++ [Artikel zu Naturschutz] ++
27.08.2008
Landesverband Rheinland-Pfalz
Um biologische Vielfalt langfristig zu erhalten, müssen auch
im vom Menschen genutzten Raum Maßnahmen zu Landschaftsschutz und -entwicklung
durchgeführt werden. Dem widmet sich seit Anfang 2007 das Projekt „Naturschutz
ohne Grenzen“. In Siedlungs- und Wohnräumen, in Gewerbe- und Industriegebieten
und auf land, weide- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen thematisiert das
Projekt so genannte Sekundärbiotope. Es vernetzt Naturräume, ermöglicht
Ausbreitung und Austausch von Arten und trägt zum Erhalt biologischer Vielfalt
bei. Initialzündung und grundlegende Vorarbeiten des Projekts liefern die
deutschen Organisationen BUND Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, die
französischen Alsace Nature und der Basler BASNU, die sich gemeinsam um den
Naturschutz im Oberrheinraum kümmern. Durch Einbeziehung einer breiten
Öffentlichkeit, die mit Unterstützung der Projektpartner und erarbeiteter
Materialien eigene Aktionen durchführen, soll nachhaltig die biologische
Vielfalt gesichert werden. Kofinanziert wurde „Naturschutz ohne Grenzen“ mit
Unterstützung der Programme INTERREG-PAMINA und INTERREG-Oberrhein-Mitte-Süd der
Europäischen Union sowie vom Umweltministerium des Landes Rheinland-Pfalz.
Das Projekt
In Phase eins wählten die Projektpartner Projekte aus, die bereits erfolgreich
zum Schutz biologischer Vielfalt im menschlichen Nahbereich beigetragen haben.
Um einen hohen Effekt für den Erhalt biologischer Vielfalt zu erzielen und
außerdem die Nachahmung leicht zu machen, sollten die Projekte drei Kriterien
erfüllen. Sie sollten besonders unkompliziert sein und zugleich einen breiten
Interessenkreis einbeziehen, außerdem Lebensräume vernetzen und schließlich
Aspekte berücksichtigten, die über den reinen Naturschutz hinausgehen wie
sozioökonomische oder politische. Ausgewählt wurden auf diese Art Projekte wie
das der schweizerischen Stiftung „Natur & Wirtschaft“, die mit der Vergabe eines
begehrten Zertifikats Wirtschaftsunternehmen zur ökologischen Gestaltung ihres
Firmenareals ermutigt, oder der französische Vogelschutzverein LPO, der sich um
ökologische Managementaspekte im Weinberg kümmert.
In Phase zwei des Projektes beschrieben und analysierten die Projektpartner die
ausgewählten Projekte und veröffentlichten 2008 eine Auswahl von Projekten in
einem Weißbuch und einer Wanderausstellung, um die Arbeit für interessierte
Nachahmer zu erleichtern.
Neben Projekten aus Baden, dem Elsass und der Nordschweiz sind auch Projekte in
der Süd- und Südwestpfalz dabei, von denen hier zwei vorgestellt werden sollen.
Quellschutz und Schmetterlingswiesen – zwei beispielhafte
Projekte in der Pfalz
Der BUND-Landesverband Rheinland-Pfalz startete das Quellschutzprojekt Dahner
Felsenland im Rahmen seines Langzeitprojektes „Rettet die Quellen“ im Jahr
2003. Ziel war es, natürliche und naturnahe Quellbiotope wieder herzustellen. Im
Rahmen des Langzeitprojekts sollte es außerdem dazu beitragen, das Wissen über
den fragilen und einzigartigen Lebensraum Quelle zu erweitern, ein Forum für
Quellschutz zu bieten, wissenschaftliche Daten zu sammeln, aufzubereiten und der
Öffentlichkeit zugänglich zu machen und so das Problem der Quellzerstörung ins
öffentliche Bewusstsein zu rücken und Maßnahmen zum Quellschutz zu initiieren.
Konkret sollten im Dahner Felsenland praktische Pflege- und
Entwicklungsvorschläge für jede einzelne Quelle entstehen und anschließend die
Empfehlungen umgesetzt werden. Dazu wurden die Quellen genau kartiert im
Hinblick auf Wasserchemie, Morphologie, Umfeldnutzung, Ökologie, Gefährdungs-
und Schädigungslage und die Daten dann analysiert. Bei den Maßnahmenvorschlägen
wägte man schließlich ab zwischen den verschiedenen Interessen der Quelle als
schützenswertem Lebensraum und als Anziehungspunkt für Bewohner und Gäste der
Region. In den Quellen leben Arten, die früher weit verbreitet waren, jetzt aber
nur noch in geschützten Quellen passende Lebensbedingungen finden, wie zum
Beispiel die Quellschnecke als typische Tierart der Eiszeit.
Auch die Schmetterlingswiesen in einem Gewerbegebiet
von Landau tragen zum Erhalt biologischer Vielfalt bei. Als Ausgleichsfläche für
Flächenversiegelung im Gewerbegebiet zur Verfügung gestellt, wurden das Gelände
und der durchfließende Birnbach renaturiert. So stellen sie heute Rückzugsgebiet
und Lebensraum für Flora und Fauna innerhalb der Stadt dar. Wie Evaluationen
ergaben, nehmen auch gefährdete Arten das Gebiet gut an. Das enorme ökologische
Potential des Gebietes zeigt sich unter anderem an den im Jahr 2007
festgestellten 23 Vogelarten und 72 Wildpflanzenarten, darunter das selten
gewordene Schwarzkehlchen und die gefährdete Haubenlerche. Heute pflegen
BUND-Mitglieder und FÖJler das Gelände nach ökologischen Gesichtspunkten, woraus
für Stadt und Umweltschutzorganisation eine win-win Situation entsteht, in der
die Stadt das Geld für die Pflege einspart und der BUND ausgezeichnete
Gebietsvoraussetzungen für Umweltbildungsarbeit insbesondere für Kinder und
Jugendliche erhält.
Projekt unterstützt Nachahmer
In Phase drei schließlich setzt das Projekt auf die Verbreitung seiner
Erkenntnisse. Durch die Aktivitäten werden am Naturschutz interessierte Akteure
zusammengebracht und dauerhaft vernetzt. Dazu stellt das Projekt verschiedene
Hilfsmittel zur Verfügung.
Zum einen liegt ein Weißbuch vor, in dem 21 beispielhafte Projekte von
„Naturschutz ohne Grenzen“ zusammengefasst sind. Hier finden Interessierte Ideen
in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, kulturhistorische
Landschaftselemente, Grünkorridore mit Schaffung und Erhalt von Biotopen, Natur
in urbanen Gebieten und Umweltbildung. Jedes Projekt ist dabei dargestellt mit
Projektbeschreibung, Projektziel, Maßnahmen zum Erreichen des Zieles und dem
Hinweis, auf welche Art das Projekt biologische Vielfalt fördert. Besteht
Interesse, zu einem Thema mehr zu erfahren oder sich Hilfe bei der Unterstützung
eigener ähnlicher Projekte zu holen, sind auch Projektakteure und Kontakt zu
Verantwortlichen aufgeführt.
Des Weiteren besteht die Möglichkeit, die Wanderausstellung des Projektes
auszuleihen. Die Ausstellung gibt Einblicke in Projekte, reich bebildert und
versehen mit Erklärungen. Sie liefert Anregung zum Nachdenken über Naturschutz
im Nahbereich und gibt Ideen, wie man dazu beitragen kann. Die in deutscher und
französischer Sprache gestaltete Ausstellung kann bei den Projektpartnern BUND
Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, Alsace Nature und BASNU ausgeliehen
werden.
Außerdem unterstützte das Projekt mit einem Seminar in Landau Begegnungen und
Kooperation zwischen Akteuren, um Interessierte zusammenzubringen und zu
vernetzen. Dort wurden Gemeinden und sonstige Akteure zum Mitmachen ermuntert.
Neben punktuellen Begegnungen soll das Projekt so dazu beitragen, andauernde
Kontakte zwischen Akteuren zu schaffen. Auf diese Weise kann neben dem Schutz
biologischer Vielfalt vor Ort auch eine gemeinsame Kultur im Oberrheingebiet
entstehen.
Weitere Informationen über die Projekte beziehungsweise
Kontakt zu den Akteuren finden Interessierte auf den folgenden Internetseiten.
Die Projektpartner hoffen, durch nachfolgende Möglichkeiten viele Nachahmer für
Naturschutz ohne Grenzen zu finden.
Informationen zum
Quellschutzprojekt
Zu den Akteuren der
Schmetterlingswiesen
Zum BUND Baden-Württemberg
Informationen zum
Projekt Kräutergarten
Zur elsässischen Organisation
Alsace Nature
Basler Arbeitsgemeinschaft zum Schutz von Natur und Umwelt (BASNU), zu erreichen
per Email.
Das zweisprachige Weißbuch steht hier zur Verfügung:
Weißbuch
Die zweisprachige
Wanderausstellung kann bei den Projektpartnern BUND Rheinland-Pfalz,
BUND Baden-Württemberg, Alsace Nature, BASNU ausgeliehen werden.
Bei Fragen zum Projekt steht die Landesgeschäftsstelle des BUND Rheinland-Pfalz
zur Verfügung:
Kontakt
Quelle: http://vorort.bund.net/rheinland-pfalz/bundaktiv/bundaktiv_50/bundaktiv_914.htm
Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz
oder senden Sie uns ein E-Mail: regionalbuero@bund-pfalz.de
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