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19.12.2005

 

Leserbrief zu Reaktionen (Leserbriefe, Bericht) auf B 48-Entscheidung im Gemeinderat Klingenmünster:


"Politik ist die Kunst des Möglichen

Um die Wahrheit im Meinungsgetümmel nicht untergehen zu lassen:
Auch die Umweltverbände befürworten eine Umgehungslösung für Klingenmünster; und zwar eine, die wirklich etwas bringt.
Um dies mitzubekommen, hätten die Leserbriefschreiber Frau und Herr Heiner (Klingenmünster) den Umweltschützern auf der letzten Gemeinderatssitzung, auf der diese sowieso kein Rederecht gehabt hätten, nicht "in die Augen blicken" müssen.
Der Standpunkt der Umweltschützer ist oft genug öffentlich bekundet worden.
Wer anderes sagt, beteiligt sich an dem beliebten Spiel von Politik und Wirtschaft, den Umweltschutz in die Ecke der ewigen Neinsager zu drängen.

Leider besteht die Arbeit der Umweltschützer in der Hauptsache darin, die Politik an von ihr selbst erlassene Gesetze und an ihre schönen Sonntagsreden erinnern zu müssen. So sei hier nur an die nur wenige Jahre alte Äußerung eines Spitzenbeamten des zuständigen Straßenbauamtes erinnert:
"Eine gerade Weiterführung der B 48 in Richtung Norden scheidet wegen des Ergebnisses der Umweltverträglichkeitsstudie aus". Der Mann hat sich nur auf geltendes Recht berufen.

Die tatsächlichen Verhinderer einer Umfahrung von Klingenmünster sind die Anhänger der jetzt im Gemeinderat befürworteten Extremlösung. Verhinderer sind diejenigen, die Unmögliches fordern und damit Mögliches unmöglich machen.
Es sind diejenigen, die sich an der rechtlich nicht durchsetzbaren Zerstörung einer durch August Beckers "Nonnensusel" geadelten Landschaft festgebissen haben  -  zum Nachteil einer von Wein und Tourismus lebenden Region.
Wie sagte ein großer Deutscher: "Politik ist die Kunst des Möglichen".

Umweltschützer sind positiv gestimmte Menschen; sie treten ein für den Erhalt von Schönheit und Lebensqualität.
Diejenigen, die im März des vergangenen Jahres von Kräften aus dem fernen Mainz auf Linie gebracht worden sind, haben sich für ein ungeheuerliches Fernstraßenprojekt instrumentalisieren lassen, das Südpfälzer niemals wollen können.
Auf dem Spiel stehen Identität und Werbewirksamkeit einer unersetzlichen Landschaft.

Was eigentlich trägt zum unerträglichen Verkehrsgeschehen in Klingenmünster unter anderem bei?
Der Klingenmünsterer an sich ist ein vernünftiges Wesen.
Der konkrete Klingenmünsterer jedoch ist nicht anders als die Bewohner vieler anderer Dörfer:
Die kurze Strecke zum nächsten Zigarettenautomaten pflegt er häufig nicht zu Fuß, sondern mit Hilfe seiner unzähligen PS zurückzulegen.
Und: Was haben die Lingenfelder einstmals  -  so erzählt man -  für ein Freudenfest nach Fertigstellung der neuen vierspurigen Umgehungsstraße B 9 gefeiert!
An den Tagen darauf mussten sie sich die Augen reiben angesichts ausgebliebener Entlastung."

 

Ulrich Mohr, Hochstadt


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