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21.05.2005

 

Erlebnis-Center Landau: BUND: „Wir können nur warnen“

 

Mit dem 32-Millionen-Projekt „Erlebnis-Center“ wird der Stadt Landau ein Floh ins Ohr gesetzt, der ihr noch lang höchst unangenehmen Juckreiz verursachen kann. Mit dieser Vermutung beurteilt der BUND auf Grund seiner langjährigen Erfahrung mit ähnlichen Großprojekten in allen Regionen Deutschlands das Ansinnen des Oberbürgermeisters, die Investitionswünsche anonymer Geldgeber aus dem Ausland durchboxen zu lassen.

 

Wenn ein Kuckuck heimlich sein bedenkliches Ei in ein viel zu kleines Vogelnest absetzt, dann weiß man, dass in dem Kuckucksei etwas heranwächst, was am Ende - zum Verdruss der betrogenen Vogeleltern - alles platt machen wird. Wenn jedoch ein Städtchen wie Landau bewusst einem exotischen Vogel trotz undurchschaubarer Herkunft Einlass gewähren will, dann staunt man über die Zukunftsblindheit der Verantwortlichen. Zumal Menschen sich von Vögeln durch Lernfähigkeit unterscheiden.

 

Bedenken ergeben sich im Einzelnen besonders unter folgenden Gesichtspunkten:

 

§         Da ist die verdächtige Eile und Geheimniskrämerei bei der Herbeiführung eines positiven  Ratsbeschlusses und die gleichzeitige Arglosigkeit, mit der die Mehrheit der Stadtratsmitglieder zur Zustimmung bereit scheint. Wie unglaublich gutgläubig Kommunalpolitiker sein können, zeigen exemplarisch bundesweit Hunderte Fälle von Cross border leasing. Hier hat man jeweils mehrere tausend Seiten englischsprachigen Vertragstextes mit Gerichtsstand in den USA bedenkenlos abgesegnet, ohne auch nur zu ahnen, worauf man sich für Jahrzehnte vertraglich hat festlegen lassen. Eine Katze im Sack zu kaufen scheint manchen ganz im Sinne des herrschenden Zeitgeistes  Ausdruck höchster kommunalpolitischer Weisheit zu sein. Dabei gibt es heute Investoren, die wie eine Wanderdüne übers Land ziehen, viel versprechen und doch oft nur Ödland hinterlassen.

 

§         Die Größenordnungen, um die es geht, stehen in einem eklatanten Missverhältnis. Wenn 4000 Quadratmeter mit Gastronomie und weitere 3000 Quadratmeter mit Wellness und „Kinderland“ besetzt würden, würde unser vertrautes Landau mit seinen bewährten und entwicklungsfähigen Freizeiteinrichtungen und seiner Kneipenvielfalt zum kaum noch wahrgenommenen Anhängsel eines gesichtslosen, lärmenden Vergnügungstempels werden, der so auch in der Wüste von Nevada stehen könnte. Strukturpolitisch entstünde ein Fremdkörper in dem von Weinbau und schonendem Tourismus geprägten südpfälzischen Umland. Der Südpfalz darf man so etwas nicht antun (Was sagen eigentlich die SÜW-Politiker zu der Landauer Phantasterei?).

 

§         Heute sind Ansiedlungsprojekte generell wegen der erdrückend stark gewordenen Stellung von Investoren weitgehend zum Nullsummenspiel geworden: Was Kommunen -  offen oder geheim – an handfesten Vorleistungen und Zugeständnissen erbringen müssen, wird kaum noch durch später eintretende steuerliche Vorteile kompensiert; Arbeitsplatzversprechen erweisen sich meist auch als Augenwischerei.

 

§         Das Projekt erzeugt zusätzlichen Druck, die Südpfalz weiter mit Straßen zuzupflastern, wenn mit Besucherströmen gerechnet wird, die an fast das Doppelte des Verkehrsaufkommens zum Hasslocher Holiday-Park herankommen sollen. Der 4-spurige Ausbau der B 10 wird dann manchen noch vordringlicher erscheinen.

 

§         Massive Beeinträchtigungen des einmaligen Naturschutzgebietes Ebenberg durch angelockte Menschenmassen vor allem in der Nacht können nicht ausbleiben. In diesem Zusammenhang erhebt sich die Frage, ob die Information zutrifft, dass die Installierung eines den Nachthimmel kilometerweit optisch verschmutzenden und die Vogelwelt erheblich beeinträchtigenden sog. Sky-Beamers von der Investorengruppe tatsächlich zur Vorbedingung gemacht worden sei und dass der zuständige Ratsausschuss bereits dafür seine Zustimmung gegeben haben soll. Diese Frage stellt sich vor dem Hintergrund, dass anderwärts solche Verirrungen der Disco-Industrie wieder abgebaut werden mussten.

 

Der BUND kann nur warnen. Er erinnert im Übrigen daran, dass die früher einmal für ihre Klugheit weithin berühmten Schildbürger eines Tages mehrheitlich entschieden haben, von nun an ihr Heil nur noch in Torheiten zu suchen. Ob sich in Landau ein solcher Vorgang demnächst wiederholen wird, das ist jetzt die Frage.

 

Quelle: BUND Rheinland-Pfalz


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