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07.09.2002
"Ortsumgehung nicht über unsere Gemarkung"
HEUCHELHEIM-KLINGEN: Rat unterstreicht ablehnende Haltung gegenüber Plänen in der Nachbargemeinde.
Ganz einig sind sie sich nicht immer, die
"Heuchelheimer Füchse" und die "Klingener Atzeln".
Gewiss aber darin, dass die Trasse der geplanten
Ortsumgehung für Billigheim-Ingenheim nicht über die Gemarkung
Heuchelheim-Klingen führen darf.
Der Gemeinderat kündigte am Donnerstagabend in
Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Bürgerinitiative "unisono" massiven
Widerstand gegen das Straßenbauprojekt an.
Ausgangspunkt der Diskussion, an der sich mit Zustimmung des Rates auch
Sprecher der Bürgerinitiative beteiligten, war die Information über den
raumordnerischen Entscheid der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in
Neustadt (SGD) als obere Landungsplanungsbehörde zum
Raumordnungsverfahren (ROV) über den Bau einer
Umgehungsstraße von Billigheim-Ingenheim im Zuge der B
38.
Der Bescheid bestätigt, dass die als Variante
II bezeichnete Trasse in den vom Straßen- und Verkehrsamt
Speyer vorgelegten
Antragsunterlagen den Erfordernissen der Raumordnung und Landsplanung
entspreche.
Der Rat zog sich am Donnerstagabend auf die mit einstimmigem Beschluss vom
13. Dezember 2001 bezogene Position zurück, nach der das Ortsparlament
sich vehement gegen alle Varianten mit Ausnahme der
Variante VI wehrt. Danach lehnt des Ortsparlament
kategorisch alle Varianten für eine Ortsumgehung
Ingenheim ab, die Gelände in der Gemarkung Heuchelheim-Klingen beanspruchen.
Der Rat war sich darüber einig, dass die Gemeinde alle möglichen Schritte,
bis hin zum Gerichtsverfahren zur Verhinderung der Straße ausschöpfen
wird.
Ortsbürgermeister Karl Ruckstuhl betonte immer wieder: "Wir halten ohne Wenn
und Aber an unserem Beschluss vom Dezember 2001 fest." Ortsbeigeordneter
Lothar Kreutz warf der Behörde bei der Festlegung auf die Variante II
"eine willkürliche Entscheidung vor" und fügte hinzu:
"Wir wollen auf unserer Gemarkung nichts haben."
Gemeinderat und Bürgerschaft sähen sich im bisherigen
Verfahren völlig unzureichend unterrichtet, sagte Kreutz.
Gegen die Straße, die in neuen Atlanten schon als
Fernstraße angedeutet sei, zog im Rat auch Dr. Rainer
Tempel zu Felde. Es müsse alles versucht werden, um
dieses Projekt zu verzögern. Die raumordnerische Entscheidung sollte nach
seiner Meinung sogar mit dem Hinweis zurückgewiesen werden, sie
entspreche nicht in allen Aussagen den Fakten.
Dr. Inge Sommer vertrat die Auffassung, Politik und Behörden müsse
signalisiert werden, dass sich die Gemeinde Heuchelheim-Klingen auch mit
Hilfe der Umweltverbände vehement und selbst mit juristischen Mitteln
gegen das Straßenbauprojekt wehren werde. Eine
Informationsveranstaltung, wie sie von der
Bürgerinitiative gefordert werde, sollte das Ziel haben, die Straße
zu verhindern.
Zu entschlossenem Widerstand gegen eine Straße, bei der statt einer
Umgehungsstraße der Charakter und die Bedeutung einer Bundesfernstraße
immer deutlicher werde, rief auch Dr. Kurt Becker auf.
Der Rat schloss sich im weiteren Verlauf der Diskussion der Forderung der
Bürgerinitiative an, wonach in einer Einwohnerversammlung eine
"umfassende, sachlich und fachlich fundierte Information"
zur geplanten Ortsumgehung Billigheim-Ingenheim gegeben
werden soll. Die Initiative wünscht, dass an dieser
Veranstaltung Vertreter der Landesplanungsbehörde, des
Straßenbauamtes, des Ministeriums für Umwelt und Verkehr, des
Innenministeriums, die verantwortliche Referentin der
Umweltverträglichkeitsstudie sowie die Naturschutzverbände teilnehmen.
Auf der Wunschliste stehen auch Ministerpräsident Kurt
Beck, Landrätin Theresia Riedmaier und Bürgermeister
Klaus Stalter.
Die Sprecher der Bürgerinitiative, die sich in einem Schreiben direkt an den
Ministerpräsidenten und die Landrätin gewandt haben, bekräftigten in der
Ratssitzung ihre schon im Zusammenhang mit einer Unterschriftenaktion im
Dezember vergangenen Jahres genannten Argumente.
Die geplante Ortsumgehung Ingenheim auf der Gemarkung
Heuchelheim-Klingen sei unzumutbar. Die Bürgerinitiative
befürchtet zusätzliche Verkehrsbelastungen, die wesentlich
größer sein würden, "als durch die heutigen Planzahlen vorgegaukelt
werde".
Der eigentliche Grund für die geplante Straßenbaumaßnahme sei nicht allein
die Entlastung der Ortsdurchfahrten, sagte eine Sprecherin, sondern die
Realisierung einer leistungsfähigen Fernverkehrsanbindung von Frankreich
an die A 65.
Befürchtet werden von der Initiative unter anderem eine Beeinträchtigung der
Erholungsfunktion der Region, zusätzliche
Lärmbelastungen, eine Veränderung des Kleinklimas,
Gefährdung des Grundwassers, sowie gravierende Einschnitte
in das Landschaftsbild. (som)
Quelle: RON -
RHEINPFALZ ONLINE, Samstag, 7. Sep , 10:11 Uhr
Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz
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