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26.01.2004
Wohin die
Landrätin uns schickt
Wir empfehlen heute: ¸¸Die Tour der Landrätin". Denn schneller
und tiefer können Sie sich als braver Spaziergänger nicht in einen ordentlichen
Pfälzer Schlamassel hineinziehen lassen. Der 16 Kilometer lange Rundkurs ist
eine von 25 Routen-Tipps, die im neuen Wanderführer der Südlichen Weinstraße
zusammengestellt sind. Die Landrätin verspricht: lohnende Aussichten, seltene
Naturerlebnisse. Klingt verlockend. Doch schon nach wenigen Schritten landet der
Wanderer mitten in der zurzeit konfliktreichsten Auseinandersetzung der Region:
Die Strecke führt kurz nach dem von der Landrätin angeratenen Startpunkt in
Birkweiler/Siebeldingen direkt unter der B 10 hindurch. Lärm, Abgase,
Autobahn-Raststätten-Flair und ein hässlicher, riesiger Straßendamm lassen
jeden, der dieser Einladung der Landrätin gefolgt ist, sofort zum
B-10-Ausbaugegener werden. Wenn das keine Absicht ist?
Den anschließenden Weg hoch zum Taschberg verfolgt die Wanderer -
noch lange, endlos lange - das dumpfe Brummen der B-10-Lkw-Kolonne. Nervtötend.
An dieser Stelle wird jeder sofort jede Unterschriftenliste jeder
Bürgerinitiative unterschreiben, die den Rückbau der B 10 zum
Zweispur-Dorfsträßchen fordert. Im Handumdrehen hat also unsere Südpfälzer
Landrätin - seit dem Aufbruch sind erst wenige Minuten vergangen - ihre Gäste
auf den Südpfalz-Mehrheitsmeinungs-Kurs gebracht: Keine vierspurige B 10, auf
keinen Fall.
Doch dann ist der Landrätin in ihre Tourbeschreibung ein
möglicherweise verhängnisvoller Ratschlag gerutscht: ¸¸Genießen Sie den Blick
über die Weinberge." Wer so ermuntert den Kopf wendet, schaut plötzlich einer
fast sieben Meter hohen Kopie der New Yorker Freiheitsstatue ins Gesicht. Sie
schließen die Augen und öffnen sie wieder: Nein, kein Bacchus und keine
Riesen-Elwetritsche, sondern eine Freiheitsstatue im Bronze-Patina-Look, die den
Arm trotzig in den Südpfälzer Himmel reckt. Eine Demonstration für freie Fahrt
auf freien B-10-Überholspuren? So ähnlich. Zwar war die Statue ursprünglich als
Werbung für ein Albersweilerer Autohaus gedacht, das eine Vereinigung freier
Kfz-Werkstätten ins Leben gerufen hat. Doch immer mehr wird die Freiheitsdame
zum Symbol für eine autobahnähnliche B 10. Denn Harald Weis, der Firmenchef, ist
ein vehementer Verfechter für die vierte Spur und trotzt damit all den
Südpfälzer Ausbaugegnern um ihn herum: ¸¸Das Auto ist für die Freiheit gebaut
und nicht, um in der Garage zu stehen." Deshalb zieht Weis ab und an den Hänger,
auf dem die selbst gegossene B-10-Freiheitsstatue thront, direkt neben die
Bundesstraße. Auch bei Fasnachtsumzügen rollt der Wagen mitunter mit, demnächst
wieder in Hauenstein.
Die Landrätin hat wirklich nicht zu viel versprochen: lohnende
Aussichten. In Sekundenschnelle geraten unbekümmerte Wanderer hier in den Sog
von Ausbaugegnern und B-10-Freiheitskämpfern. Und nun? Gehen Sie einfach rasch
weiter auf der ¸¸Tour der Landrätin", weg von der B 10 - und alles wird gut.
Quelle:
Verlag: Rheinpfalz Verlag GmbH & Co. KG
Publikation: Pirmasenser Rundschau
Ausgabe: Nr.20
Datum: Samstag, den 24. Januar 2004
Seite: Nr.16
Falls Sie Fragen haben, einfach anrufen.
Kontaktadresse:
BUND
Regionalbüro Pfalz
oder senden Sie uns ein E-Mail: [email protected]
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