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06.01.2004
Pirmasens:
Spurwechsel auf der Bundesstraße 10
Die
Doppel-Reportage
Streitthema
des Jahres ¸¸erfahren": Zwei Redakteure testen Strecke Pirmasens-Landau
Der von der SPD/FDP-Landesregierung politisch forcierte und
zwischen Süd- und Südwestpfalz heftig umstrittene durchgängig vierspurige Ausbau
der B 10 zwischen Pirmasens und Landau ist nicht erst im zu Ende gehenden Jahr
ein heißes Eisen geworden. Und dennoch war der B-10-Ausbau eines der großen
politischen Themen des Jahres 2003 für die Region - und für die Landespolitik:
Im März nämlich, als es bei der Vorbereitung des Bundesverkehrswegeplans bis
2015 zwischen Bund und Ländern darum ging, welche Bundesgelder in welche
Verkehrsprojekte fließen sollen, hatte der B-10-Ausbau auf dem
Südpfalz-Abschnitt zwischen Annweiler und Landau plötzlich keine höchste
Priorität mehr für Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) und seinen
Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage (FDP): sehr zur Freude der meist
südpfälzischen Ausbaugegner, sehr zum Leidwesen der weitgehend
südwestpfälzischen Ausbaubefürworter. Jetzt soll in einem so genannten
Mediationsverfahren versucht werden, die gegenläufigen Interessen unter einen
Hut zu bringen - Ausgang offen. Um das ¸¸Thema des Jahres" einmal ganz anders
aufzuarbeiten, haben sich die RHEINPFALZ-Redakteure Wolfgang Pfeiffer
(Pirmasens) und Michael Konrad (Landau) ins Auto gesetzt und sind einfach mal
losgefahren auf der B 10: Pfeiffer von Pirmasens nach Landau, Konrad von Landau
nach Pirmasens. Ihre höchst unterschiedlichen Erfahrungen sind in dieser
Doppel-Reportage zusammengefasst.
Freie Fahrt?
Denkste!
Brummis immer
an der falschen Stelle
Von unserem Redakteur Wolfgang Pfeiffer
Wer ist nur auf diese Idee gekommen? Die B 10 einfach mal als
Test entlang fahren; als müsste ein Pirmasenser dieses zweifelhafte Vergnügen
nicht oft genug absolvieren. Und warum 8 Uhr? Der Berufsverkehr ist weitgehend
vorbei, die lästigen Laster sind noch nicht alle auf der Straße, und Zeitdruck
samt folgerichtigem Adrenalinausstoß hinter einem Schleicher gibt"s diesmal auch
nicht. Ergo: eine bessere Erholungsfahrt, nicht zu vergleichen mit den
Pflichttouren an anderen Tagen.
Nun denn, rein ins Auto. Dass der Weg am eigenen Heim just in der
Fußgängerzone beginnt und folglich ein paar Minütchen länger dauert - Schwamm
drüber. Die rechnen wir jetzt mal nicht. Tatsächlicher Beginn also an der
Auffahrt der B 270. Und schon beginnt der Spaß. Das Einfädeln klappt, direkt
hinter einem Laster aus Pirmasens. Prima. Von wegen nur Transitverkehr, wie so
gerne und oft im Osten behauptet. Aber: Wir haben"s ja heute ausnahmsweise mal
nicht eilig. Also ruhig Blut. Wen stört"s schon, wenn der Baustellenkreisel an
der Husterhöhe mit schlappen zehn Stundenkilometern genommen wird, weil der
Laster nicht schneller rum kommt?
Wenigstens ist jetzt gleich der Waldfriedhof in Sichtweite - und
damit die Hoffnung, auf den paar bislang vierspurig ausgebauten Kilometern den
Brummi hinter sich zu lassen. Hier macht"s wieder Spaß, die Schleicherei hat ein
Ende. Freie Fahrt für freie Südwestpfälzer. Doch bei Münchweiler ist dieses
Plaisir bereits wieder zu Ende. Gottlob, das Verkehrsaufkommen ist dieses Mal
tatsächlich erwartet dünn und es taucht nicht, wie gewohnt, ein Laster just an
jener Stelle vor dem eigenen Gefährt auf, da die Überholspur im Rückspiegel
verschwindet. Dafür hat vielleicht der Kollege gegenüber seine Problemchen: ein
Sattelschlepper ganz vorne, vier Laster hinterher und schließlich diverse Autos.
Hoffentlich steckt er dort drin, damit er endlich erfährt, was B-10-Zuckeln
bedeutet.
Weiter geht"s, das Glück bleibt auch hinter Hinterweidenthal,
welch eine ungelenke Formulierung, treu: Kaum Verkehr. Ein Blick auf die Uhr.
Wir werden doch nicht etwa ausgerechnet heute in Rekordzeit...?
Nein! Doch nicht! Vor der Abfahrt Hauenstein erzeugt ein
Reifentransport aus Saarbrücken (okay, doch ein paar Transitler unterwegs) eine
kleine Schlange. Als der auf der Überholspur bei Wilgartswiesen endlich passiert
ist, kommt"s, wie"s immer kommt. Die letzte Überholmöglichkeit vor dem
Vierer-Tunnel ist passé, da tauchen in der Ferne auf der eigenen Spur zwei
Laster auf. O du Fröhliche. Jetzt geht"s wieder mit dezentem Tempo 60 weiter.
Und weil sich Laster offenbar beliebig selbst vermehren, tauchen hinter dem
Kostenfelstunnel gleich noch zwei Schleicher auf - von wegen Licht am Ende des
Tunnels. Na denn, dann halt als Straßen-Quintett den morgendlichen Blick auf den
Trifels genießen. Kein Problem bei Tachoanzeige 52. 52!!! Das ist kein Tempo,
das ist eine Zumutung. Aber, wir haben"s ja nicht eilig. Also zählen: noch drei
Kilometer bis zur nächsten Überholmöglichkeit, noch zwei, noch einen... Abfahrt
Annweiler. Geschafft. Dritte Spur da, vier Brummis sind Geschichte.
Endspurt. Ab hier macht"s wieder Spaß, fast ungebremstes Fahrvergnügen ist halt
was Tolles. Selbst wenn ein Kombi an der nächsten Einfahrt seine Probleme mit
dem Einfädeln hat. 8.38 Uhr: Die Ausfahrt Landau-Zentrum naht. Das Ziel des
Morgen-Ausflugs. Endlich. Nach 38 Minuten B 10. Die Erfahrung sagt: ein
mittlerer Wert für die 42,2 Kilometer. Vielleicht klappt"s ja auf dem Heimweg
schneller.
Nur 29
Minuten
Durchaus
möglich: Stressfrei von Ost nach West
Von unserem Redakteur Michael Konrad
Die richtige Einstellung gehört dazu, wenn man ins Auto steigt,
morgens Punkt acht, und von Landau nach Pirmasens fahren will. Diese alles
vereinfachende Sicht der Dinge hat - natürlich - ein B-10-Ausbaugegner eher als
jemand, der sich vehement eine bessere, breitere, auf Biegen und Brechen
autobahnähnliche Bundesstraße Nummer 10 wünscht. Wem die B 10, wie sie jetzt
ist, allemal reicht, der fährt doppelt so gern. Angewandte Psychologie. Das nur
vorweg.
Satte sieben Minuten dauert das Gezuckel durch Landaus
Innenstadt, bis endlich die Oase des rollenden Verkehrs, die B 10, erreicht ist
- Auffahrt Landau-Zentrum. Das Einfädeln wie immer kein Problem, die
Einfädelspur wird zur zweiten Fahrspur. Mulmig wird"s einem vorausschauenden
Fahrer dafür regelmäßig bei Siebeldingen. Dort verengt sich, noch dazu unter
einer Brücke, die Fahrbahn aus beiden Richtungen von zwei Spuren auf eine Spur.
Einen kurzen, aber wie stets gefährlichen Stau gibt es heute aber nur auf der
Gegenseite. Wahrscheinlich hat ein brutaler Im-Letzten-Moment-Überholer die
Nachfolgenden ausgebremst.
Ein erster mitfühlender Gedanke wird hier dem Kollegen auf seiner
B-10-Fahrt aus der Südwestpfalz gen Osten gewidmet. Ein weiterer, weniger
mitfühlender Gedanke gilt der vierspurigen Landesregierung: Wie wird das
Verengungs-Chaos erst aussehen, wenn eines Tages zwei Quasi-Autobahnen auf die
dann immer noch zweispurigen Tunnels auflaufen?
Vorerst läuft"s gen Westen bestens. Und bei
Birkweiler/Albersweiler herrscht erst recht freie Fahrt für freie Bürger:
zweispurig den Berg hoch. Hier testen die PS-Könige, wer mehr unter der Haube
hat. Wie auf der Autobahn eben. Erst im Trifelsland geht"s einspurig auf die
Tunnel zu. Brav in ¸¸Gänsefahrt". 70 sind erlaubt, gute 70 fährt auch der
Lastwagen, der die Kolonne hinter sich her zieht. Anlass zur Ungeduld oder gar
zum Ärgern gibt"s nicht. Es sei denn, Tempolimits sind einem egal. Nach Rinnthal
biegen drei von sieben Wagen aus der Schlange auf die B 48, Richtung Wellbachtal,
ein. Auch der Lastwagen an der Spitze ist weg.
Sanft führt die frisch verbreiterte B 10 mit Tempo 100 durchs
romantische Queichtal. Romantisch natürlich nur, so lange man nicht im Tal steht
und die Autos hört. Auch bei Wilgartswiesen, wo es den Berg hoch wieder
vierspurig wird, ist fast immer Tempo 100 drin, bis zur Abfahrt Hauenstein, die
noch immer nicht kreuzungsfrei ist. Wer setzt hier eigentlich
verkehrsplanerische Prioritäten?
Und dann doch noch etwas Zuckel-Frust: Ein Bad Kreuznacher
Wohnmobil tourt schläfrig mit Tempo 68 bis 72 durchs Land. Aber kaum 500 Meter
weiter bietet sich schon die nächste Möglichkeit zum Überholen. Probleme? Keine!
Die Ampel in Hinterweidenthal ist da schon eher eines. Knapp zwei Minuten
Standzeit sind Standard. Erst danach läuft"s wieder rund. Und wenn mal nicht,
wie wegen des Brummis, der von der Einfahrt Lemberg kommt, dann bietet sich bald
die nächste offizielle Überholchance.
Richtig gefährlich (und ärgerlich) wird die Testfahrt ohnehin
erst kurz vor Pirmasens, am Beckenhof: Hier ist die Autobahn Wahrheit geworden.
Und beim Überholen mit Tempo 105 drängelt von hinten ein Pirmasenser BMW mit der
Lichthupe. Vierspurig? Damit so einer mit 140 rasen kann? Nein danke!
Abfahrt bei Pirmasens-Waldfriedhof. 8.36 Uhr. Reine
B-10-Fahrzeit: 29 Minuten. Übrigens auch auf der Rückfahrt und bei einer
Dienstfahrt ein paar Tage später: Es dauert stets 29 Minuten, die 39,3 Kilometer
zurückzulegen. Durchschnittstempo 81,3 km/h. Was gibt"s denn da zu mosern?
Quelle: Rheinpfalz
Falls Sie Fragen haben, einfach anrufen.
Kontaktadresse:
BUND
Regionalbüro Pfalz
oder senden Sie uns ein E-Mail: [email protected]
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