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17.02.2008
BUND-Mitgliederversammlung zu Südpfälzer Bauerntag:
Grüne Gentechnik kein Thema für Witzbolde!
Besser: Orientieren an wachsender Verweigerungshaltung zahlreicher Berufskollegen anderswo
„Die BUND-Kreisgruppe
Südpfalz freut sich mit den Bauern über die endlich eingetretene Verbesserung
ihrer wirtschaftlichen Lage. Ob dieser neue Trend aber anhalten wird, hängt
entscheidend auch davon ab, ob die Landwirte dem enormen Druck auf
flächendeckenden Einsatz von Gentechnik auf dem Acker standhalten werden.
Grüne Gentechnik bringt keinen nachweisbaren Nutzen – weder für die Verbraucher
noch für die Landwirte. Auf Dauer ist der Schaden größer. Das können
Interessenvertreter des Berufstandes Landwirt doch im Ernst nicht wollen“.
Mit dieser Feststellung reagierte Kreisgruppenvorsitzender Reinhold Siener auf
der gestrigen Mitgliederversammlung der BUND-Gruppe auf die in der RHEINPFALZ
kommentierten Witzeleien von Verbandsfunktionären über die ablehnende Haltung
von Berufskollegen und Verbrauchern gegenüber gentechnisch veränderte
Nahrungsmitteln.
Möglicherweise war es ja nur Galgenhumor angesichts des erkennbaren Zugriffs von Weltkonzernen auf die gesamte Produktionsstrecke „vom Acker bis zum Teller“, wie einmal ein Vertreter eines solchen Konzerns offenherzig bekannte, und angesichts des Gefühls, bei diesem Kampf sowieso am kürzeren Hebel zu sitzen.
Statt resignativ die Flinte ins Korn zu werfen, sollten sich unsere Südpfälzer Bauernfunktionäre das zum Vorbild nehmen, was inzwischen 25.436 deutsche Landwirte in 94 „Gentechnikfreien Regionen“ für eine Fläche von fast 877.000 Hektar beschlossen haben: Flächendeckenden, freiwilligen Verzicht auf Einsatz jeglichen industrieproduzierten Saatguts. Diese Bauern tun das im Gleichschritt mit 174 Regionen, Counties, Woiwodschaften, Departements, Regioni und 4.500 lokalen politischen Gebietskörperschaften in der EU.
Weltweite Beobachtungen zu den Folgen des Einsatzes von Gen-Saaten ergeben das verheerende Bild eines Rückfalls der Bauern in quasi-feudale Verhältnisse: Aus freien Mittelständlern werden mehr oder weniger Vertragsangestellte grenzenlos operierender Konzerne, wenn sie nicht gleich in Insolvenz und Arbeitslosigkeit getrieben werden.
Im Einzelnen beruht das soziale und ökologische Desaster der Grünen Gentechnologie weltweit auf folgenden Befunden:
· Gen-Saatgut ist teuer. In den USA ist z. B. Roundup Ready-Soja um sage und schreibe 35 Prozent teurer.
· Farmer erzielen mit Gen-Saaten keine höheren Erträge. Diese Aussage stützt sich immerhin auf eine Mitteilung des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums.
· Auf die Dauer ist keine Einsparung bei Pflanzenschutzmitteln feststellbar. Dies erklärt sich aus den nach wenigen Jahren auftretenden Resistenzen. Was wiederum Aufwandmengen und Folgekosten in die Höhe schnellen lässt.
· Es kommt zu massiven Auswirkungen auf die Vielfalt der Wildkräuter auf und neben dem Acker sowie auf die davon abhängige Insektenwelt. Dies geht aus dem bisher größten Freilandexperiment hervor, das die britische Regierung in den Jahren 2000 bis 2003 auf 129 Flächen hat durchführen lassen.
· Koexistenz von Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik ist auf Dauer unmöglich; Gentechnik würde durch vom Winde verwehte Pollen die wachsende Branche des Biolandbaus unmöglich machen. Das hat die verheerende Entwicklung in Kanada, den USA und Argentinien längst bewiesen. Die Klage von ca. 1000 Biobauern in der kanadischen Provinz Saskatchewan gegen Monsanto, den Gentec-Partner der BASF, und Bayer spricht hier für sich.
· Eine Begleitforschung über die Auswirkungen des Verzehrs genveränderter Pflanzen auf die menschliche Gesundheit existiert nirgendwo auf der Welt. Es gibt selbst in der EU kein Programm zur Erfassung toxischer, chronischer oder allergener Wirkungen durch gentechnisch veränderte Organismen.
Aus den Risiken der Atomkraft kann man vielleicht noch „aussteigen“ – vom Winde in unsere mitteleuropäische Biosphäre verwehte Labor-Gene können bis in alle Ewigkeit nicht mehr zurückgeholt werden.
Quelle: BUND Kreisgruppe Südpfalz
Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Südpfalz
oder senden Sie uns ein E-Mail: regionalbuero@bund-pfalz.de
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