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04.11.02

 

Investitionskosten für MVA Pirmasens: Schlimmer verdreht die Wahrheit

 

Nicht Umweltstandards, Knebelvertrag ins Visier nehmen!

Wenn Bürgermeister Schlimmer gemäß RHEINPFALZ-Artikel vom 2. November 2002 (Rolls Royce der Ökologie) behauptet, die Umweltschützer hätten die Investitionskosten für die überdimensionierte Müllverbrennungsanlage Pirmasens verursacht, dann betreibt er eine Geschichtsfälschung, die jeden Vergleich mit der berüchtigten Dolchstoßlegende nach dem verlorenen 1. Weltkrieg aushält.

 

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, sei Folgendes ins Gedächtnis zurückgerufen:

Die Umweltschützer wollten überhaupt keine Müllverbrennung. Diese wurde gegen den Willen von ca. 47.000 Einwendern rücksichtslos durchgesetzt. Die Umweltschützer setzten auf Alternativen zur Müllverbrennung und auf Müllvermeidung.

Hauptursache für die in Rheinland-Pfalz einmalig hohen Müllgebühren des ZAS ist die unnachahmliche Unbelehrbarkeit und Hartleibigkeit der süd- und südwestpfälzischen Kommunalpolitik, die sich gegen alle rechtzeitig ergangenen Warnungen eine weit überdimensionierte Anlage hat aufschwätzen lassen.

Der BUND lässt es nicht zu, dass dieses simple Faktum durch Schlimmers Geschichtsverfälschung zugedeckt werden soll.

Das Neustadter Verwaltungsgericht hat in seiner Urteilsbegründung vom Sommer 2000 aufgelistet, welche Warnsignale von den damaligen Entscheidern in den Wind geschlagen wurden:

- Bereits am 28. 8. 1992 hat das Oppenheimer Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht auf die zu erwartenden Risiken zu hoher Verbrennungskapazitäten hingewiesen.

- Die damalige Bundesregierung hat im Jahr 1994 sämtliche entsorgungspflichtigen Gebietskörperschaften vorsorglich und mit eindringlichen Worten auf die erheblich müllmindernden Auswirkungen des bevorstehenden Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes aufmerksam gemacht.

- Sogar die sich um den Bau der Anlage mitbewerbende, aber nicht zum Zug gekommene VEBA gab den Hinweis, dass bis zum Jahr 2000 höchstens mit 100.000 Jahrestonnen verbrennbaren Mülls für Pirmasens zu rechnen sei.

Es ist die Frage zu stellen, warum kein Verantwortlicher offenbar die Pflicht empfunden hat, bei einem solchen Kostenersparnis versprechenden Hinweis nachzuhaken.

Fazit: Alle, die beruflich etwas von der Müllmaterie verstanden, haben gewarnt. Nur unsere Laiendarsteller aus der Kommunalpolitik mussten es unbedingt besser wissen.

Von Anfang an gefordert hatte der BUND müllvermeidende Erfassungssysteme. Leider haben die derzeitigen viel zu spät eingeleiteten Müllvermeidungserfolge im Kreis SÜW nach Errichtung der MVA für die gebührenpflichtigen Bürger eine andere Wirkung, als sie sie vor deren Errichtung hätten haben können.

Richtig ungehalten jedoch stimmt folgende Unsäglichkeit:
Der Sozialdemokrat Schlimmer erwähnt die gesetzlich vorgeschrieben Umweltstandards der Anlage als den eigentlichen, die Investitionskosten hochtreibenden Faktor; dagegen stört ihn nicht das nach krass neoliberalem Muster gestrickten Vertragsverhältnis mit der Sotec, das seine törichten Politiker-Kollegen auf 25 Jahre haben festschreiben lassen. Es ist einfach unglaublich grotesk:

Gemäß dem vom ZAS für hunderttausend Mark in Auftrag gegebenen Gutachten von Ernst & Young belasten die Umweltstandards  die 468 Mark teure Tonne Müll gerade mal mit 39 Pfennigen (Vgl. DIE RHEINPFALZ v. 12. 10. 2002).

Dagegen belastet alleine die 25 Jahre lang jährlich um 2 Prozent steigende, an eine Hannover Leasing GmbH & Co. KG abzuführende Geschäftsbesorgungsvergütungden Gebührenzahler im Augenblick mit fast einer halben Million Euro im Jahr. Über solche Ungeheuerlichkeiten wissentlich zu schweigen, verrät große Meisterschaft in der  hohen Kunst der Volksverdummung.

Wie praktisch ist es doch, die Umweltschützer als Sündenböcke zu benutzen!


Falls Sie Fragen haben, einfach anrufen. 

Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz

oder senden Sie uns ein E-Mail: regionalbuero@bund-pfalz.de

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