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30.03.2004
Bundesverkehrswegeplan in der Schlussrunde
Knappes Geld: Chance für Planung mit Augenmaß!
Öffnungsklausel zur Mittelumschichtung! Fata Morgana der Ortsumgehungen
Pfaff geht trotz exzellenter Straßenanbindung
MAINZ. In einer Stellungnahme zu den Beratungen des Fernstraßenbaugesetzes im Bundestag signalisiert der BUND Rheinland-Pfalz an die Adresse der Landesregierung intensivierte Gesprächsbereitschaft zu den einzelnen rheinland-pfälzischen Verkehrsprojekten im Rahmen derzeit laufender Verhandlungen. Hintergrund: Minderausgaben wegen Mautausfällen, Rentenfinanzierung und Subventionsabbau (Koch/Steinbrück) zwingen zur Streichung verkehrlich sinnloser und umweltschädlicher Projekte.
Als wohl besonders groteskes und abschreckendes Beispiel für
Steuergeldverschwendung mag hier die "Geisterautobahn" A 60 auf der Eifel
gelten, wo von den ursprünglich prognostizierten täglichen 18.000 KFZ gerade mal
7.000 gekommen sind.
Zu konstruktivem Dialog mit dem Umweltschutz zu nutzen sei vor allem der durch
Europarecht bei Umweltrisiken vorgeschriebene naturschutzfachliche
Planungsauftrag (nfP), da nur so gerichtliche Auseinandersetzungen und massive
Projektverzögerungen vermieden werden könnten.
Wenn auch z. Zt. nur bei 5 Vorhaben ein solcher Prüfauftrag erteilt sei, sei
dies ein großer Fortschritt, weil erstmals Eingriffe in FFH-, Vogelschutz- oder
Naturschutzgebiete umfassend geprüft und dokumentiert werden müssen und von
Politik und Verwaltungen nicht mehr ignoriert werden dürfen. Dies betreffe z. B.
im Norden den Bau der A 1, der A 48 oder der B 50 neu; im Süden z. B. die
Rheinquerung zwischen Karlsruhe und Südpfalz.
Leider wurden bisher nicht überall dort, wo es dringend geboten wäre, nach
vorausgegangener Umweltrisikoeinschätzung (URE) ein nfP erteilt; so z. B. bei
der Ahrquerung (B 266) zusammen mit der Ortsumgehung Bad Bodendorf oder bei den
Ortsumgehungen Hochstetten und Dhaun (B 41). Zur Konfliktvermeidung muss in
solchen Fällen noch vor Verabschiedung des Fernstraßenbedarfsplanes
nachgearbeitet werden.
Kennzeichnend für die rheinland-pfälzische Verkehrsplanung ist die deutliche
Schieflage zugunsten der Straße: den 2,1 Mrd. € für Straßenneubau stehen
lediglich rund 144 Mio. €, d. h. ca. 7 Prozent, bis 2015 für Schienenvorhaben
gegenüber. Im "vordringlichen Bedarf" stehen 71 Fernstraßen, aber nur 3
Schienenprojekte. Eine mögliche Entlastung der Straße durch die Schiene wird so
konsequent verhindert. Eine regionale Schienenstrategie fehlt völlig,
stattdessen aber gibt es zahlreiche Straßenvorhaben mit noch nicht einmal
lokaler Bedeutung.
Zum Abbau dieses Ungleichgewichts und zur Ermöglichung einer Verkehrsträger
übergreifenden Verkehrsplanung fordert der BUND die Zulassung einer
Öffnungsklausel zur Mittelumschichtung von Investitionsmitteln für
umweltorientierte Projekte. Derartiges drängt sich beispielsweise auf bei der
Lösung des Transportproblems im Queichtal, wo parallel zu dem extrem teuren und
technisch aufwändigen (Tunnels!!) B 10-Projekt sich Abhilfe durch die
Weiterentwicklung eines vorhandenen Schienenstrangs anbietet.
Nicht nur Bypässe, die den Infarkt nur höchst bedingt verhindern, sondern auch
ein finanzielles Fass ohne Boden sind die zahlreich versprochenen Ortsumgehungen
(OU). Am Ende des Entwurfs der BUND-Stellungnahme zeigt ein Säulendiagramm, wie
gering - gemessen an den Versprechungen der Politik - deren
Entlastungswirkung für die verkehrsgeplagte Bevölkerung ist. Mehr als 43 Prozent
der OU im Vordringlichen Bedarf bringen überhaupt keine oder nur geringe
Entlastung (Vgl. Projektdossier des Bundesverkehrsministeriums). Als typische
Beispiele können hier dienen die OU Nierstein (B 9), OU Impflingen (B 38) oder
OU Klingenmünster (B 48).
Wesentlich effektiver und gleichzeitig kostengünstiger wären verkehrsdämpfende
innerörtliche Maßnahmen, überörtliche Verkehrslenkung (möglichst zusammen mit
dem Ausbau des ÖPNV), was den zusätzlichen Effekt reduzierter Unfallzahlen mit
sich brächte.
Seit den 80er Jahren ist in Rheinland-Pfalz durch Straßenbau der Waldanteil an
der Landesfläche bereits von 42 Prozent auf 40,8 Prozent geschrumpft.
Das kann nicht ohne Folgen so weitergehen. Heute sind alle Regionen und
Gemeinden im Land vollständig durch Straßen erschlossen. Die Verkehrsleistung
des Motorisierten Individualverkehrs ist seit 1999 um sechs Prozent
zurückgegangen.
Aktuell belegt der Weggang der Kaiserslauterer Firma Pfaff wieder einmal, wie
unerheblich selbst exzellente Straßenanbindung für Erhaltung oder Schaffung von
Arbeitsplätzen sein kann. Mit 2,1 Milliarden € könnte für Wohlstand und
Lebensqualität der Bürger dieses Landes bis 2015 anderes als immer noch mehr
Straßenbeton auf den Weg gebracht werden.
Stellungnahme des BUND zu den rheinland-pfälzischen Verkehrsprojekten (90,5 kByte).
Vollständige
Tabelle der kommentierten einzelnen rheinland-pfälzischen Verkehrsprojekte (698
kByte). Achtung! lange Ladezeit!
Quelle: BUND Rheinland-Pfalz
Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz
oder senden Sie uns ein E-Mail: regionalbuero@bund-pfalz.de
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