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22.07.2002
Stellungnahme zum Thema Flugverkehr:
10 Thesen des BUND zur Flugverkehrs- und Flughafenpolitik in Deutschland
Der Bundesminister für Verkehr, Bauen und Wohnen (BMVBW)
hat am 21.10.1999 ein „Konzept für die Flughafenpolitik des Bundes"
vorgestellt. Acht der zehn BMVBW-Thesen versuchen mit dem Hinweis auf die
steigende Nachfrage einen Kapazitätsausbau zu begründen.
Der BUND stellt dem BMVBW-Papier 10 Thesen für eine rationale, zugleich
umweltgerechte und ökonomisch effiziente Flughafenpolitik in Deutschland
entgegen.
1.
Luftfahrtbedingte Umweltbelastungen drastisch
vermindern.
Der Luftverkehr ist nicht nachhaltig, weil sein Wachstum die Rate der
technischen und betrieblichen Verbesserungs-möglichkeiten weit übersteigt.
Insbesondere müssend verbindliche Ziele zur Vermeidung des Risikos der
globalen Erwärmung für den Verkehrssektor insgesamt und den Flugverkehr in
Deutschland festgelegt werden.
2.
Der wachsende Flugverkehr bringt bei realistischer
Betrachtung keine wesentlichen Impulse für Wachstum und Beschäftigung. Um die
Arbeitslosigkeit abzubauen wird eine gezielte Beschäftigungspolitik und nicht
ein blinder Infrastrukturausbau bei allen Verkehrsträgern und in allen
Regionen Deutschlands gebraucht.
Vorhandene Standorteffekte des Flugverkehrs durch die Einbindung in ein
globales Netz von Fluglinien für den Geschäftsreiseverkehr sollen gleichwohl
erhalten werden. Eine arbeitsteilige Nutzung der bestehenden
Flughafen-Infrastrukturen im Rahmen einer Gesamtverkehrsplanung, die auch
klare umweltpolitische Ziele formuliert, wäre volkswirtschaftlich und
arbeitsmarktpolitisch viel vorteilhafter.
3. Es gibt keinen seriösen Nachweis dafür, dass die Wachstums- und Beschäftigungseffekte von Flughäfen wirklich substantiell für die betroffene Region sind. Eine „intelligente“ Flughafenkonzeption muss deshalb die nur an wenigen Flughäfen in Deutschland (Frankfurt M., München, Düsseldorf, Berlin) vorhandene allgemeinen Standortvorteile durch den Geschäftsverkehr durch eine umweltverträgliche Infrastrukturpolitik (Bahnanschlüsse für wenige Flughäfen und ein weit verzweigtes Bahnnetz: Flächenbahn) für ein möglichst großes Einzugsgebiet nutzen.
4. Statt die Zunahme der internationalen Konkurrenz zu beklagen (um Flughafen- und Flugplatzausbau zu legitimieren) sollte sich der BMW aus der selbstgewählten Isolation herausbewegen und mit unseren Nachbarländern sowie den europäischen Partnern mit dem Ziel kooperieren, soziale und ökologische Mindeststandards einzuführen.
5. In Deutschland muss ein Flughafensystem eingeführt werden, das diesen Namen verdient. Bisher gibt es nur eine Summe miteinander konkurrierender Flughäfen. Das BMVBW muss eine integrierte Gesamtplanung für alle Verkehrsträger vorlegen, in der auch verbindliche Umweltqualitätsziele und Modal Split-Ziele enthalten sind.
6.
Kurzstreckenflüge unterhalb von 600 km (ca. 50% der
Flüge von deutschen Flughäfen) sind auf die Bahn zu verlagern.
Ein Stufenplan mit quantifizierten Zielvorgaben ist vorzulegen (Verlagerung
von durchschnittlich 5% des Kurzstreckenverkehrs pro Jahr auf die Schiene,
beginnend in 2000). Damit wird so viel Kapazität frei, dass kein einziger
Flughafen in Deutschland mehr ausgebaut werden muss.
7.
Der Fluglärm ist drastisch zu vermindern und die
Gesundheit der Anwohner wirksam zu schützen.
Der technische Fortschritt bei der Lärmminderung ist an die Bevölkerung
weiterzugeben.
8. Durch den Einsatz marktkonformer und verursachergerechter ökonomischer Instrumente ist eine gesamtwirtschaftliche Effizienz der Verkehrspolitik herbeizuführen: die wettbewerbsverzerrenden Flugverkehrssubventionen (insbes. die Steuerbefreiung der Flugtreibstoffe und der internationalen Tickets) müssen abgebaut, kostendeckende Gebühren erhoben und schrittweise ökologische Kostenwahrheit (emissionsorientierte Landegebühren, ökologische Steuerreform) eingeführt werden.
9. Eine rechtsstaatliche Abwägung der verschiedenen, von Ausbauplanungen betroffenen Belange (Natur/Umwelt, Wirtschaft, Soziales, Raumordnung/ Städtebau), ist rechtlich sicherzustellen, Wirkungen von Ausbaumaßnahmen sind seriös zu ermitteln, die Bürger sind effektiv und frühzeitig an der Planung zu beteiligen. Ein möglichst breiter Konsens über Ausbaumaßnahmen ist herzustellen.
10. Instrumente
der Verkehrsvermeidung sind einzusetzen:
Der BUND fordert Bundes – und Landesregierung auf, eine professionelle
Verbraucheraufklärung über die Folgen des Flugverkehrs, über
entfernungsintensives Reiseverhalten und entfernungsintensiven Konsum
durchzuführen.
Regionale Produkte und Angebote des umweltfreundlichen regionalen Tourismus
sollen wirkungsvoll gefördert werden.
Ebenso dringend notwendig ist eine Verbesserung der
Kommunikationsinfrastruktur, die Fernreisen in der Wirtschaft überflüssig
macht.
(Eine ausführliche Erläuterung dieser 10 Thesen erhalten Sie beim BUND auf Anfrage gerne.)
Soviel ist jetzt schon gewiss: Die vom damaligen Landesverkehrsminister ausdrücklich versprochene Zurückdrängung des regionalen Luftverkehrs durch den Neubau der ICE-Strecke Köln - Rhein/Main wird nicht stattfinden.
Stattdessen ist eine ständige Verstärkung des regionalen Luftverkehrs an den Standorten Hahn, Bitburg und Zweibrücken im Gange, für die jede verkehrspolitische Rechtfertigung fehlt.
Leider gilt auch hier der Grundsatz "Jeder plant für sich allein", was auf eine nahezu unbegrenzte Angebotsplanung aus jeweiligem Ressort- bzw. Vor-Ort-Interesse hinausläuft ohne Betrachtung von Alternativen im vernetzten System der Verkehrswege. Insbesondere hier macht sich die allzu große Isolierung der zuständigen (Luftverkehrs-) Behörde bemerkbar.
Ausgerechnet zum beginnenden 21. Jahrhundert ist im Norden des Landes, nachdem der militärische Nachtfluglärm überwunden war, der nächtliche Güterverkehr in der Luft auf zwei Flughäfen eingeführt worden: Auf den Flughäfen Köln/Bonn und Hahn/Hunsrück. Dies führt zu nächtlicher Tiefflugbeschallung, die im ersten Fall bis weit nach Rheinland-Pfalz hineinreicht und in beiden Fällen zu einer solchen Verlärmung führt, dass gesundheitsschädliche Schlafunterbrechung eintritt.
Es gibt keine Notwendigkeit für Steigerungen der Luftfracht.
Informationen beim BUND-Regionalbüro Pfalz
Fon 06341/381672, Fax: 06341/381673,
E-Mail: regionalbuero@bund-pfalz.de
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