderwegenetz müsste auf die Haltepunkte der öffentlichen Nahverkehrsmittel abgestimmt werden. Außerdem wären die Gültigkeitsbereiche der Verbundtarife auf den gesamten Pfälzerwald zu erweitern. Und zusätzlich sollte für Übernachtungsgäste ein Pfälzerwald-Tarif geschaffen werden. Wenn ein solches verbessertes Nahverkehrsangebot zur Verfügung stünde, könnte laut Jäger in einem zweiten Schritt die Infrastruktur für den Pkw zurückgebaut und für die verbleibenden Parkplätze eine Gebühr erhoben werden.

Der Südpfälzer ist sich klar darüber, dass ein solches Konzept nur schwer politisch durchsetzbar wäre. Aber die Vorteile sprächen für sich: Angesichts des hohen Flächenverbrauchs für den Personenwagen sei ein Ausbau des Tourismus etwa in der strukturschwachen Südwestpfalz kaum zu bewerkstelligen. Dagegen könnte ein attraktiv ausgestaltetes Nahverkehrsangebot zum Motor für den Fremdenverkehr werden. Außerdem würde die Umwelt spürbar entlastet.

Auch würde die Finanzierung eines solchen Konzeptes keine unüberwindliche Hürde darstellen, so Jäger: Ein besseres Nahverkehrsangebot würde zu einer erheblich erhöhten Nachfrage führen. Als weitere Finanzquelle könnte die Parkraumbewirtschaftung dienen. Da zudem viele Bahn- und Busstrecken bereits vorhanden seien, hielten sich die Investitionskosten etwa für zusätzliche Haltepunkte in Grenzen.

Von den Zuhörern wurden Jägers Thesen durchweg befürwortet. Durch Parkgebühren, die man sinnvoll verwenden könnte, ließe sich der Bequemlichkeit vieler Autofahrer sicherlich entgegenwirken, meinten einige zu diesem Vorschlag. Wie Pollichia Geschäftsführer Oliver Röller sagte, sollten ¸¸die Anregungen weiterverfolgt und auch von anderen Interessensvertretungen ernst genommen werden".

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Pirmasenser Rundschau
Ausgabe: Nr.260
Datum: Montag, den 08. November 2004
Seite: Nr.14


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