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06. 01. 2004

 

B 48-Ortsumgehung Klingenmünster: "Was kann der Umweltschutz dafür, dass er so Recht hat?!"

Müßige Variantendiskussion. Millionen € für verkehrstechnisches Nichts.
Wer denkt an die demographische Entwicklung?
 
In Anlehnung an den Text eines alten Schlagers ("Was kann der Sigismund dafür, dass er . . .?") fragen sich die Umweltschützer, warum man so über sie herfällt, obwohl sie doch bloß die Realität beschreiben. Nicht der BUND befindet sich im Widerspruch; vielmehr sitzt das ganze Umgehungsprojekt Klingenmünster in der Klemme. So der BUND in Reaktion auf den RHEINPFALZ-Artikel "Winzerschaft: BUND widerspricht sich selbst" vom 23. Januar 2004.
 
Es ist zwar richtig, dass der BUND ortsnahe Umgehungsvarianten im Grundsatz favorisiert, weil diese noch am ehesten eine gewisse Chance zu innerörtlicher Verkehrsentlastung bieten. Für die ortsnahe Variante A jedoch hat der BUND in der von der Klingenmünsterer Winzerschaft kritisierten Erklärung des BUND vom 23. Dezember deutlich gemacht, dass sie extreme Eingriffe in die Landschaft bringen würde. Man hätte seine RHEINPFALZ nur sorgfältig lesen müssen.
Der Umweltschutz will keine Variante A
.
 
Fazit:
Die einzige Variante, die in der Theorie helfen könnte, wäre in der Landschaft um Klingenmünster eine einzige Katastrophe. In dieser Bewertung stimmen BUND und Winzerschaft eigentlich überein.

Es wäre einfach schön, wenn diese das endlich auch registrieren würde.
 
Die weiträumigen Varianten jedoch sind für die hinreißende Landschaft um Klingenmünster nicht minder verheerend.
Zur
Entlastung von innerörtlichem Verkehr würden sie nichts beitragen. Sie zerstören nur und helfen niemandem in Klingenmünster. In der zu führenden Diskussion zählen nur die Fakten der Planungsunterlagen. Und genau diese sehen eine Brücke vor sowie Aufschüttungen und Einschnitte schlimmsten Ausmaßes; eben all das, was zur Etablierung einer Schnellstraße zum schnellen Vorbeirauschen gehört. Genau diese "Autobahn in den Weinbergen" ist so gewollt und nur ein solcher Ausbau ist für Politik und Planer von Interesse. Ob da die Winzer vor Ort und ihre Bedürfnisse eine Rolle spielen, ist mehr als fraglich.
 
Die Wirkungslosigkeit solch weiträumiger Umgehungen wie die von den Winzern gewünschte Variante D offenbart sich an den bundesweit vorgenommenen städtebaulichen Bewertungen des Bundesverkehrsministeriums zum Bundesverkehrswegeplan 2003; dort heißt es lapidar, dass nur 5 Prozent aller Umfahrungen eine sehr hohe Bedeutung für die Entlastung der Orte haben.
Vorgeschlagen wird vielmehr ein Maßnahmenmix aus Umbaumaßnahmen zur Geschwindigkeitsreduktion und überörtlicher Verkehrslenkung.
 
Was im Übrigen die derzeitige Diskussion mit ihrem Glauben an Patenlösungen für Klingenmünster überhaupt nicht berücksichtigt, ist die Frage, wie man den Verkehr auf der Ost-West-Achse aus Klingenmünster heraushalten will.
 
Die Kritiker des BUND zeigen des weiteren wenig Kenntnis der Planungsunterlagen, wenn sie Variante A gegen die weiträumigeren Umgehungsvariante D ausspielen: Im Norden und Osten verläuft Variante D deckungsgleich auf der Variante A. Alle Geländeeinschnitte sind nahezu deckungsgleich. D bringt zusätzlich südlich von Klingenmünster einen Durchstich durch den Höhenzug zwischen Kreuzberg und Kühnberg. Pferdekoppel, Streuobstwiesen, Schrebergärten im Nordosten werden von beiden Varianten gleichermaßen durchschnitten.
 
Zum innerörtlichen Verkehr ist festzustellen:
Laut Planungsunterlagen beträgt der
Schwerlastverkehr lediglich 5 Prozent des Gesamtverkehrs. Der Vergleich der Verkehrsuntersuchung 2002 für Klingenmünster mit der Untersuchung Bad Bergzabern - Landau von 1995 zeigt keine erkennbare Verkehrszunahme mehr. Nimmt man hinzu, dass die errechnete demographische Entwicklung bis 2050 für den Landkreis Südliche Weinstraße einen Bevölkerungsrückgang von 25 bis 30 Prozent erwarten lässt, dann fragt man sich erst recht, wieso die Politik ein Projekt von mindestens 11 Millionen €  in Zeiten äußerst angespannter öffentlicher Haushalte überhaupt vorantreiben kann.
 
Die Betrachtung des Problems muss befreit werden von der Froschperspektive lokaler Blickrichtung:
 
Wer in der trügerischen Hoffnung, innerörtliche Entlastung erreichen zu können, auf  weiträumige Umfahrungen setzt, kippt der weiteren Umgebung noch mehr Verkehr vor die Haustür: Mit naturgesetzlicher Notwendigkeit wird überregionaler Verkehr, insbesondere LKW-Verkehr, angelockt. So werden beispielsweise im Südabschnitt der Weinstraße die Oberotterbacher und die Schweigen-Rechtenbacher unter den Klingenmünsterer Straßenwünschen zu leiden haben. Und im Nordwesten würde durch die Dörfer Waldhambach und Waldrohrbach hindurch durch die neue schnelle Straße ein Abflusskanal für den nach Süden gerichteten Teil des Transitverkehrs aus der vierspurig ausgebauten B 10 entstehen.
 
Was durch all solche einzelnen St. Florians-Verkehrspolitiken sich entwickeln würde, wäre eine Art Haardtrand-Schnellstraße, auf der die Touristen an den Südpfälzer Weindörfern vorbeirauschen würden  - vorbei an der Toskana Deutschlands und hin zur Original-Toskana. Das aber kann niemand wollen  -  auch nicht die Klingenmünsterer Winzer. Darüber sollte auch miteinander geredet werden.
 
Quelle: BUND Rheinland-Pfalz

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