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28. 06. 2004

Der Umweltobulus für den Flug Berlin Nairobi: 74,80 €

 

Passagiere können ihren Anteil am CO2-Ausstoß von Flugzeugen mit einer Spende für ein Umweltprojekt ausgleichen

Viele Leute fliegen heute viele Kilometer mit dem Flugzeug. Glaubt man Klaus Töpfer, dann wird dafür nicht der nötige Preis bezahlt, weil die Kosten durch die Luftverschmutzung unterschlagen werden. Der Direktor des UN-Umweltprogramms Unep fördert nun eine Initiative, in der man freiwillig Ausgleich schaffen kann.

Es war einmal eine Konferenz in Johannesburg. Und es war einmal eine Delegation aus Deutschland, die zu dieser Konferenz reisen sollte. Natürlich hätte sie sich - bei sehr viel Zeit - per Schiff auf die weite Reise machen können. Tatsächlich wählte sie das Flugzeug. Doch weil es bei der Konferenz um den Klimaschutz ging, bekamen die Mitglieder der Delegation ein schlechtes Gewissen. Der Grund: Kein anderes Transportmittel, so die Meinung der Deutschen, verschmutze die Luft so sehr wie das Flugzeug, kein anderes Verkehrsmittel trage so stark zum Klimawandel bei.

Die Delegierten legten für sich einen Gegenwert pro geflogenem Kilometer und ausgestoßenem Treibhausgas Kohlendioxid fest und sammelten von jedem Teilnehmer die entsprechende Summe ein. Mit dem Geld sollte ein besonders umweltschonendes Entwicklungsprojekt in einem Johannesburger Slum gefördert werden. Damit war jene Idee geboren, die als Grundlage für die jetzt angelaufene Initiative ¸¸atmosfair" gelten kann.

Die Schirmherren der Initiative sind Bundesumweltminister Jürgen Trittin und UN-Umweltdirektor Klaus Töpfer. Der eine, Trittin, zählte zur Delegation für die Johannesburger Konferenz; der andere, Töpfer, wirbt seit Jahren dafür, sich des Klimawandels endlich konkreter anzunehmen.

¸¸Der Klimawandel ist keine Prognose für das Jahr 2100", sagte Töpfer gestern bei der Vorstellung der Initiative. ¸¸Der Klimawandel findet heute statt." Entsprechend wichtig sei für ihn, endlich bei jedem das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass sein Konsumverhalten eine eigene Auswirkung auf die Umwelt habe. Sein Ziel sei es nicht, mit der Initiative das Fliegen generell zu verteufeln. Aber das Fliegen - ob zu beruflichen oder privaten Zwecken - verursache Kosten, die durch den Preis in keiner Weise ausgeglichen würden. Die Folge: ¸¸Die Kosten, die wir heute nicht bezahlen, werden auf spätere Generationen oder auf Menschen in anderen Weltregionen abgewälzt", die mit den Verschmutzungsursachen nichts zu tun hätten.

Was Töpfer zusammen mit Umweltminister Trittin gestern vorstellte, funktioniert denkbar einfach: Jeder, der einen Flug absolviert, kann auf freiwilliger Basis einen Obulus entrichten, der - von ¸¸atmosfair" gesammelt - in besonders umweltschonende Projekte fließen. Auf Basis der Rechnungen von ¸¸atmosfair" ergibt sich beispielsweise für einen Hin- und Rückflug von Berlin nach Köln ein Obulus von acht Euro, von Berlin nach Teneriffa von 23 Euro und von Berlin über Frankfurt nach Nairobi von 74,80 Euro.

Die Organisationsstruktur ¸¸atmosfair" wurde gegründet von zwölf sich als umweltbewusst bezeichnenden Reiseagenturen. Mittlerweile gehören dem Konsortium hundert Agenturen an. Erste Projekte, die über das Programm ¸¸transfair" finanziert werden sollen, sind Solarküchen in Indien sowie Müllsammel- und -verbrennungsanlagen in Brasilien.

Quelle:
Verlag: Rheinpfalz Verlag GmbH & Co. KG
Publikation: Pirmasenser Rundschau
Ausgabe: Nr.143
Datum: Mittwoch, den 23. Juni 2004
Seite: Nr.2


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