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06. 01. 2004

 

B 48-Ortsumgehung Klingenmünster: Planung „totgeborenes Kind“

 

August Becker würde sich im Grab rumdrehen

 

„Klingenmünsterer, wollt ihr eine Fernstraße?“

 

Und die Folgen für das Kaiserbachtal?

 

„Es gibt keine Lösung, die befriedigen kann“. Daher sei es Zeit, der Bevölkerung „reinen Wein einzuschenken“. Dies ist das Ergebnis einer eingehenden Besprechung, in der sich NABU- und BUND-Vertreter mit der breit gefächerten Diskussion um die Ortsumgehung Klingenmünster befasst haben. Die Sorgen von Klingenmünster seien anzuerkennen. Die vorliegenden Planungen mit den Varianten A bis D seien jedoch nicht geeignet, diese zu beheben. Die Bereiche Landwirtschaft, Erholung, Tourismus und Natur erführen bei der ganzen Variantendiskussion keine ausreichende Berücksichtigung; hier zu erwartende Schäden seien nicht ausgleichbar.

 

Im Zentrum der Betrachtung stand ein Zitat des ehemaligen Leiters des Straßenbauamtes Dahn-Bad Bergzabern Amberger, der klipp und klar festgestellt hatte, dass „eine gerade Weiterführung der B 48 in Richtung Norden wegen des Ergebnisses der Umweltverträglichkeitsstudie ausscheidet“. Gefallen ist diese aktenkundig gemachte Bemerkung am 9. April 1997 beim Erörterungstermin zur Umgehung Pleisweiler-Oberhofen. Sie bezieht sich auf die Varianten C und D.

 

Vor dem Hintergrund einer solchen Aussage aus berufenem Mund erscheint es nicht besonders verantwortungsbewusst, für ein totgeborenes Kind in Form einer rechtlich gar nicht durchsetzbaren Maßnahme einen derartigen Planungsaufwand mit öffentlichen Mitteln zu betreiben und unerfüllbare Wünsche bei der Bevölkerung zu wecken.

 

Die nachdrücklichen, für alle Varianten vorgenommenen Recherchen der Umweltverbände stützen sich vor allem auf drei Gesichtspunkte:

 

1.      Die gewünschten innerörtlichen Entlastungen werden nicht eintreten.

2.      Der Tourismusfaktor Landschaft müsste irreparable Schäden hinnehmen („ohne Landschaft keine Kundschaft“).

 

3.      Politiker und Planer gaukeln den auf ihre lokalen Probleme fixierten Bürgern spürbare Entlastungen vor, in Wirklichkeit wollen sie eine Fernstraße.

 

Für Pleisweiler-Oberhofen hat sich inzwischen die BUND-Prognose bewahrheitet, dass durch die neue Umgehung höchstens eine 50-Prozent-Entlastung eintreten werde. Das offizielle Verkehrsgutachten hatte 90 Prozent behauptet. Für Klingenmünster prophezeit ein aktuelles Gutachten 50 Prozent Entlastung. Was aber würde tatsächlich herauskommen?

 

Überhaupt: Die vorgelegten unvollständige Planungsunterlagen zur Verkehrsuntersuchung führen dazu, dass die bekannt gemachten Zahlen für die Plausibilität der Maßnahme nicht überprüfbar sind, ganz besonders im Hinblick auf die von Silz kommende L 493.

 

Wie meist übersieht wohl auch Klingenmünster den gewaltigen Anteil von Ziel- und Quellverkehr im Ort. Die Leute werden sich auch hier weiterhin den kürzesten Weg suchen, und der wird über keine der geplanten Umgehungsvarianten führen. Überhaupt noch nicht ins Blickfeld geraten dürfte der zusätzliche Verkehr sein, den das neue  Gewerbegebiet und Wohngebiet mit ca. 100 Häusern in Klingenmünster hervorbringen wird.

 

Der Ortspolitik werden daher anstelle von Straßengigantomanie der vorliegenden Planung folgende innerörtlichen Maßnahmen vorgeschlagen:

 

 

Äußerst bescheiden ist im Übrigen das Kosten-Nutzen-Verhältnis, das die Planer für die Umgehungsmaßnahme ermittelt haben. Es liegt bei 2,68; dabei gibt es landes- und bundesweit Gemeinden, die mit einem Verhältnis von 5 oder 6 ganz dringen auf die knappen Mittel des Bundes angewiesen wären.

 

Vor allem aber würden die weiträumigen Varianten C und D zyklopenhafte  Veränderungen in einer einmalig feingliedrigen Landschaftsästhetik herbeiführen. Entstehen würden  -  bei Dämmen bis zu 5 Metern Höhe und Einschnitten bis zu 10 Metern Tiefe mit entsprechenden Böschungswinkeln  -  heute überhaupt noch nicht vorstellbare bis zu 40 Meter breite Schluchten und Riegel  in der Landschaft, ganz abgesehen von dem weithin sichtbaren Brückenbauwerk über das Horbachtal. Wo einst August Beckers Nonnensusel ihren tragischen Weg durch Weinberge und lauschige Kastanienhaine zum Kreuzberg ging, würde eine verkehrsgerechte Mondlandschaft entstehen.

Eines aber muss ganz deutlich werden: Die übergeordnete Politik erweckt den bürgerfreundlichen Eindruck, Ortsumgehungen entlang der Weinstraße zu bauen; in Wirklichkeit will sie eine Fernstraße. Dies geht mit nicht zu überbietender Deutlichkeit aus allen Planungen hervor: Aus dem Bundesverkehrswegeplan, aus dem Erläuterungsbericht zum Raumordnungsverfahren, dem regionalen Raumordnungsplan sowie aus dem rheinland-pfälzischen Verkehrsprogramm.
 
Die Bewohner des Kaiserbachtales (Waldrohrbach, Waldhambach) müssen merken, dass die aus Ortsumgehungen zusammengehäkelte B 48 in Zukunft auch Fern- und Schwerlastverkehr aus der vierspurigen, internationalen Transitstraße B 10 aufnehmen muss. Genau das haben die Planer im Kopf ; auf die Nase binden sie es der betroffenen Bevölkerung nicht.
 
Quelle: BUND Rheinland-Pfalz

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