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13.11.02

 

Wir verbringen mehr Stunden in Staus als beim Sex

 

Publizist Franz Alt wendet sich auf Einladung der Bürgerinitiativen Landau und Queichtal gegen den Ausbau der B 10
 
Der vierspurige Ausbau der B 10 macht krank, gefährdet Menschenleben und die Natur. Diese Feststellung zog sich wie ein roter Faden durch die Informationsveranstaltung am Montagabend im Alten Kaufhaus. Über 150 Zuhörer waren der Einladung der Bürgerinitiativen Queichtal und Landau gefolgt. Mit dem Publizisten und "Querdenker" Franz Alt hatten sie einen Mitstreiter für die gemeinsame Sache geworben, der mit seinen Vorstellungen von Mobilität ohne Auto viel Wasser auf die Mühlen der Gegner einer Autobahn durch das Queichtal goss.

 

Sollte der Ausbau nicht zu verhindern sein, werden nach den Berechnungen der Initiativen künftig etwa 50.000 Fahrzeuge - davon 37 Prozent Lkw - täglich das Queichtal passieren, das der Landauer Vorsitzende Ulrich Kraus als "Transitstrecke zwischen Österreich und den Beneluxstaaten" wertete. Viele Millionen Euro Baukosten könnten gespart werden, beschränkte man sich auf verkehrslenkende Maßnahmen wie etwa Mautpflicht oder auch Nachtfahrverbot für Lkw. "Widerstand ist nötig und auch noch möglich", versicherte Kraus vor allem mit Blick auf den noch nicht planfestgestellten Bauabschnitt zwischen Annweiler und Landau.
 
Hart ins Gericht mit den Politikern ging der Umweltpreisträger 2000 der Stadt Landau, Franz Alt, als er vier Millionen Arbeitslose als logische Konsequenz verfehlter Verkehrspolitik in Deutschland anprangerte: 2000 Straßenneubau-Projekten in nur einem Jahrzehnt stünden gerade mal 20 Bahn-Großprojekten gegenüber. "So sind wir nicht zukunftsfähig", prognostizierte er und widmete einen breiten Raum dem weltzerstörerischen Horrorszenario unserer Zeit. Von Mobilität unserer Gesellschaft könne keine Rede mehr sein, weil die Deutschen "mehr Stunden in Staus als beim Sex verbringen".

Wer neue Straßen baue, werde nur neue Autos ernten, versicherte der Fernsehjournalist, nach dessen Ansicht Straßenbau ein Land keineswegs mobilitätsfähig macht. Autos - "die Panzer unserer Zeit" - hält Franz Alt für "die größte Geldverschleuderung", zumal die Durchschnittsgeschwindigkeit eines Pkw mit 16,2 Stundenkilometern noch nicht einmal mehr mit den Pferdestärken im Mittelalter mithalten könne. Wenn sich nicht neue Technologien durchsetzten, prophezeite Alt, weiter täglich 30.000 Hektar Wüste produziert, rund 150 Tier- und Pflanzenarten ausgerottet würden, läge Landau in 50 Jahren in der Wüste.

Boden unter den Füßen

"Wir brauchen Boden unter den Füßen und nicht Beton", unterstützte er die Gegner einer durch den Ausbau der B 10 weiter zersiedelten Landschaft. Wenn nicht länger auf das Auto mit seinem viel zu hohen Spritverbrauch gesetzt, vielmehr der öffentliche Verkehr verfünffacht werde, würden zusätzlich eine Million neue Arbeitsplätze geschaffen, mutmaßte der Publizist, der ein Überleben unserer Erde letztendlich auch von der Zahl der Fahrzeuge auf den Straßen abhängig macht und sich am Montagabend vor allem für eine intelligentere Lösung unserer Verkehrsprobleme aussprach. Veränderung freilich könne alleine durch Druck auf die Politik entstehen - und zwar von unten - aus der Bevölkerung heraus.

Wie notwendig gerade Umdenkungsprozesse in der Verkehrspolitik scheinen, machte der Landauer Mediziner Martin Ihloff deutlich, als er die Auswirkungen des Ausbaus der B 10 auf die Gesundheit der Menschen beschrieb und vor allem Feinstaub und Stickoxide für Entzündungen im Körper verantwortlich machte, auch Asthma und chronische Bronchitis als Auswirkung zunehmender Luftverschmutzung diagnostizierte. Untersuchungen in Nachbarländern hätten ergeben, dass die Zahl der Todesfälle in Regionen mit hoher Luftverschmutzung ansteige.

Laut Ihloff, Vorstandsmitglied der Landauer Bürgerinitiative, bringt Verkehr eindeutig krankmachende Emissionen mit sich. Auch wenn sich Deutschland gerne in der Rolle des grünen Vorreiters sehe, bestehe gerade hier erhöhter Handlungsbedarf.

Große Verkehrsmengen, forderte der Mediziner, dürften nicht unnötig durch bewohnte Gebiete geführt werden. Auch gelte es, die geografische Lage und ihre besondere Problematik gerade im Queichtal zu bedenken und dann auch eine Alternativstrecke zu suchen.

Mit allerhand Zahlen, Daten und Fakten beleuchtete der Diplomingenieur Kurt Ziegler gerade die bedrohliche Entwicklung des Schwerlastverkehrs in den zurückliegenden Jahren. Gleichzeitig beleuchtete er die Auswirkungen des Lärms und gab zu bedenken, wie wichtig es ist, bei der Bemessung der Lärmschutzmaßnahmen nicht nur den Ist-Verkehr, sondern vor allem auch das zukünftig prognostizierte Fahrzeugaufkommen zu bedenken.

Quelle: RON - RHEINPFALZ ONLINE, Mittwoch, 13. Nov , 03:45 Uhr


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