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16.02.2007
Vorsicht Satire!
Die Pirmasenser Landtagsabgeordneten Thomas Weiner und Erhard Lelle sind ernst zu nehmende Männer. Tiefe Sorgenfalten zeichnen ihre Stirn. Umgetrieben werden sie in der jüngst an die Landesregierung gerichteten Kleinen Anfrage 385 von der brennenden Sorge, ob nicht von „radikalen Projektgegnern“ durch „gezieltes Auswildern geschützter Tier- und Pflanzenarten“ ihrem Lieblingsprojekt vierspuriger B 10-Ausbau ernsthafte Gefahr drohe. Sie befürchten die Schaffung von „Verhinderungstatbeständen“.
Und in der Tat:
Die entschlossenen Kämpfer für blühende Landschaften durch Straßenbau zeigen
beeindruckenden Realitätssinn. Man weiß doch, was in hellen Scharen anrückende
skrupellose Naturschützer im Unterholz alles so treiben. Dankbar werden diese
sein für den so offenherzig ausgesprochenen Tipp der beiden Volksvertreter.
Einem grün beseelten Wurzelsepp ist einiges zuzutrauen:
Ist es denn so undenkbar, dass so einer in seiner kriminellen Energie und unter
Hintansetzung seiner heiligsten Grundsätze eine gentechnisch aufgemotzte
Pfälzer Elwetritsch den ahnungslosen Beamten in den
Genehmigungsbehörden als hochgefährdete faunistische Rarität andrehen wird?
Oder dass die noch nie gesehene Blaue Blume der deutschen Romantik
- in einer Nacht- und Nebelaktion den BASF-Genlabors überfallartig entrissen
- plötzlich und unerwartet auf der Trasse der geplanten 4. Spur sprießt?
Auf den Landauer Reiterwiesen oder unter dem Hinterweidenthaler Teufelstisch ist
nichts unmöglich, wenn schurkische, zur Gewissenlosigkeit neigende Naturschützer
der Drang zum Manipulieren antreibt. Apart fänden diese es sicher auch, endlich
die Existenz der durch Totlachen ernsthaft bedrohten Morgensternschen
Turtelunke auch in pfälzischen Landen belegen zu können.
Und gewiss könnten sie, raffiniert wie sie sind, den Fund eines toten
Mondschafes vom selben Züchter so platzieren, dass alle B 10-Träume zum
Platzen gebracht würden.
Und warum sollte nicht der Klimawandel dafür herhalten können, die
marokkanische Wüstenschrecke zwischen Farnkraut und Nachtviole als
Rarität entdecken zu lassen?
Es ist schon so:
Entlang der B 10 zwischen Landau und Pirmasens stehen einander Kampf
schnaubend Welten gegenüber, unversöhnlich und zu allem bereit. UN-Blauhelme
bräuchte man, um hier Deeskalation zu bewirken.
Das Wettrüsten ist in vollem Gange. Auch die Straßenplaner sind nicht faul:
Längst hat man sich für den Planungsabschnitt westlich Hinterweidenthal - und
das ist keine satirische Übertreibung eines eifernden Schreibers -
verabschiedet von der Idee, eine Bundestrasse mit Regelquerschnitt RQ 20 zu
bauen. Abgefahren ist man dort auf die Autobahnkategorie RQ 26.
Den Porschefahrern der Zukunft schenkt man am Abzweig Salzwoog einen
Kurvenradius, der es ihnen erlaubt, aus ihren flotten Flitzern das Letzte an
Geschwindigkeit und CO2 herauszuholen.
Ob Elwetritsch, Turtelunke oder Schrecke verhindern können, dass alleine für
diesen Asphaltluxus fast 300.000 Kubikmeter Gestein und Aushub bewegt
und verfrachtet werden müssen? Das wird wohl eine echte Zitterpartie für alle
Asphaltfreunde.
Hätten sich Weiner, Lelle und ihre Mitstraßenkämpfer doch einstens, als es noch
etwas gebracht hätte, genauso um das Treiben der treulosen Schuhindustrie
gekümmert - was hätten wir heute vielleicht noch für blühende Landschaften in
der Südwestpfalz!!!
Doch das sind Gedanken eines unverbesserlichen Weltverbesserers.
Quelle: BUND Rheinland-Pfalz
Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz
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