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31.03.03

 

Eröffnungsstatement Schifffahrt Straßburg - Speyer am 29. 03. 2003

 

Liebe Umweltfreunde rings um den Oberrhein,

die "alten" Nationen Europas haben in einem schmerzlichen geschichtlichen Prozess gelernt, wie man Schritt für Schritt tiefe Gräben überwindet und Probleme löst. Damit unterscheiden wir uns deutlich von anderen.

 

Als geradezu modellhaft für dieses Arbeiten an der "Baustelle Europa" bietet sich diese alte Region am Oberrhein zwischen Basel und Mainz an.

Die Politik ist vorangegangen mit Oberrheinkonferenz und Oberrheinrat. Die Umweltverbände von Alsace Nature, BUND und BASNU nutzen diesen Rahmen. Sie wollen den bisher im Vordergrund stehenden einseitigen ökonomischen Belangen Forderungen im Interesse von Umwelt, Natur, Kultur und Geschichte dieses Raumes entgegen- oder zumindest an die Seite stellen.

Dieses Stück Rhein zwischen Vogesen und Schwarzwald, zwischen Pfälzerwald und Odenwald steht nicht nur für eine reiche Kulturgeschichte von Johannes Gutenberg bis hin zu Jean oder Hans Arp; hier wehte auch viel früher als anderswo der Geist des aufgeklärten Denkens. Hier kämpften Revolutionäre und Freischärler; von hieraus wurden entscheidende Impulse in die amerikanische Demokratie getragen; in diesem Raum erklang zum ersten Mal die Marseillaise.

Heute ist es Aufgabe, mit dem Überlebensthema Umweltschutz das erstarrte Denken der Politik aufzubrechen, die Querschnittsaufgabe Ökologie einer Haltung des Weiter-So entgegenzusetzen; der alles bestimmenden Ökonomisierung des öffentlichen Handelns zu zeigen, dass es ein Recht auf eine intakte und lebenswerte Umwelt gibt. "Gut leben, statt viel haben" lautet beim BUND in Deutschland die Devise.

Das von der Welthandelsorganisation WTO mit GATS anvisierte Ziel der Liberalisierung und Privatisierung von Dienstleistungen der Daseinsvorsorge darf nicht das letzte Wort der Euro-päischen Union sein! So elementare Dinge wie Trinkwasser kann man einfach nicht zur Ware machen. In letzter Konsequenz müssten unsere Kinder eines Tages noch für jeden Atemzug frischer Luft Gebühren entrichten, bloß weil ein Investor seine Aktionäre an Luftreinigungstechnik verdienen lassen muss.

Wir südlichen Rheinland-Pfälzer im BUND sind stolz, dankbar und glücklich, dass wir mit unserem nachhaltigen Bemühen einiges dazu beitragen konnten, dass es zu einer Zusammenarbeit der Umweltverbände am Oberrhein kam. Der großartigen Zuarbeit von Alsace Nature gilt unsere ganz besondere Anerkennung. Sie bescherte uns u. a. Corinna Wirth und die Geschäftsstelle in Straßburg.

Es waren zunächst Fragen der Verkehrspolitik, die uns zusammengeführt haben: Anfänglich hatten wir einzig und alleine die 12 Kilometer geplante Autobahn durch das FFH-Gebiet Bienwald auf rheinland-pfälzischer Seite im Auge. Dann aber weitete sich der Blick. Das hatte zum Ergebnis, dass BUND und Alsace Nature gemeinsam agierten  -  mit Flugblattaktionen und öffentlichen Diskussionen zwischen Mutterstadter Kreuz bei Ludwigshafen und Straßburg im Elsass.

Die Oberrhein-Region ist seit alters ein Korridor, in dem sich die Ströme des europäischen Nord-Süd-Verkehrs bündeln. Kein Wunder daher, dass sich uns der Horizont der Betrachtung ausdehnte bis zur Alpenquerung und den Verkehrsproblemen in den Seitentälern von Vogesen und Pfälzerwald. Ihren Niederschlag gefunden hat diese vernetzte und ganzheitliche Herangehensweise in der gemeinsam zwischen nordbadischen Gruppen, Alsace Nature und Südpfälzer Verbänden und Bürgerinitiativen erarbeiteten "Knielinger Resolution". Hierin wird von der Politik gefordert, heranzugehen an  eine "integrierte Verkehrsplanung im europäischen Kontext". Michel Dubromel und Willi Junker werden heute noch wichtige Details zu sagen haben zum Projekt einer "Vision" für eine andere Verkehrspolitik im Oberrheinraum.

Verkehrspolitik ist eine Art Rückgrat für fast alle anderen Umweltthemen, so wie der  Rhein das Rückgrat dieser langgestreckten und vielfältigen Landschaft ist. Hier liegt der tiefere, symbolische Sinn einer Flussfahrt, die zwei Städte mit zwei einmaligen Kathedralen verbindet, die begleitet wird von unverwechselbaren Mittelgebirgen. Zwei davon sind schon durch grenzüberschreitenden Umweltschutz miteinander verbunden: Der Pfälzerwald und die Nordvogesen durch das gemeinsame UNESCO-Projekt Biosphärenreservat.

Vor allem eines soll vor der Öffentlichkeit bekräftigt werden:

Den heute wieder in Mode kommenden einfachen Lösungen von Gewalt und Denkfaulheit setzen wir entgegen ein Denken in Komplexität, Respekt vor dem Gewordenen und Albert Schweitzers "Ehrfurcht vor dem Leben".

Franzosen und Deutsche haben einen harmonisch aufeinander abgestimmten  sprachlichen Dreiklang; auf Französische lautet er "liberté, égalité, fraternité" das deutsche Echo hierzu lautet "Einigkeit und Recht und Freiheit".

Übertragbar ist die in diesen Begriffen enthaltene Philosophie auch auf unseren Einsatz für Natur und Umwelt; dieser nämlich ist im eigentlichen Sinne gesellschaftliches Handeln und Dienst an einem demokratischen Gemeinwesen.

Ich wünsche einen schönen und erlebnisreichen Tag.

Quelle: Ulrich Mohr, Pressesprecher BUND


Informationen beim BUND-Regionalbüro Pfalz

Fon 06341/381672, Fax: 06341/381673,

E-Mail: regionalbuero@bund-pfalz.de

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