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21.11.02

 

Statt in Straßenbau besser in Gesundheit investieren

 

HEUCHELHEIM-KLINGEN: Bei Einwohnerversammlung Pläne für B 38-Umgehung kritisiert- "Planungshoheit ausschöpfen"
 
"Eine romantische Insel mitten im Rebenmeer oder ein totes Dorf mitten im Straßennetz" - "Fernstraße gen Süden - wir machen den Weg nicht frei" - "Toskana Deutschlands - ha, ha, ha": Texte auf Pappschildern, die am Mittwochabend bei der Einwohnerversammlung im proppenvollen Dorfgemeinschaftshaus in Klingen an den Wänden klebten.

 

Der Widerstand gegen den Bau einer Umgehungsstraße im Zuge der Bundesstraße 38 für Billigheim-Ingenheim auf der Gemarkung Heuchelheim-Klingen formiert sich immer stärker, so das Fazit des Abends, an dem Ortsbürgermeister Karlheinz Ruckstuhl wiederholt erklärte, dass es bei der Einwohnerversammlung lediglich darum gehe, dem von der Bevölkerung reklamierten Informationsbedarf nachzukommen, Entscheidungen stünden keine an.

Nachdem bereits der Ortsgemeinderat im Dezember des vergangenen Jahres und damit im Vorfeld des raumordnerischen Entscheids vom 28. Juni dieses Jahres die als Variante II bezeichnete Trassenführung für das umstrittene Straßenbauprojekt auf der Gemarkung Heuchelheim-Klingen einstimmig und kategorisch abgelehnt hatte, formulierten jetzt Einwohner der Doppelgemeinde nicht nur auf selbst gemalten Plakaten, sondern in der mehr als dreistündigen Debatte auch verbal ihren Unmut gegen die vorgesehene Linienführung für das Straßenbauprojekt.

Zunächst hatte Ernfried Helling vom Straßen- und Verkehrsamt Speyer einen Überblick über die bisherigen Überlegungen zu einem ortsdurchfahrtsfreien Ausbau der B 38 zwischen Bad Bergzabern und Landau gegeben. Die ursprünglich beabsichtigte "große Lösung" sei vom Tisch. Jetzt gehe es um ortsnahe Lösungen. Nach dem raumordnerischen Entscheid lägen die Unterlagen derzeit beim Bundesverkehrsministerium. Helling rechnet damit, dass bis Sommer/Herbst 2003 der nächste Planungsschritt abgeschlossen werden kann. Helling wies auf die weiteren Verfahrensschritte hin, ehe die Einwohner ihrem Unmut über dieser umstrittenen Straßenbaupläne Luft verschafften.

Ratsmitglied Dr. Inge Sommer sagte: "Jahrzehntelang hat die Nachbargemeinde Billigheim-Ingenheim die Lösung ihres Problems verschleppt, es könne doch nicht sein, dass dieses Problem jetzt zum Schaden einer ganzen Region gelöst werden soll."

Als Argumentationsschwerpunkte immer wieder genannt wurde die Befürchtung, dass die B 38 künftig Bedeutung als Transitstrecke zwischen Frankreich und Deutschland bekommen werde und damit als Bundesfernstraße für den europäischen Verkehr diene. Genannt wurden die Eingriffe in die Natur, Einschnitte in das Landschaftsbild, die Zerstörung des Klingbach- und Kaiserbachtals.

Armin Osterheld und Willi Junker vom BUND befassten sich mit dem wachsenden Verkehrslärm und der steigenden Luftverschmutzung sowie mit der von Schadstoffbelastung ausgehenden Gesundheitsgefährdung. Osterheld ging der Frage nach, ob eine solche Straße überhaupt gebraucht werde. Aus den Verkehrsbelastungen der Anwohner der B 38 in Ingenheim würde durch den Lärmteppich künftig eine Belastung für den gesamten Raum, sagte Osterheld, der an die Gemeinde appellierte, ihre Planungshoheit auszuschöpfen. Nach Informationen des BUND sei es in Deutschland bislang noch in keinem Fall gelungen, gegen den Willen einer Ortsgemeinde ein Bundesstraßenprojekt durchzusetzen. Osterheld: "Die Mitglieder des Gemeinderates haben die Verantwortung, aber auch die Macht, die Straße zu verhindern".

An die Geschlossenheit des Gemeinderates in dieser Frage appellierte auch Ratsmitglied Dr. Kurt Becker, auch für solche Situationen, in denen die Gemeinde möglicherweise lukrative Offerten erreichen. Er sprach im Zusammenhang mit der Variante II von "gigantomanischen Planungen". Becker: "Wir sollten das Geld in Zeiten knapper Kassen besser für Gesundheit und Geist unserer Kinder investieren statt in Straßenbau".

Klaus Stalter machte auf die Frage nach seiner Meinung deutlich, dass er als Bürgermeister der Verbandsgemeinde keine Schiedsrichterfunktion habe. Ihn treibe die Sorge der großen Fahrzeugdichte im Landkreis Südliche Weinstraße um, die die Forderung nach Straßen zwangsläufig nach sich zögen. Im Landkreis kämen derzeit 783 Fahrzeuge auf 1000 Einwohner. "Wir sollten uns selbst an der Nase nehmen und das Auto stehen lassen." <br><br>

Nach mehr als dreistündiger Debatte berichtete eine Bürgerin von einem Telefonat, das sie am gleichen Tag mit der Mainzer Staatskanzlei geführt habe. Dabei habe es geheißen, dass Ministerpräsident Kurt Beck am Freitag, 20. Dezember, mit den Gemeinderäten aus Billigheim-Ingenheim und Heuchelheim, Vertretern der Bürgerinitiativen und des BUND ein "Round-Table-Gespräch" in Sachen B 38-Umgehung führen werde.

Quelle: RON - RHEINPFALZ ONLINE, Freitag, 15. Nov , 03:45 Uhr


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