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14. 08. 2002
Gesprächsrunde Bürgerinitiativen - BUND zu B 10:
Auf die Gemeinderäte kommt es an!
LANDAU. In der Bundesrepublik Deutschland hat es bis auf
den heutigen Tag keine einzige Kommune gegeben, gegen deren Willen ein
Fernstrassenprojekt durchgesetzt werden konnte.
Dies ergab eine bundesweite
Recherche der Berliner BUND-Bundesgeschäftsstelle.
Mitgeteilt wurde dieses
Faktum auf dem jüngsten Treffen von Vorstandsmitgliedern der BI Landau und der
BI Queichtal gegen den vierspurigen Ausbau der B10 unter Führung von
Bürgermeister a. D. Ulrich Kraus und Walter Herzog mit Vertretern des BUND
Südpfalz.
Die Gesprächsrunde sah in diesem
Umstand einen eindeutigen Aufforderung an noch zögernde Kommunen im Queichtal, konsequent eine wasserdichte Beschlusslage gegen den unerwünschten
B10-Ausbau herbeizuführen - möglichst schon weit im zeitlichen Vorfeld
eines bevorstehenden Planfeststellungsverfahrens.
Jedem einzelnen Ratsmitglied
müsse endlich bewusst werden, über welche Macht es in dieser Planungsangelegenheit
verfügt. Resolutionen alleine würden nicht genügen.
Es gebe für jede Kommune reichlich handfeste Gründe, jetzt gegen einen vierspurigen Ausbau der B10 zu beschließen:
·
Die zu erwartenden fast 50.000 Fahrzeuge / 24 Std., darunter mindestens 25
Prozent Schwerlastverkehr rund um die Uhr. Gemäß eigener Verkehrszählung der BI Queichtal beträgt der LKW-Anteil bereits heute 37,5 Prozent des gesamten Verkehrsaufkommens. Davon sind 80 Prozent nicht-regionaler Herkunft, also reiner
Durchgangsverkehr.
Nach der Prognose des Landes Rheinland-Pfalz wird der
vierstreifige Ausbau der B10 zu einer Verdreifachung des LKW-Verkehrs führen. Dauerstaus sind damit
programmiert.
· Vierspurig gebaut ist erst bis
Münchweiler; bis Wallmersbach ist
planfestgestellt, aber noch nicht ausgeführt.
Die restliche Strecke bis Hinterweidenthal ist noch nicht einmal planfestgestellt.
Auf dem weitaus längsten Abschnitt bis Landau haben
die Kommunen noch alle Möglichkeiten, souverän ihre Planungshoheit auszuspielen.
·
Die Finanzierung
ist
noch völlig ungesichert (vgl. DIE RHEINPFALZ v. 14. 08.2002).
Wo soll da noch das
Geld für mehr Lärmschutz herkommen?
· Die vierspurige B10 dient einzig der Verknüpfung von zwei außerhalb von Rheinland-Pfalz liegenden Agglomerationszentren, nämlich Saarbrücken und Karlsruhe. Dies haben die Planer jetzt mit wünschenswerter Klarheit zu erkennen gegeben.
·
Der dieser Relation zugedachte Nutzen dient nur diesen beiden Zentren.
Den Schaden werden Süd- und Westpfälzer gemeinsam zu tragen haben.
An den
Westpfälzern wird der ausufernde Transitverkehr wirkungslos einfach
vorbeirauschen.
Von einem Nutzen für die Pfälzer beider Regionen kann nach
allen Erfahrungen der Vergangenheit insgesamt keine Rede sein. Somit sitzen Süd- und Westpfalz eigentlich im selben Boot. Die Westpfälzer
müssten nur endlich erkennen, dass Fernstrassen noch keine Garantie für
„blühende Landschaften“ sind.
Dann müssten die neuen Bundesländer, das Saarland
und das Ruhrgebiet nur so strotzen vor Wohlstand.
·
Der Raum Annweiler wird Auslöser
extremer Stausituationen werden.
Dies ergibt sich aus den oben
genannten Zahlen und der beabsichtigten Ausbaupriorität, diesen Strassenabschnitt
ganz zuletzt zu realisieren. Was bisher hierfür vorliegt, sei „eine völlig unverbindliche
Machbarkeitsstudie“ (lt. Minister Bauckhage in Birkweiler).
Die Dummen seien hier wieder die Queichtalkommunen, deren kostenträchtig zurückgebauten Kommunalstrassen wieder kostenträchtig einem horrenden Umleitungsverkehr unterworfen würden.
· Zu verhindern, dass die Südpfalz zu einer europäischen Verkehrsdrehscheibe werde, das sei nicht nur das Recht, sondern auch die Verantwortung der Südpfälzer Gemeinderäte gegenüber kommenden Generationen.
· Erwiesen sei, dass dort, wo der meiste Widerstand erkennbar wird, die Bereitschaft Berlins, einem Strassenprojekt erste Priorität einzuräumen und Millionen fliessen zu lassen, rapide absinkt.
· Widerspenstige Kommunalparlamente müssten natürlich wissen, dass sie erheblichem Druck und großen Verlockungen ausgesetzt sein würden:
Oft würden
Gemeinderäte durch eine Verknüpfung zwischen Ausbau und neuen oder höheren
Lärmschutzwällen geködert werden. Dazu sei zu sagen, dass Lärmschutzmassnahmen
nicht die weiträumige Verlärmung einer Region verhindern können; dass sie dem
von besonders tiefen Tönen ausgehenden Dauerstress nichts entgegenzusetzen
haben.
Flächige Schadstoffbelastung und Schadstoffabfluss durch den nächtlich
Kaltluftstrom aus dem Queichtal in die Stadt Landau bleiben durch
Lärmschutzwände unbeeinflussbar.
Der Widerstand gegen das B10-Projekt werde nicht nur getragen von ca. 3000 südpfälzischen BUND-Mitgliedern und –Förderern sowie von den Hunderten Mitgliedern der fast täglich wachsenden Bürgerinitiativen, sondern auch von immer mehr sympathisierenden Mitbürgern.
Es werde daher Zeit, dass in einer repräsentativen Demokratie die Mandatsträger reagieren. Siebeldingen und Birkweiler hätten es vorgemacht.
Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz
oder senden Sie uns ein E-Mail: [email protected]
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