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03.05.2004
Mediationsverfahren B 10: 7 Fragen an die
Freunde des B 10-Ausbaus
Großmannsucht für Straßen - Kleinmut bei ÖPNV
Oberbürgermeister Dr. Matheis und Ministerpräsident Beck haben von außen her
Gedanken zum Mediationsgegenstand in die Öffentlichkeit getragen. SÜDPFALZ
MOBIL nimmt sich daher das Recht zu einigen Äußerungen im Anschluss an das
am 28. April durchgeführte Mediationsforum III.
Das Forum erbrachte durch Dipl. Ing. Hans-Peter Kleemann vom "Büro für
Angewandten Umweltschutz GmbH", Stuttgart, die nicht uninteressante These,
dass die häufig für die kommenden Jahrzehnte prognostizierten gewaltigen
Verkehrszuwächse im Personen- und Güterverkehr nicht eintreten werden, ein
durchgängig vierspuriger Ausbau der B 10 somit völlig überflüssig sei.
SÜDPFALZ MOBIL knüpft an diesen Befund einige Fragen, die das Nachdenken über
die Plausibilität dieser Betrachtungsweise befördern sollen. Vor allem aber sind
diese Fragen nachzuschieben, weil der Experte der Gegenseite durch die extreme
Überlänge seines Vortrages und durch den absprachewidrigen massenhaften Einsatz
vorher nicht den Teilnehmern zur Verfügung gestellten Materials eine gründliche
Auseinandersetzung verhinderte:
Ist es wirklich abwegig, sich zumindest auf ein stagnierendes, wenn nicht gar mittel- bis langfristig rückläufiges Verkehrsaufkommen einzustellen, wenn sich nach einer Modellrechnung des Statistischen Landesamtes die Zahl der unter Zwanzigjährigen gegenüber dem Jahr 2000 bis 2050 in Landau, Kreis SÜW und Pirmasens um ca. 40 Prozent, im Kreis Südwestpfalz sogar um 47,6 Prozent verringert haben wird? Schließlich hat sich bereits heute seit 1995 die Zuwachskurve auf der B 10 im Schnitt stark abgeflacht.
Ist es wirklich so abwegig zu fragen, ob nicht ein attraktiver, schneller und insgesamt kundenfreundlicher organisierter Schienenverkehr im Queichtal zumindest die möglicherweise noch eintretenden Verkehrszuwächse auf der B 10 abschöpfen oder aber sogar eine merkliche Entlastung gegenüber der heutigen Belastung der B 10 herbeiführen kann? Wo doch z. B. die zwischen Stralsund und Berlin ständig expandierende Usedomer Bäderbahn zeigt, welche Dynamik im Fahrgastaufkommen auf der Schiene möglich ist? Wo doch die Stadt Zürich seit Jahren den Zuwachs an Individualverkehr gestoppt hat durch gezielte Werbung und Aufklärung zum Thema ÖPNV?
Muss nicht der bereits eingetretene und in Zukunft durch Weltmarktbedingungen weiter angeheizte Anstieg des Spritpreises mit dazu beitragen, dass das Verkehrsaufkommen auch auf der B 10 langfristig nicht ungebremst weiter wächst?
Wie realistisch ist der an die Wand gemalte Teufel von der Verkehrslawine durch die EU-Osterweiterung? Wo doch die große Expansion im grenzüberschreitenden Handel schon längst vor dem Beitritt eingetreten ist, und wo doch damit zu rechnen ist, dass die neuen EU-Mitglieder mit wachsender Produktivität vermehrt Handel untereinander treiben werden?
Warum mehr als eine halbe Milliarde Euro ausgeben für ein Verkehrsprojekt, das im festgestellten Kosten-Nutzen-Verhältnis mit der Zahl 2,6 weit unter der finanziellen Akzeptanzgrenze für Fernstraßen liegt?
Warum herrscht bei den Verfechtern des Individualverkehrs immer der Zug zum Gigantischen und Großen, beim öffentlichen Verkehr aber ein ausgesprochener Kleinmut? Und das angesichts der überwältigenden Erfolge des KVV, der rechtsrheinisch 500 Kilometer, in Rheinland-Pfalz bisher lediglich 5 Kilometer stadtbahnmäßig ausbauen durfte?
Ist es unrealistisch anzunehmen, dass durch die früher oder später unvermeidliche Aufhebung der extremen Subventionierung des Straßengüterverkehrs das prognostizierte Verkehrswachstum nicht eintreten wird?
Quelle: SÜDPFALZ MOBIL
Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz
oder senden Sie uns ein E-Mail: [email protected]
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