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16.08.2004

 

Bad Bergzaberner Tunnel: Verschlimmerung durch teure Scheinlösung

Tunnelprojekt "undurchdacht und unausgegoren"


LANDAU.  Eher eine Klimaverschlechterung für die Kurstadt Bad Bergzabern dürfte die von Ministerpräsident Beck angestoßene Ortsumgehung im Zuge der B 427 und die damit verbundene Tunnellösung mit sich bringen. Die Umsetzung des 38-Millionen-Projektes wäre "zum Fenster hinausgeworfenes Steuergeld"; um Zehnerpotenzen kostengünstiger und für das Kurstadtklima effektiver wäre beispielsweise eine zügige Modernisierung zahlreicher veralteter Heizungsanlagen in der Stadt, ganz besonders aber im Kurtal. Dies war unter anderem das Fazit einer Mitgliederversammlung des BUND Südpfalz in Landau, zu der sich auch vom Ausbau betroffene Kommunalpolitiker eingefunden hatten.

Nach Darstellung von BUND-Experte W. Junker ist das Tunnelprojekt von Grund auf undurchdacht und unausgegoren. Denn erstens gibt es den die Maßnahme rechtfertigenden Verkehr überhaupt nicht, und zweitens wird künstlich eine Verkehrslawine erzeugt, die ohne diesen Eingriff nie entstehen würde. Dieser Befund ergibt sich aus folgenden Zahlen:

Verkehrszählungen westlich von Bad Bergzabern weisen eine Tagesbilanz von 7.200 Fahrzeugen nach. An diesem Zählergebnis von 1998 hat sich wegen allgemein stagnierenden Verkehrsaufkommens seither nichts geändert. Von diesen 7.200 Kfz fahren lediglich ca. 1.000 Fahrzeuge über Bad Bergzabern hinaus. Alles andere ist Quell- und Zielverkehr für die Stadt Bad Bergzabern. Es ist nicht zu erkennen, wo hier der im Bundesverkehrswegeplan festgeschriebene "vordringliche Bedarf" für einen Tunnel liegen soll, und dies in Zeiten rückläufiger demographischer Entwicklung und knapper werdenden Geldes.

Für den Fall jedoch, dass der Tunnel kommt und das Kurtal geschlossen wird, prognostizieren die Planer für die nächsten 10 Jahre eine mehr als 100-prozentige Steigerung des Verkehrsaufkommens auf tägliche 14.000 Fahrzeuge. Selbst in diesem Fall werden dem Kurtal in Form von Quell- und Tunnelverkehr bei Unfällen  -  wie immer wieder in den Annweilerer Tunnels  -  eine Ausweichroute verlangt, die dann doch durch das Kurtal führen muss.
Zudem entstünde für das Kurtal eine völlig neue Verlärmungssituation, weil der gesamte Verkehr von Süden her sich in die Stadt hinunterwälzen müsste und seinen Lärm über den unbebauten Südhang weiträumig ausbreiten könnte.

Die von den Planern prognostizierte Verkehrszunahme  hat eine leicht auszumachende Ursache: Der Bad Bergzaberner Tunnel ist nichts anderes als der erste Schritt in Richtung einer ortsdurchfahrtsfreien Verbindung zwischen einer bis Hinterweidenthal vierspurigen B 10 und der A 65 bei Kandel. Wer dies will, der will die B 427 in ihrer vollen Länge attraktiv machen für den internationalen Transitverkehr, der als Verlagerungsverkehr einen hohen  -  Satelliten gesteuerten  -  LKW-Anteil in sich aufnehmen wird.

Die Geister, die mit dem B 10-Ausbau gerufen worden sind, spuken nun auch über der B 427, und zwar in Form so genannter "Bündelungswirkung" eines Straßenneubaus, die entsteht trotz und entgegen allgemein stagnierendem Verkehrsaufkommen.

Das Projekt des 1,44 Kilometer langen Tunnels erfordert eine Baustrecke von 2,56 Kilometern. Das bedeutet streckenweise den totalen Umbau der Tourismus trächtigen Haardtlandschaft durch tiefe Einschnitte wie beispielsweise im Bereich "Metzenbühl" in der Dörrenbacher Gemarkung.

Äußerst ärgerlich für betroffene Kommunen, Verbände und sonstige Träger öffentlicher Belange ist die Festsetzung des Abgabetermins für eine Stellungnahme zum laufenden Planfeststellungsverfahren mitten in der Sommerpause und exakt zwischen zwei Sitzungsperioden der Kommunalparlamente.

Der Satz in den Planungsunterlagen: "Die geplante Linienführung ist mit der Stadt Bad Bergzabern und mit der Gemeinde Dörrenbach abgestimmt", ist massiv anzuzweifeln. Der BUND weist aus gegebenem Anlass darauf hin, dass in Deutschland noch nie eine Straße gegen den mehrheitlichen Willen eines Kommunalparlamentes gebaut werden konnte.

Quelle: BUND Rheinland-Pfalz


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