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08.07.2006

 

Abfalldeponiekataster für SÜW

Welche ökologischen Zeitbomben mögen noch in SÜW-Erde schlummern?

Was hat die Kontrollbehörde bisher getan?

 

KREIS  SÜDLICHE WEINSTRASSE.  Es gibt allen Anlass zu der Vermutung, dass unter der Erdoberfläche des Kreises SÜW immer noch äußerst beunruhigendes Material  verborgen liegt. In einem jüngst verschickten Schreiben an den die erkrankte Landrätin vertretenden 1. Kreisbeigeordneten Nicolai Schenk erkundigt sich BUND-Kreisgruppenvorsitzender Reinhold Siener, „wieweit unsere Kreisverwaltung seit dem Zeitpunkt der Erhebungen dem in dem Bericht festgestellten Handlungsbedarf nachgekommen ist“.
Gemeint ist der der Kreisverwaltung bereits im Juni 1990 vorgelegte, dem BUND aber erst jetzt zugänglich gewordene „Schlussbericht über die Erhebungen im Gebiet des Landkreises Südliche Weinstraße“ zum Thema „Abfalldeponiekataster Rheinland-Pfalz“. Er erfolgte im Sinne der Verwaltungsvorschrift „Einrichtung und Fortführung des Abfalldeponiekatasters“. Erstellt worden ist der Bericht als „Auftrag Nr. 3640“ vom Ingenieurbüro Kittelberger GmbH mit Sitz in Ludwigshafen.

 

Derartige Erhebungen wurden flächendeckend in allen rheinland-pfälzischen Landkreisen durchgeführt.

 

In seinem siebenseitigen Schlussbericht kommt das Büro für den Landkreis SÜW auf insgesamt 374 Altablagerungsstellen. Diese wurden „unter dem Gesichtspunkt eines möglichen Handlungsbedarfs“ in Prioritätengruppen von 1 (höchste Dringlichkeit) bis 4 in einer Tabelle zusammengefasst.

 

Unter die Prioritätsstufe „höchste Dringlichkeit“ fielen insgesamt 75 Plätze, davon 28 in der Verbandsgemeinde Landau-Land, 16 in der Verbandsgemeinde Edenkoben und 13 in der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern. Mit der Stufe 2 zusammen ergaben sich 107 Altablagerungsstellen, die  -  wie es in dem Bericht heißt  -  von der Aufsichtsbehörde vorrangig zu behandeln sind“.

 

Alleine 44 Fälle der Gruppe 1 liegen innerhalb eines Wasserschutzgebietes; davon entfallen alleine auf die Ortsgemeinde Ranschbach (Wunderquelle!!!) 15 Stellen. „In 31 Fällen bestehen gesicherte Kenntnisse über die Ablagerung von industriellen oder sonstigen Abfallstoffen“, heißt es lapidar.

 

An anderer Stelle wird festgestellt: „Auffällig ist der nicht unerhebliche Anteil an abgelagerten Autowracks, wobei auf dem Gebiet der Stadt Annweiler und der Ortsgemeinde Altdorf „geradezu von Autofriedhöfen gesprochen werden muss“.

Eigens hervorgehoben wird die in die Abfallliteratur eingegangene Deponie Venningen, in der der Bericht „noch einige tausend Tonnen Sonderabfälle“ vermutet; die dort gelagerten „verschiedensten Industrieabfälle“ setzen sich zusammen aus Härtsalzen, Lackschlämmen, Farbstoffen und sonstigen Industrieschlämmen.

 

Für die Stadt Edenkoben werden noch weitere, bisher nicht beseitigte cyanidhaltige Abfälle vermutet; die im Zug des Baus des Polizeiinspektionsgebäudes vorgenommenen Auskofferungen hätten dort längst nicht alle Giftstoffe erfasst.

 

Die weitaus größte Anzahl von Ablagerungsstellen wurde  -  mit insgesamt 143 und im Schnitt 6,8 pro Ortsgemeinde  -  für die Verbandsgemeinde Bad Bergzabern festgestellt. Hieraus erklärt sich wohl auch das massenhafte Verschwinden der einst so überaus reizvollen, für die Südpfalz so charakteristischen Hohlwege. Auch in der Verbandsgemeinde Annweiler ist die Anzahl der vorgefundenen Ablagerungen mit 73 überdurchschnittlich hoch.

 

Der BUND befürchtet, davon ausgehen zu müssen, dass von dem 1990  -  wahrscheinlich längst nicht vollständig  -  festgestellten dringenden Sanierungsbedarf nichts Nennenswertes umgesetzt ist. Unsere Kinder und Enkel werden uns dereinst verfluchen ob dieser Drückebergerei.

 

Quelle: BUND Rheinland-Pfalz


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