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08. 10. 2003
Pendlerpauschale im Fernsehen
Mit "Mobilitätsgeld" soziale Härten vermeiden!
Entfernungspauschale konterkariert Klimaschutz und beschleunigt Zersiedlung
LUDWIGSHAFEN. Ein Mobilitätsgeld für Geringverdiener aus strukturschwachen
Regionen analog dem Wohngeld soll das zügige Herunterfahren der
Entfernungspauschale sozial abfedern. Dies forderte heute ein Sprecher des
BUND-Rheinland-Pfalz (U. Mohr) anlässlich einer Gesprächssendung, die der SWR-RP
im 3. Fernsehprogramm ab 18.15 Uhr ausstrahlte. Demnach wäre das Mobilitätsgeld
je zur Hälfte von Bund und Ländern als Zuschuss zu bezahlen; Anträge wären über
kommunale Stellen abzuwickeln. Die Entfernungspauschale sei längst zu einer
"Zersiedlungs- und Klimakiller-Pauschale" und damit nicht nur zu einer
finanzpolitischen, sondern vor allem auch zu einer ökologische Fehlentwicklung
geworden. Daher sei sie möglichst bald völlig abzuschaffen.
Wer wie Ministerpräsident Beck zur Rettung der
Entfernungspauschale die soziale Harfe schlage und glaube, die
Werbungskostenpauschale, die gemeinhin als die "Sparbüchse des kleinen Mannes"
gelte, antasten zu müssen, der hole erst recht zu einem sozialpolitischen
Tiefschlag aus.
Dabei sei die Pendlerpauschale keineswegs besonders sozial, und zwar deswegen,
weil durch ihre progressive Ausgestaltung die Entlastungswirkung bei niedrigen
Einkommen von eher geringer Bedeutung ist:
Während so z. B. bei 50 Kilometer Distanz und 220 Arbeitstagen ein
Besserverdienender mit einem Grenzsteuersatz von 45 % mit fast 2.000 € jährlich
entlastet werde, bringe ein Grenzsteuersatz von 20 % gerade mal 880 €
Entlastung. Dies zeige, was aus der ursprünglich sozial gemeinten
Steuerentlastung für Pendler inzwischen geworden sei.
Dazu stelle das Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) fest, sie sei
eine "Steuersubvention mit Mitnahmeeffekten für besser Verdienende".
Die Mehrheit der Berufstätigen habe keinen Vorteil, "weil entweder das Einkommen
zu gering oder der Arbeitsweg zu kurz ist".
Heute trage die Pendlerpauschale dazu bei, dass beispielsweise immer mehr
Karlsruher Stadtflucht in die Südpfalz begehen und damit z. B. den Haardtrand
zersiedeln, allmorgendliche Staus vor der Wörther Rheinbrücke auslösen und
dadurch wieder Sachzwänge für millionenschweren Straßenneubau hervorbringen
(z.B. zweite Rheinbrücke quer durch hochsensible Naturräume).
Zudem lasse die Pendlerpauschale Regionen wie z. B. die Eifel immer mehr
ausbluten, indem über ein immer dichter werdendes Fernstraßennetz bei
gleichzeitiger Vernachlässigung mittelständischer gewerblicher Strukturen immer
mehr Menschen in die wenigen Oberzentren des Landes wegpendeln, deren
Innenstädte gleichzeitig immer menschenleerer würden.
Kenzeichnend für Rheinland-Pfalz sei, dass sich seit Ende der Sechziger Jahre
die Zahl der täglich zurückgelegten Wege kaum verändert, die Länge der Wege
jedoch fast verdreifacht habe. Diese unerwünschte Entwicklung sei unbedingt zu
stoppen. Zu dem dazu erforderlichen Maßnahmenbündel gehöre auch die Abschaffung
der Entfernungspauschale.
Umweltschädliches Verhalten, das auch noch Milliardenlöcher in den öffentlichen
Haushalt reißt, dürfe nicht länger steuerlich belohnt werden.
Damit verbundene soziale Härten jedoch sollten über einen begrenzten Zeitraum
und mit zielführenden Maßnahmen gemildert werden.
Quelle: BUND Rheinland-Pfalz
Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz
oder senden Sie uns ein E-Mail: regionalbuero@bund-pfalz.de
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